1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Für Tante Lore war Haus Waldesruh in Hilden ein Palast

Evangelisches Kinderheim in Hilden : Für Tante Lore war Waldesruh ein Palast

Das 1918 gegründete Evangelische Kinderheim ist eine der ältesten Sozialeinrichtungen Hildens. Unternehmer haben es finanziert, Diakonissen lange geleitet. Das Heim hat bis heute eine große Fan-Gemeinde. Hier sind sieben Fakten, die Sie vielleicht noch nicht kennen.

1) Zum Reformationstag 1917 rief Pfarrer Wilhelm Ibeling dazu auf, einen Tageshort „für solche Kinder einzurichten, deren Väter im Felde stehen und deren Mütter tagsüber außerhalb des Hauses beschäftigt sind“: „Es geht um die gefährdete Jugend.“ Sein Appell stieß vor allem bei Hildener Unternehmern auf offene Ohren.

2) 1918 bezog Diakonisse Maria Busch mit den ersten Kindern das Haus Schulstraße 18 und schon bald darauf zum Markt 20. 1923 übernahmen Diakonissen der Kaiserswerther Diakonie per Vertrag die Leitung des Waisenhauses.

3) 1932 zog das Kinderheim in das von der Kirche erworbenen Haus „Waldesruh“ (damals Kalstert 1a, heute Lievenstraße 23). Träger war der Verein „Evangelisches Kinderheim“. Der Bau des „Haus Waldesruh“ wurde von mehreren Hildener Fabrikanten finanziert. Unter ihnen: Hermann Wiederhold. Seiner Ehefrau, Margarethe Wiederhold, wurde sogar wegen ihrer großen Verdienste als Gründungs- und Vorstandsmitglied des Kinderheims, das Goldene Kronenkreuz der Diakonie verliehen. Die Kaiserswerther Diakonisse Lore Tacke („Tante Lore“ übernahm 1932 für die nächsten 36 Jahre die Leitung). Sie schwärmte: „Wir sind von einer Hütte in einen Palast gezogen.“ Um Grundstück und Haus dem Zugriff der Nationalsozialisten zu entziehen, wurde der Besitz während der Zeit des Dritten Reiches der Evangelischen Kirche übertragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Heim viele Flüchtlingskinder auf.

  • Nach der Einsegbnung ging es für
    Nach Umbau und Erweiterung : Elisabeth-Haus feierlich eingeweiht
  • In Haus Hagdorn (Benrather Straße 1)
    Historisches Hilden : Haus Hagdorn war Hildens erstes Steinhaus
  • Am Giebel getrennt : Das halbe Haus von Grevenbroich

4) Der Verein kaufte 1948 die zweite Doppelhaushälfte und ein altes Badehaus hinzu und konnte so die Einrichtung deutlich erweitern. Walter Wiederhold stiftete ein Holzhaus, in dem heute der städtische Kindergarten Rehkids untergebracht ist.

5) Das Evangelische Kinderheim hatte immer schon ungewöhnlich viele Unterstützer. Zwei ragen besonders heraus. Gertrud-Helene und Richard Greiner aus Hilden vermachten dem Kinderheim 1997 sogar ihr gesamtes Vermögen. Fast eine Million Mark. Die Erbschaft wurde in eine Kernsanierung des Hauses investiert, die sage und schreibe vier Jahre dauerte. Warum die Greiners ausgerechnet das Evangelische Kinderheim so großzügig bedachten, ist im Dunkeln geblieben. Fest steht nur, dass die Familie früher im Hildener Osten gelebt hat. Gertrud-Helene Greiner, geborene Reban, verstarb im Alter von 95 Jahren im Mai 1997 in einem Mettmanner Altenheim.

6) Ende 2005 war die Belegung so dramatisch gesunken, dass die wirtschaftliche Basis gefährdet schien. Die Jugendämter in den umliegenden Städten boten in Not geratenen Familien damals wohl verstärkt ambulante Hilfen an. Heute kann von Krise keine Rede mehr sein. Das Heim hat 24 Plätze und wird regelmäßig von den Jugendämtern im Kreis Mettmann, Düsseldorf, Wuppertal und Solingen belegt. Das ist ein Ausdruck für das Vertrauen und die Wertschätzung für die pädagogische Arbeit, die dort geleistet wird.

7) Im Januar 2021 verstarb Hans Delcuve mit Anfang 60. Seit 1997 hatte er das Evangelische Kinderheim geleitet. Er war bekannt und wurde sehr geschätzt. Viele haben seinen plötzlichen Tod als großen Verlust empfunden. „Wir versuchen nicht, Papa und Mama zu sein, aber die Atmosphäre wie in einer Familie zu gestalten“, hat Hans Delcuve der RP einmal das pädagogische Konzept des Evangelischen Kinderheims erklärt. Viele von den Betreuten haben eine Erzieher-Ausbildung gemacht. Ein Kompliment für Hans Delcuve und sein Team aus 16 Mitarbeitern. Mehr als 20 Jahre war „Delle“ Bassist und Sänger bei den „Red Cars“. Seine Bekanntheit als Musiker kam dem Kinderheim zugute. Viele Musiker haben das Heim mit Benefizkonzerten unterstützt.

Im April 2021 hat der Vorstand des Trägervereins Oliver Köchers (29) mit der Leitung beauftragt. Vorsitzender Horst Pahl: „Für uns ist es ein großer Glücksfall, dass Oliver Köchers für uns bereitstand und uns zugesagt hat. Ansonsten wäre es sehr schwierig geworden, einen Nachfolger zu finden.“ Seit neun Jahren arbeitet Oliver Köchers an der Lievenstraße, absolvierte hier seine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher, wuchs in die Strukturen hinein und übernahm schon früh Verantwortung. Vor vier Jahren wurde er zum Gruppenleiter ernannt. Mit 26 Jahren entschied er, nebenberuflich Betriebswissenschaften und Pädagogik zu studieren und sich so für die künftigen Aufgaben als Heimleiter vorzubereiten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mehr als 100 Jahre eine Heimat für Kinder