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Gastronomen in Hilden und Haan leiden unter Coronakrise

Coronavirus in Hilden und Haan : Gastronomen leiden unter Coronakrise

Haan schließt Restaurants und Gaststätten und lässt nur noch Außer-Haus-Verkauf zu. Hilden plant ähnliche Schritte. Die Unternehmer forderten eine klare Vorgabe von der Politik. Denn sonst zahlt die Versicherung offenbar nicht.

Große Sorgen quälen Hildener und Haaner Gastronomen und Hoteliers: Durch die Maßnahmen, die der Staat ihnen auferlegt hat, um die Ausbreitung des Coronavirus’ einzudämmen, fühlen sich viele in ihrer Existenz bedroht. Sie forderten klare Aussagen, wie es weitergehen soll. Die gibt es seit Freitagabend in Haan: Ab Mitternacht müssen Restaurants und Speisegaststätten ganztägig geschlossen bleiben. Jeder Verzehr vor Ort ist verboten, nur noch Außer-Haus-Verkauf erlaubt. Ähnliche Vorgaben sind in Hilden für Sonntag angekündigt.

„Wir bitten herzlich um Verständnis, dass wir nun in Ihrem Lieblingsrestaurant ausschließlich nach den behördlichen Vorgaben arbeiten. Dazu gehören insbesondere geänderte Öffnungszeiten: Ab 15 Uhr müssen wir Sie bitten, nach Hause zu gehen“, heißt es auf der Internetseite des Restaurants Landpartie im Fachwerk Hilden.

Die Gäste werden auf den wenigen noch zur Verfügung stehenden Tischen platziert, um einen Sicherheitsabstand von ein bis zwei Metern zu gewährleisten, betont Restaurant-Inhaber Thomas Klocke-Herpe und fügt hinzu: „Ja, ich fühle mich in meiner Existenz bedroht. Es wäre eine Katastrophe, wenn ich den in vielen Jahren aufgebauten Laden nun durch Corona verlieren würde.“

Die Gäste jedoch bleiben weg, bis einschließlich Juni hat er nur noch dicke schwarze Striche in seinem Reservierungsbuch – wegen der vielen Stornierungen. Seine Aushilfen im Restaurant hat er zum 15. März abgemeldet, Entlassungen seines Stammpersonals aber will er auf jeden Fall vermeiden. Mit ihnen spricht er über reduzierte Stundenzahlen und Kurzarbeit.

Die halbe Lösung – derzeit darf er von mittags bis 15 Uhr öffnen – macht für Thomas Klocke-Herpe keinen Sinn. „Wenn es keine Anordnung gibt, dass wir schließen müssen, zahlt die Versicherung nicht“, erklärt er den Wunsch nach einem klaren Verbot. Da Corona keine meldepflichtige Krankheit ist, versucht die Versicherung offenbar auch da, sich aus der Zahlungspflicht zu stehlen. Er könne höchstens ein bis maximal zwei Monate überstehen, wenn er alle Kosten runterfahre und mit seinem Verpächter spreche. Hinzu komme: Von schneller und unkomplizierter Unterstützung der Behörden merke er nichts, viele wüssten selber nicht, wie die Dinge zu regeln seien.

Ähnlich sieht das Myriam Hamacher, Geschäftsführerin des Hotels am Park in Haan. „Die Regierung soll endlich klare Ansagen machen, wie die Mitarbeitergehälter gesichert werden sollen“, fordert sie. Seit Mitte der Woche ist das zum Hotel gehörende Restaurant geschlossen. „Wir haben die Reißleine gezogen, weil wir keinen Mittagstisch anbieten“, sagt Hamacher. Dadurch aber fielen nicht nur die Laufkundschaft am Abend, sondern auch die Hotelgäste weg. Bei zehn Mitarbeitern muss das Hotel über Urlaub, Kurzarbeit oder Entlassungen nachdenken, klare Ansagen der Regierung über eine Kompensation aber fehlen der Geschäftsführerin.

Die Gäste reagieren indes nicht nur positiv: „Die Restaurantbesucher sind durchaus verständnisvoll. Aber zum Teil beschimpfen uns Hotelgäste, die nicht rechtzeitig storniert haben, dass wir Gebühren erheben“, erzählt Myriam Hamacher. Auf der anderen Seite bekomme das Hotel Druck von Buchungsportalen, sich kulanter zu zeigen. „Selbst aber kommen uns die Portale bei den Gebühren keinen Schritt entgegen“, ärgert sich Hamacher. Vor allem jedoch macht sie sich Sorgen um ihre Mitarbeiter: „Einige arbeiten mehr als 20 Jahre bei uns. Sie haben auch Nöte. Aber in der jetzigen Situation können wir wohl nicht alle durchziehen.“

Das Hildener Asia-Restaurant Nam hat indes beschlossen, es in der Not mit einem neuen Service zu probieren: Es bietet für seine Speisen seit 17. März täglich von 12 bis 21 Uhr einen Lieferservice in Hilden, den es langsam auf Richrath, Benrath, Ohligs und Hochdahl ausweiten will. Bis zu zwei Kinder unter 13 Jahren essen dabei kostenlos, das Gericht für jedes weitere Kind kostet drei Euro. „Wir vertrauen auf Eure Ehrlichkeit und werden die Angaben nicht überprüfen“, schreibt Geschäftsführer Huynh Le auf der Internetseite. Die Aktion ist sowohl Service an den Kunden als auch ein zumindest kleiner finanzieller Ausgleich in der auch für sein Unternehmen existenzbedrohenden Situation. Das Restaurant an der Kirchhofstraße hat er schon geschlossen, nur die Dependance in der Mittelstraße darf noch bis 15 Uhr für Gäste öffnen. „Ich habe schon einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt“, sagt der Chef von 16 Mitarbeitern.