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Gabriele Losse ist Vorsitzende des neuen Hildener Behindertenbeirates

Neuer Behindertenbeirat in Hilden : Barrierefrei auch im Kopf

Hilden hat einen neuen Behindertenbeirat, Vorsitzende ist Gabriele Losse. Über ihre Motivation sagt die Tischlerin und Sozialpädagogin: „Ehrenamtliche Arbeit ist für meine Familie selbstverständlich.“

Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich?

Losse Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der ehrenamtliche Arbeit selbstverständlich ist. Mein Vater war Gewerkschafter, meine Eltern waren immer in Vereinen aktiv. Es gibt zwei Glaubenssätze, die mich für mein Handeln motivieren: Erstens: Eine lebendige Demokratie braucht Menschen, die sich engagieren und gestalten, denn Meckerer gibt es schon genug. Und zweitens gab mir meine Urgroßmutter mit auf den Weg: „Wir alle sind auf der Welt, damit sie, wenn wir gehen, ein Stückchen besser ist.“

Ihr Engagement für den Beirat hat auch einen ganz persönlichen Hintergrund.

Losse In meiner Kindheit habe ich mich als Linkshänderin und Mädchen, das sich fürs Handwerk interessiert, oft als „nicht normal“ bewertet gefühlt. Das hat bis heute zu einem tiefen Bedürfnis, Ungerechtigkeiten nicht zu akzeptieren, geführt. Also habe ich mich, gefühlt schon immer, engagiert: Bei der DLRG, in der Katholischen jungen Gemeinde (KjG), in einem freiwilligen sozialen Jahr mit Menschen mit Behinderungen und bei „donum vitae“ im Kreis Mettmann und in NRW. Nach Reisen nach Brasilien habe ich mit meinem Mann, meinen Eltern und Freunden den Förderverein „Projekt Girassol e.V.“ gegründet. Nach 20 Jahren Vorstandsarbeit haben wir diese Aufgabe in andere, vertrauensvolle Hände gegeben. Also habe ich Zeit für anderes.

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Was sind Ihre Ziele für den Behindertenbeirat?

Losse Von „meinen“ Zielen will ich gar nicht sprechen. Ich bin eine ausgesprochene Teamplayerin. Ohne die anderen Menschen im Beirat und meinem Umfeld, die Lebenszeit mit mir teilen, um eine Sache voranzutreiben, kann ich nichts ausrichten.

Was sind Ihre gemeinsamen Ideen oder Wünsche für die Zukunft?

Losse Zum einen Barrierefreiheit nicht nur auf der Straße, sondern auch im Kopf. Ich will, dass Begriffe wie „normal“ oder „unnormal“ nicht mehr im Zusammenhang mit Menschen gedacht werden. Zum anderen: Inklusion vorantreiben. Nicht Kinder müssen in Schulen passen, also schulkompatibel sein, sondern Kita-, Schul-, Arbeits- und Freizeitwelt müssen für jeden kompatibel sein. Es geht um diversity in allen Bereichen. Als Pädagogin und Coach ist es mein grundlegendes Ziel, mich überflüssig zu machen. Das gilt auch für solche Beiräte.

Sie haben einen spannenden Lebenslauf. Mögen Sie kurz erzählen, was Sie bisher gemacht haben?

Losse Ich bin gelernte Tischlerin, studierte Diplom-Sozialpädagogin, Resilienztrainerin und systemischer Coach. In den vergangenen Jahren, bis Ende 2019, war ich als Trainerin, Dozentin und Projektleiterin deutschland- und europaweit unterwegs. Nun bin ich wieder zu Hause in Hilden angekommen und möchte mich wieder mehr in meiner Stadt engagieren.

Hier organisieren Sie ein spannendes Projekt für Kinder.

Losse Ja, seit Ende 2019 führe ich mit zwei weiteren Frauen die gemeinnützige Unternehmergesellschaft „Ge_Mein_Sam für Integration und Entlastung“. Das ist ein bisschen wie „Paarshiping für Inklusion“ (schmunzelt): Wir bringen Kinder mit einfühlsamen Menschen zusammen, die diese dann im Kita- und Schulalltag begleiten.

Wie finden Sie Ihren Ausgleich?

Losse In der Familie, bei Freunden und beim Sport.