1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Früherer Flugplatz Kesselsweier: Wo die Hildener fliegen lernten

Sieben Fakten zum früheren Flugplatz Kesselsweier zwischen Hilden und Haan : Wo die Hildener fliegen lernten

Auch wenn es der Name nahe legt: Der Kesselsweier hat nichts mit einem „Weiher“ zu tun. Der alte Gutshof wurde lange von Segelfliegern genutzt. Heute ist er ein Denkmal und liegt mitten in einem besonders wertvollen Naturschutzgebiet.

1) Die Ortsbezeichnung „Kesselsweier“ deutet auf den ersten Blick auf einen (Tal-)Kessel und/oder Weiher hin. Beides gibt es dort nicht. Der Ortsname rührt von „Kesselseick“ (Kesseleiche) her. Er stammt vermutlich von dem Gutsbesitzer Bottlenberg-Kessel zu Hackhausen beziehungsweise Caspersbroich um 1730. Und „Weier“ bezog sich auf „Weierland“, eine Bezeichnung für eine bestimmte, geringe Bodenqualität.

2) Das Areal wurde viele Jahre als Segelflugplatz genutzt. 2008 musste der Flugbetrieb eingestellt werden, weil die Start- und Landebahn zugewachsen war. Der Hildener Stadtrat war nicht bereit, für eine Verlängerung der Betriebserlaubnis  rund 2000 Bäume zu opfern. Ein Unternehmer kaufte Gut Kesselsweier und ließ es unter Denkmalschutz stellen. Die historischen Gutsanlage existiert bereits seit mindestens 1590.

3) 1927 wird der Verein Segel- und Motorflug Hilden gegründet. 1970 schließen sich die Luftsportgruppe Hilden und der Luftsportclub Haan zur LSG Kesselsweier Hilden-Haan zusammen. Die Flugplatzfeste am Kesselsweier waren legendär und zogen jedes Jahr zehntausende Besucher an. Zum 1. Januar 2013 schließt sich die LSG Kesselsweier der LSG Erbslöh in Langenfeld an. Oskar Erbslöh war ein Luftfahrtpionier aus Elberfeld. Er baute in Leichlingen eine Zeppelinstation gründete die Rheinisch-Westfälische Motorluftschiff-Gesellschaft. Am 13. Juli 1910 stürzte die „Erbslöh“ ab. Alle fünf Besatzungsmitglieder, darunter auch Oskar Erbslöh, kamen ums Leben.

  • Ein PCR-Test wird für die Analyse
    Coronazahlen am Sonntag : Infektionszahlen in Hilden und Haan bleiben stabil
  • Die Hildener Adler-Apotheke war im März
    Standorte und Öffnungszeiten : Das sind die Schnellteststellen in Hilden und Haan
  • Das Finanzamt Hilden ist zuständig für
    Hilden/Haan : Finanzamt Hilden bietet 14 Studien- und Ausbildungsplätze

4) Ein Hildener Segelflieger kam im RTL-Film „Hindenburg“ als Double zum Einsatz. Denn zu Beginn des Films wurde die fliegerische Herkunft von Merten Kröger, dem Konstrukteur des Zeppelin LZ 129, gezeigt. Dazu wollte man eine echte „Zögling“, einen der damals üblichen Schulgleiter, mieten. Da das Filmteam aber kein flugfähiges Modell auftreiben konnte, wurde Christian Ludloff von der LSG Kesselsweier engagiert. Er betreute einen Schulgleiter SG 38 für den holländischen Besitzer. Gedreht wurde auf dem Flugplatz „Friesener Warte“ bei Bamberg. Nicht nur das Flugzeug sollte so original wie möglich wirken, auch der Start der „SG 38“ erfolgte unter aufwändigen, aber realen Bedingungen durch ein Gummiseil, das das Fluggerät in die Luft schleuderte. Solche Flüge dauern aber meistens nur 20 bis 30 Sekunden. Also wurde Ludloff mit einer Maschine auf 1000 Meter Höhe gebracht. Nach rund zwei Tagen hatte das Filmteam dann die perfekte Szene im Kasten – die letztlich zwei Minuten zu sehen war.

5) Das 15 Hektar große Areal gehört der Stadt Hilden. Der Kesselsweier ist seit 1984 Landschaftsschutzgebiet. Es grenzt an zwei Naturschutzgebiete (Spörkelnbruch und Hildener Stadtwald). „Die ökologische Wertigkeit ist sehr hoch“, sagt die Untere Landschaftsbehörde des Kreises: „So etwas gibt es sonst nirgendwo im Kreis Mettmann.“ Deshalb trat die Untere Landschaftsbehörde mit dem Wunsch an die Stadt Hilden heran, das ehemalige Flugplatzgelände doch zu einem Biotop für seltene Tiere und Pflanzen zu entwickeln.

6) Das Naturschutzgebiet ist gut erschlossen und ein beliebtes Naherholungsgebiet. Anfangs gab es viele Konflikte zwischen Hundehaltern, Wanderern, Naturschützern und Landwirten. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten funktioniert das Neben- und Miteinander von Landwirtschaft, Naturschutz und Naherholung inzwischen gut.

7) Kesselsweier gehört zur Bergischen Heideterrasse, ein 80 Kilometer langes Landschaftsband, das sich von Duisburg bis Siegburg erstreckt. Es ist mit seinen Biotopen der letzte Rückzugsraum für selten gewordene Tiere und Pflanzen. Noch vor 100 Jahren war die Schafbeweidung die vorherrschende landwirtschaftliche Nutzung im heutigen Hildener Stadtwald. Schafe sind bestens angepasst für das Leben auf mageren Sandböden, die Artenvielfalt ist auf diesen Weiden besonders hoch. Etwa ein Drittel des  Landschaftsschutzgebietes wurde in  Heide zurückverwandelt. Dafür wurde Saatgut von der benachbarten Heide am Sandberg verwendet. Heide entsteht erst durch Beweidung mit Schafen und Ziegen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wo die Hildener und Haaner fliegen lernten