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Hilden: Frank Weber: "Wir haben zu viel Geld"

Hilden : Frank Weber: "Wir haben zu viel Geld"

Der Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann ist in der komfortablen Situation, in einer eher wohlhabenden Region beheimatet zu sein. Wie wirkt sich das aus?

Der Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann ist in der komfortablen Situation, in einer eher wohlhabenden Region beheimatet zu sein. Wie wirkt sich das aus?

Frank Weber Ein Problem ist, dass wir eigentlich zu viel Geld haben. Das hört sich komisch an. Aber in der Rheinischen Landeskirche gib es ein Finanzausgleichssystem. Alle Kirchenkreise sind daran beteiligt. Weil wir recht gut dastehen, sind wir ein gebender Kreis und wir sind stärker betroffen als die empfangenden Kirchenkreise. Vor Ort ist es deshalb schwierig zu vermitteln, dass wir trotz guter Kassenlage dennoch sparen müssen.

Das heißt, Sie finanzieren andere Kirchenkreise mit?

Weber Ja, es ist quasi ein Solidarmodell für Regionen, in denen es finanziell ganz eng ist, wie zum Beispiel im Süden unserer Landeskirche, in der Eifel, im Hunsrück oder Saarland. Im Prinzip ist das Modell ok, aber es bedarf einer Revision.

Steht der Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann im Vergleich zu anderen Kirchenkreises besonders gut da?

Weber Ich denke, dass viele Probleme hier einfach übertüncht werden durch den Wohlstand des Kirchenkreises, den man zuerst sieht. Es ist eine Gratwanderung. Hier leben zwar überdurchschnittlich viele wohlhabende Menschen. Aber Probleme wie Armut gibt es hier auch. Die "Armen" sind bei uns vor allem die Menschen im Niedriglohnbereich, die genauso vorkommen wie überall. Besonders hart trifft uns gerade im Kreis Mettmann in Kirche und Diakonie, dass die absolut wichtigen Berufsförderungsprogramme in den letzten Jahren drastisch zurückgefahren wurden, und dass auch der ganze Sozialbereich immer mehr ökonomisiert wird. Die augenblickliche Entwicklung auf dem "Sozialmarkt" erfüllt mich mit großer Sorge und auch Verärgerung.

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Was bedeutet das für den Kirchenkreis?

Weber Hier habe wir als Kirchen die Aufgabe, die Augen offen zu halten und uns von der vermeintlich komfortableren Situation im Kreis Mettmann nicht täuschen oder blenden zu lassen.

Immer weniger Menschen gehen in die Kirche oder treten aus der Kirche aus. Ist das hier auch ein Problem?

Weber Unsere Mitgliederzahl ist im Zug der letzten fünf Jahre unter die 80 000-Marke gerutscht. Wir rechnen generell mit einem Prozent Minus pro Jahr. Das ist vergleichsweise wenig. Es sind aber nicht nur Austritte, sondern es ist vor allem die demographische Entwicklung: Es sterben mehr Menschen als geboren werden. Einige Gemeinden haben aber konstante Zahlen.

Welche sind das?

Weber Die Kirchengemeinden Linnep oder Lintorf beispielsweise. In Lintorf etwa gibt es viele Zuzugsgebiete. Das wirkt sich dann auch auf uns aus. Man kann sagen: Wir sind die Kirche für die Wohnenden.

Drohen in anderen Gemeinden Kirchenschließungen?

Weber Wir geben das Unterfeldhaus in Erkrath zum 30. September auf, das ist ja bekannt. Dort haben wir aber eine gute Lösung gefunden: Wir können denn die katholische Kirche mitbenutzen. In Hilden haben wir im vergangenen Jahr, in Hochdahl vor mehreren Jahren eine Kirche beziehungsweise ein Gemeindezentrum aufgegeben. Wir hatten gesehen, dass wir überplant haben.

Sie sind seit acht Jahren Superintendent des Kirchenkreises. Welche Hoch- und Tiefpunkte haben Sie in Erinnerung?

Weber Es ist schwierig, eine einheitliche Identität des Kirchenkreises zu finden. Jede Gemeinde ist sehr selbstbestimmt, kann beispielsweise über Stellenbesetzungen alleine entscheiden. Wenn es um Konzepte geht, die den gesamten Kirchenkreis betreffen, entsteht häufig ein Gegensatz: Die Gemeinden sagen: "Wir können nicht immer für den Kirchenkreis arbeiten." Sie vergessen aber, dass durch Kooperationen auch Entlastungen entstehen.

Was ist Ihnen besonders positiv in Erinnerung?

Weber Das Highlight in den letzten Jahren war die Nacht der offenen Kirchen 2010. Wir werden diese Aktion übrigens im kommenden Jahr wieder machen. Ich erinnere mich auch gerne daran, wie vor drei Jahren alle geholfen haben, einer afghanischen Familie in Hochdahl Kirchenasyl zu gewähren. Es ist uns gemeinsam gelungen, diese Familie ins Asylverfahren zu begleiten. An solchen Fällen merkt man auch, dass die Wirklichkeit durchbricht und eben nicht alles so heile ist wie es auf den ersten Blick scheint.

Corinna Kuhs führte das Gespräch.

(RP)