Freie Musiklehrer sollen mehr Honorar erhalten

Musikschule : Freie Musiklehrer sollen mehr Honorar erhalten

Knapp zwei Drittel der Lehrer der Musikschule Hilden sind fest angestellt, gut ein Drittel arbeitet auf Honorarbasis. Ihre Bezahlung liegt deutlich unter der anderer Musikschulen im Kreis Mettmann.

Gleiche Ausbildung, gleiche Arbeit, aber große Unterschiede bei der Bezahlung. Das ist Alltag für die mehr als 30 freiberuflichen Lehrkräfte der städtischen Musikschule Hilden. 2015 wurden ihre Honorare zum ersten Mal nach über 15 (!) Jahren von 20,50 Euro auf zunächst 22 Euro und in einem zweiten Schritt 2019 auf 23 Euro erhöht. Sie liegen damit aber immer noch 32 Prozent unter dem aktuellen Honorarsatz der Musikschule Mettmann, die derzeit am besten im Kreis Mettmann zahlt. Lediglich Unterricht im Rahmen des JeKits-Programms (Jedem Kind Instrumente Tanzen Singen“)  wird besser bezahlt (32 Euro und mehr), weil die JeKits-Stiftung das so verlangt.

Maximal 14 Stunden (also weniger als 50 Prozent des Stundenumfangs einer vollbeschäftigten Lehrkraft, bezahlt nach Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst) dürfen die Honorarkräfte an der Musikschule Hilden unterrichten. Deshalb brauchen sie mehrere Jobs gleichzeitig an verschiedenen Musikschulen und/oder Privatschüler, um finanziell über die Runden zu kommen.

Warum machen Musiklehrer das überhaupt mit? Weil sie hoffen, irgendwann fest angestellt zu werden. Diese Perspektive kann ihnen die Musikschule Hilden aber kaum bieten, erläuterte Leiterin Eva Dämmer den Mitgliedern des Kulturausschusses. Sie hat große Sorge, dass gute und motivierte Honorarkräfte die Musikschule verlassen und sich besser bezahlte Arbeit suchen. Zum Vergleich: Die Musikschule Mettmann zahlt studierten Musikschullehrern ein Honorar von 35 Euro pro Unterrichtsstunde (45 Minuten). Das ist der aktuelle Spitzenwert im Kreis Mettmann. Über diese enorrnem Unterschiede bei den Honoraren seien die freiberuflichen Musiklehrer der Musikschule Hilden sehr unzufrieden, berichtet Leiterin Eva Dämmer. Die Verwaltung hat der Politik deshalb vorgeschlagen, die Honorare schrittweise zu erhöhen: auf 25 Euro in diesem Jahr und dann jeweils einen Euro bis 2024 (29 Euro je Unterrichtsstunde). Das würde in diesem Jahr knapp 17.000 Euro mehr kosten und jeweils 8385 Euro in den Folgejahren.

Die Grünen werteten die vorgeschlagene Erhöhung als viel zu gering und wollten gleich auf 28 bis 30 Euro pro Stunden gehen, fanden dafür aber im Kulturausschuss keine Mehrheit. Beschlossen wurde nur, den Vorschlag der Verwaltung „zur Kenntnis“ zu nehmen. Ob die Honorare tatsächlich erhöht werden, entscheidet der Stadtrat in den nächsten Wochen im Rahmen der Haushaltsplanberatungen. Hintergrund: Kämmerin Anja Franke fehlen in diesem Jahr sechs Millionen Euro und 2021 weitere 6,2 Millionen Euro. Jeder Haushalt bis einschließlich 2024 weist tiefrote Zahlen auf. Das Defizit summiert sich auf knapp 40 Millionen Euro. Deshalb hat die Kämmerin schon einmal in der Sitzungsvorlage festgehalten: Mehrkosten für die Honorarerhöhung ließen sich nur über Einsparungen in anderen Bereichen und Gebührenerhöhungen finanzieren. Die Stadt bezuschusst bereits heute ihre Musikschule (die anerkannt gute Arbeit leistet) mit knapp 1,7 Millionen Euro (Ansatz 2020) aus eigener Tasche.

Die Musikschule ist nicht nur in der Begabten-, sondern auch in der Breitenförderung sehr engagiert. 2017 boten Musiklehrer eine musikalische Früherziehung in den städtischen Kitas an. Die Erfahrungen waren so positiv, das bis 2021 alle städtischen Kindergärten daran teilnehmen und davon profitieren sollen. In diesem Jahr kommen die Kita „Pusteblume“ und „Traumquelle/Kunterbunt“ in den Genuss des Programms, 2021 folgen „Rappelkiste“, „Holterhöfchen“ und „Rehkids“. Zusammen mit dem JeKits-Programm erreicht die Musikschule Hilden rund 1500 Grundschüler.