Garten des Hauses Hildener Künstler verwandelt sich in Freiluft-Galerie

Kultur : Freiluft-Galerie im Sonnenschein

Einmal im Jahr verwandelt sich der Garten des Hauses Hildener Künstler H6 in eine Galerie innerhalb der Galerie. Die Köpfe hinter den Werken stehen den Besuchern zu Gesprächen zur Verfügung. Wie am vergangenen Sonntag.

Er ist ein Kleinod inmitten der Innenstadt – der Skulpturengarten am Haus der Hildener Künstler H6. Einmal im Jahr verwandelt sich dieser Garten in eine Galerie innerhalb der Galerie. Zwischen den Skulpturen, die im Mai 2018 hier aufgestellt wurden und bis Ende Oktober noch zu sehen sind, haben  am Sonntag unterschiedliche Kunstwerke Einzug gehalten und laden zum Verweilen, Betrachten und zum Gespräch mit den Kunstschaffenden ein. „Vielfältig und bunt“, sagt Gertrude Prange, die die Freiluft-Galerie mit organisiert.

Inmitten des saftigen Grüns von Rasen, Büschen und Bäumen, beschienen von lichten Sonnenstrahlen, bilden diese Werke Farbkontraste, Glanzpunkte und Denkanstöße. Ein ernstes Thema hat die Künstlergruppe der QQTec aufgegriffen. Ein ganzer Schwarm Schmetterlinge hat sich hier im Gras niedergelassen – rund geformt aus rotem Ton. „Wenn die Schmetterlinge nicht mehr fliegen, dann muss man sie künstlich machen“, stellt Peter Weisner den Bezug zum Insektensterben her.

Die Raku-Gruppe präsentiert Gefäße, die in einer alten japanischen Reduktionstechnik hergestellt wurden. Dabei nimmt der weiße Ton beim Brennvorgang eine schwarze Farbe an. Filigrane Keramikschalen glänzen bunt in der Sonne. An ihnen hat Ute Alkenings den ganzen Winter gearbeitet. „Ich esse so gerne Avocados“, erzählt sie. Das brachte sie auf die Idee, die Avocado-Schale mit dünnem Ton auszulegen. Diese Formen hat sie gebrannt. „Und dann glasiert.“

Eine völlig andere Form gibt Ute Augustin-Kaiser der Keramik. Sie fertigt Ketten aus selbst gemachten Tonperlen. „Das ist meine Leidenschaft“, verrät sie. „Ich sammle selbst ethnologische Ketten.“ Etwas genauer hinzusehen lohnt bei den Werken von Rosemarie Enxing-Pigan. Sie hat fein gearbeitete Keramiken mitgebracht, wie die Arbeit „Schöpfung“, die den Werdegang vom Fisch zum Menschen anschaulich macht. „Die Schöpfung ist ein immer wiederkehrendes Thema bei den Künstlern“, sagt sie. Mit einer ungebrannten Skulptur, die im Wasser steht und sich in permanenter Auflösung befindet, hat Raphael Siganschin der Vergänglichkeit ein Denkmal gesetzt.

Nicht nur Skulpturen waren in der Freiluft-Galerie der Hildener Künstler zu sehen, es gab auch Gemälde zu entdecken. Lidia B. Gordon präsentierte 24 kleinformatige Portraits aus ihrem aktuellen Projekt. „Es sind alles Aufnahmen von in Deutschland lebenden Kindern, deren Eltern aus verschiedenen Ländern stammen“, erklärt die Künstlerin.

Ob Japan, Syrien oder Polen – Lidia B. Gordon fängt nicht nur den Charakter des jeweiligen Kindes ein, sondern auch den kulturellen Hintergrund. Sechzig dieser Kinderportraits hat sie bereits erschaffen. „Es sollen hundert werden“, verrät sie. Außerdem hat sie zwei großformatige Werke mitgebracht, sehr farbenfroh und lebendig. „Kinder, so wie ich sie sehe“, sagt Gordon. Freundlich, fröhlich, offen.

Roland Hampl (Rol) hat seine Acrylbilder auf Stühle gestellt, weil der Wind sie zuvor von der Wand geblasen hat. Seine Werke inspirieren, sich Geschichten dazu auszudenken. Deshalb haben sie auch keine Titel. „Das kurbelt die Gehirnwindungen der Menschen an“, weiß der Künstler. Seine Bilder entstehen „aus dem Bauch heraus“. Harold Augustin stellt in seinen Fotografien den blühenden Frauenschuh vertrockneten Kräutern gegenüber, und Jerzy Laciaks Holzskulptur „Striptease mit Hut“ regt zum Schmunzeln an. Bei Gitarrenmusik, Kuchen und Kaffee wurde die Gartenausstellung zu einem kulturellen Sommerfest – ganz unter dem Motto „Künstlerische Freiheit“.

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