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Haan: Gaby Bongard bewirbt sich

Haan : Gaby Bongard bewirbt sich

Die Leiterin der Interessengemeinschaft blinder und sehbehinderter Menschenwürde ehrenamtlich die Behindertenberatung in Haan übernehmen. Die 53-Jährige Rentnerin ist von Geburt an sehbehindert.

Seit September letzten Jahres gibt es in Haan keinen Behindertenbeauftragten mehr. Peter Kuhn hatte sein Ehrenamt aufgegeben, weil es nebenberuflich nicht mehr leistbar war. Seither verzeichnet Gaby Bongard immer mehr Anrufe. Mitbürger, die ein Handicap haben, wenden sich an die Gründerin der Interessengemeinschaft sehbehinderter und blinder Menschen in Haan. Immer wieder werde sie aufgefordert, doch offiziell als Behindertenbeauftragte zu arbeiten, erzählt die 53-Jährige Haanerin.

Ihr Angebot, die Aufgaben ehrenamtlich wahrzunehmen, liegt im Rathaus und bei den Fraktionen vor. Doch so richtig wird das Thema momentan nicht verfolgt. Denn im vorigen Spätherbst kamen Politik und Verwaltung überein, die Behindertenberatung hauptamtlich mit einer Teilzeitstelle abzudecken. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Denn der Sozialausschuss tagt laut Sitzungsplan erst wieder im November. Es scheine aber ein Umdenken zu geben, berichtete Gaby Bongard im Gespräch mit der RP. Bei der CDU habe es einen Termin zum Kennenlernen gegeben.

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Seit Geburt ist Gaby Bongard sehbehindert. Hatte sie zu Anfang noch etwa 20 Prozent ihrer Sehkraft, so sind es heute noch "zwei bis fünf Prozent, je nach Licht und Tagesform". Nach dem Abitur wollte sie Lehrerin an einer Sehbehindertenschule werden. Nach dem Studium aber wurden Lehrkräfte mit einer so stark eingeschränkten Sehfähigkeit nicht angestellt. Um an einer Blindenschule unterrichten zu dürfen, hätte sie noch einmal vier Jahre studieren müssen – bei nur wenigen Chancen auf eine Anstellung. Also sattelte sie um, konzentrierte sich auf allgemeine Sozialarbeit und schloss die Erzieherprüfung ab. Doch auch in diesem Bereich gab es keine Stelle für Gaby Bongard, die wegen einer Arbeitsoption in einem Kinderheim schon nach Wegberg gezogen war. Später konnte sie bei einem Hilfsmittel-Hersteller in Tönisvorst arbeiten – die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln raubten ihr täglich sechs Stunden und schlugen auf die Gesundheit. 2006 sorgte ihr Arzt für die Verrentung. "Mittlerweile bin ich wieder zur alten Form gereift", sagt die lebenslustige Frau.

Damals schon hatte Gaby Bongard, mittlerweile wieder in Haan wohnhaft, um die Position der ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten beworben. Damals erhielt Ralf Wetzel den Vorzug und 2009 folgte ihm Peter Kuhn nach. "Als Rentnerin habe ich mehr Zeit für das Ehrenamt als jemand neben seinem Beruf aufbringen kann", nennt Bongard einen Vorzug. Die Kenntnisse über Fördermöglichkeiten kennt sie aus eigener Erfahrungen. Für das Lesen von Briefen und Anträgen nutzt sie Lupen oder elektronische Hilfsmittel. Sie sieht nur ein Problem: "Mit Gehörlosen könnte ich mich nicht verständigen, weil ich keine Gebärdensprache kann und sie auch nicht mehr lernen könnte. Aber: In solchen Fälle würde ich einen Gebärden-Dolmetscher hinzuziehen."

(RP)