Hilden: Gedenken an Hildener Helden

Hilden: Gedenken an Hildener Helden

Der Historiker Dr. Ernst Huckenbeck hat sechs Bücher gefunden, die der damalige Büchereileiter Heinrich Strangmeier vor den Nazis versteckte. Der Bonni-Schüler Max van der Burgt schreibt über den mutigen Mann.

War Heinrich Strangmeier ein Held? Durchaus, findet Bürgermeister Günter Scheib. Als ihn Max van der Burgt nach einem Hildener Helden fragte, nannte Scheib ihm den Namen Heinrich Strangmeier. Der Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums (Klasse 7) nimmt am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teil.

Verkauf fingiert

Was hat Strangmeier Heldenhaftes getan? Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, verbannten die Nazis die Bücher von Regimegegnern und Andersdenkenden aus den öffentlichen Bibliotheken und ließen sie zum Teil öffentlich verbrennen. Strangmeier war damals 34 Jahre alt und leitete die Stadtbücherei Hilden. Der „sozialdemokratisch angehauchte Liberale“, wie ihn Gerd Müller in seinem Nachruf charakterisierte (Hildener Jahrbuch 1987), handelte schnell. Strangmeier fingierte einen Verkauf aller Bücher sozialistischen oder kommunistischen Inhalts oder von verfemten deutschen, ausländischen oder jüdischen Schriftsteller aus dem Bestand. Den „Verkaufserlös“ zahlte er aus eigener Tasche. Die Bücher versteckte Strangmeier in seiner ostwestfälischen Heimat.

Wäre das Täuschungsmanöver den braunen Machthabern aufgefallen, hätte das den mutigen Bibliothekar Kopf und Kragen kosten können. Eingeweiht waren Strangmeiers Freund, der spätere Bürgermeister Robert Gies, und sein jüdischer Hauswirt Jakob Schmitz, berichtet Gerd Müller. Sie rieten ihm dringend, zu seinem eigenen Schutz sofort in die NSDAP einzutreten. Strangmeier wurde am 1. Mai 1933 „Parteitgenosse“, bildete aber mit anderen Hildenern wie Robert Gies, Carl Kirschbaum und Mathias Ludwig Schroeder einen antifaschistischen Kreis. Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte Strangmeier in der Bücherei zwei bekannte Antifaschisten und nahm mit seiner Frau 1942 eine damals 16-jährige aus der Ukraine verschleppte Zwangsarbeiterin wie eine Tochter bei sich auf, obwohl das strengstens verboten war.

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Die von Strangmeier (er starb 1986) in Sicherheit gebrachten Bücher galten als verschollen. Es existierten nur die Verkaufsbelege. Der Historiker Dr. Ernst Huckenbeck, Herausgeber der von Strangmeier begründeten Niederbergischen Beiträge, hat jetzt sechs von ehemals rund 90 versteckten Büchern auf dem Speicher der Stadtbücherei wiedergefunden. An den Büchern von Luxemburg, Marx und Ebert ist zu erkennen, dass sie einst bearbeitet wurden, um ihre Herkunft aus der Stadtbücherei Hilden unkenntlich zu machen. Nach 1945 wurden die Bücher unter der alten Signatur wieder in den Bestand aufgenommen.

Erinnerung in Bücherei

Gestern Abend im Stadtrat regten Huckenbeck, der von ihm beratene Max von der Burgt und seine Betreuerin, Sozialpädagogin Tanja Leberer, in der Einwohnerfragestunde an, die sechs wiedergefundenen Bücher mit einer Büste von Strangmeier in der Stadtbücherei auszustellen. Die Existenz dieser Bücher verweise auf den Umgang mit Kultur und Gedankenfreiheit im Nationalsozialismus und auch auf die Verarbeitung dieses dunklen Kapitels deutscher Geschichte in der Nachkriegszeit.

(RP)