Freizeitgemeinschaft beteiligt sich am Rosenmontagszug Hilden

Hilden : Freizeitgemeinschaft zeigt die Dauerbaustelle Inklusion

Seit einigen Jahren besteht für Kinder mit Handicap ein Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Regelschule. Das ist gut gemeint,  nach wie vor aber gibt es viele Probleme bei der Umsetzung. Die Freizeitgemeinschaft Behinderte  und Nichtbehinderte Hilden möchte mit ihrem Wagen beim Rosenmontagszug darauf aufmerksam machen.

Der weiße Sprinter ist über und über beklebt mit Baustellenschildern, groß in neongelb steht auf den Fahrzeugseiten: „Baustelle Inklusion“. Am Montag wird der Sprinter auf dem Rosenmontagszug mitfahren, er gehört dem Verein „Freizeitgemeinschaft Behinderte und Nichtbehinderte“, der in Hilden neben dem Abenteuerspielplatz auch drei inklusive Kitaeinrichtungen betreibt, Inklusionshelfer vermittelt und sie in ihren Aufgaben in Kindergärten und Schulen betreut und unterstützt. Kurz: Die FZG leistet viel an der Inklusionsfront und stößt doch immer wieder an ihre Grenzen.

„Das Wesentliche fehlt in den Köpfen vieler Beteiligter, vor allem vieler Lehrer. Einige Schulen öffnen sich nicht gänzlich für die Inklusion. Sie wissen, sie müssen Kinder mit Handicap aufnehmen, sie müssen! Sie wollen aber oft eigentlich gar nicht, weil grundsätzlich noch immer das Bewusstsein fehlt, dass es normal ist anders zu sein. Das ist nicht bei allen so, aber bei den meisten“, erklärt  die Leiterin des Bereichs „Inklusion plus“, Stephanie Gümüs, und man merkt ihr den Ärger darüber an.

Lara hat währenddessen ihren Bauarbeiterhelm zum Schutz gegen die Sonne tief ins Gesicht gezogen, die 13-Jährige hat das Down-Syndrom und wurde in der Elbseeschule von Inklusionshelferin Afra Schreuers unterstützt. Dass die beiden sich sehr gerne haben und sich vertraut sind, merkt man schnell, sie drücken sich und  lachen viel miteinander.  „Die Elbseeschule ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass Inklusion auch funktionieren kann“, schwärmt Afra. „Dort bilden die Kinder alle eine Gemeinschaft und das Lehrpersonal ist den Umgang mit Kindern, die besondere Bedürfnisse haben, gewöhnt. Da gibt es eben nur ein Wir“, schwärmt die erfahrene Schulassistentin.

Die Elbseeschule ist schon vor vielen Jahren, auch durch das große Engagement ihres damaligen Rektors Wolfgang Kamps, zur Inklusionsschwerpunktgrundschule in Hilden geworden. Sie gilt räumlich und fachlich als gut ausgestattet.  Dagegen wurden viele Lehrer, die Jahrzehnte an Regelschulen ohne Sonderbeschulungen tätig waren, ins kalte Wasser geworfen. „Uns ist das schon bewusst“, sagt Stephanie Gümüs, „dass das für einen großen Teil der Lehrer ein schwerer Einschnitt war. Aber statt dass sie die Integrationshelfer als Unterstützung ansehen, reagieren sie manchmal etwas hochnäsig auf diese und behandeln sie auch so.“

Teilweise hätten die Inklusionsassistenten keine Aufenthaltsräume, müssten die öffentlichen Schülertoiletten benutzen. „Wir leisten wirklich viel, wir bringen uns sehr ein,  wir machen Fortbildungen, wir sind das Bindeglied zwischen Schule, Eltern und Kind  und haben oft überhaupt keine Lobby“, beklagt eine junge Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Rund 30 engagierte Integrationshelfer werden daher auf dem Rosenmontagszug in Bauarbeiter-Outfit ihren Wagen begleiten und zwar mit guter Laune. Denn trotz schlechter Bezahlung und häufig schwierigen Arbeitsbedingungen sind sich eigentlich alle einig – Inklusion ist kein Gesetz, Inklusion muss selbstverständlich sein und bereichert die Gesellschaft. „Es ist einfach ein wunderbarer Beruf, es gibt kaum etwas Schöneres“, schwärmt Afra Schreuers und drückt „ihre“ kleine Bauarbeiterin noch einmal an sich, „nicht wahr, Lara?“

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