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Haan: Friedensheim tut viel für demente Bewohner

Haan : Friedensheim tut viel für demente Bewohner

Für 20.000 Euro wurde Haus 1 des Haaner Seniorenheims speziell auf die Bedürfnisse Verwirrter zugeschnitten. Am Freitag war Einweihung.

Die Beratung, Betreuung und Begleitung von Menschen mit Demenz ist schon lange ein Schwerpunkt im Seniorenzentrum Friedensheim. Zuletzt wurde Haus 1, in dem 40 Bewohner leben können, für 20 000 Euro aufwändig umgestaltet und auf die Bedürfnisse Dementer zugeschnitten. Seit März haben viele fleißige Helfer — zum Beispiel vom Deutschen Roten Kreuz — gewerkelt. Am Freitag wurde mit den Bewohnern die Einweihung gefeiert.

Viel heller ist alles geworden. Das liegt nicht nur an der Grundfarbe Weiß, sondern auch am stärkeren Deckenlicht. Die vier Abteilungen von Haus 1, in denen jeweils zehn Personen leben, sind farblich und thematisch klar auseinander zu haltern. "Das hilft den Leuten bei der Orientierung", erklärt Pflegedienstleiter Uwe Kleiner. Die Wohneinheit "Sommer" hat gelbe Türzargen und sommerliche Großfotos, der "Wald" hat grüne Farbtupfer und Fotos von Bäumen und Wild. In der blauen Abteilung wird der "Urlaub an der See" thematisiert und rot ist die Blumen- und Obstabteilung. Kleiner spricht in diesem Zusammenhang von einem "Bildleitsystem". Die Bewohner selbst hätten sich die Fotos ausgesucht.

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Alles ist viel überschaubarer geworden. In den vier Wohngruppen gibt es jeweils eine Fernsehecke, einen Küchen- und Essbereich und für jeden Bewohner das eigene Bad im Zimmer. Der Pflegedienstleiter hat außerdem jeder Wohngruppe ihre große Infotafel verpasst. "Dort hängt der Tagesplan mit allen angebotenen Aktivitäten, der Menüplan der Kantine und ein Abreißkalender mit je einem Sinnspruch pro Tag."

Es gibt weitere Neuerungen, die sich bereits jetzt, nach wenigen Wochen, bewährt haben: Wir haben ein Erinnerungscafé für alle eingerichtet. Dort hängt eine "Impulswand". Das ist eine Fotocollage mit Kaffeemühle, Fingerhüten, Wollknäueln und mehr. "Wir waren selbst erst skeptisch", erzählt der Pflegedienstleiter, "aber die alten Leute haben diese Bilder gesehen und angefangen zu erzählen."

Im Friedensheim wird niemand fixiert. Demente in vorgeschrittenem Krankheitsstadium neigen zu Unruhe und irren im schlimmsten Fall orientierungslos durch die Gegend. In Haan sollen sie deshalb einen Transponder bekommen, der auf dem Handy des Pflegepersonals einen Alarm auslöst, wenn sie das Haus verlassen. Mehr nicht.

Auch "Menschen mit herausforderndem Verhalten", wie sie mit Pflegefachjargon genannt werden, sollen nicht isoliert werden. "Wir hatten mal einen ehemaligen Lageristen, der sich immer bei Tisch auszog. Dem haben wir Gegenstände zum Herumräumen gegeben. Damit war er beschäftigt", erzählt Kleine.

Die Betreuung von Dementen ist im Friedensheim auf dem derzeit aktuellen pflegerischen Stand. Was Heimleiter Giorgio Seibel frustriert, sind die Vorgaben der Pflegeversicherung: Ich möchte keine Minuten zählen bei der Pflege und nicht mit einem Gutachter an einem Tisch sitzen und gucken, wie hoch Jemand die Hand heben kann, um die Pflegestufe zu ermitteln. Bei Dementen wechselt das jeden Tag."

Sein Fazit: "Einfacher wäre besser. Dann hätten wir mehr Zeit für die Betreuung."

(RP)