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Flüchtlingsbetreuerin der Evangelischen Gemeinde Hilden über ihre Arbeit

Interview mit Anne de Wendt : „Geflüchtete wünschen sich Arbeit“

Anne de Wendt ist Notfallseelsorgerin und Flüchtlingsbeauftragte der Evangelischen Kirchengemeinde Hilden. Im Interview spricht sie über die Herausforderungen ihrer Arbeit.

Wie viele Geflüchtete betreut die Gemeinde aktuell?

de Wendt Vor Corona im Café to Meet montags zwischen 70 und 90 Personen. Seit März 2020 melden sich die Flüchtlinge telefonisch oder per WhatsApp, wenn sie Probleme haben. Wir treffen uns auch draußen oder im Saal des Gemeindezentrums mit Trennscheibe.

Wie viele Freiwillige helfen Ihnen?

de Wendt Vor Corona waren es um die 40 Helfende. Im März 2020 mussten wir, Corona bedingt schließen. Die Hilfe beim Deutschlernen war aber ab da nicht mehr möglich. In Kürze werden wir das  „Fenster to meet eröffnen; das heißt Helfende werden am Fenster des Gemeindezentrums die draußen Herantretenden beraten.

Wie haben die Geflüchteten auf die Corona-Pandemie reagiert?

de Wendt Die Beschränkungen haben ganz besonders die Menschen mit engen Wohnverhältnissen (ein Zimmer/Übergangsheime) hart getroffen. Angst und teilweise Depressionen waren die Begleiter. Aber sie versuchten natürlich, genauso wie wir alle, den Corona Blues zu überstehen.

Vor zwei Jahren haben Sie uns berichtet, dass die Integration der Flüchtlinge in Hilden funktioniert. Stimmt das noch?

  • Die regelmäßigen Treffen zwischen Pflegefamilie und
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  • Ein Abstrich wird genommen.
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  • Dritte Impfung im Seniorenzentrum: Dr. Jane
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de Wendt Die deutsche Sprache ist das A und O, um sich bei uns zu integrieren. Durch die Kontaktbeschränkungen mussten wir unsere Hilfe beim Deutschlernen einstellen. Ebenso musste ein weiterer wichtiger Faktor zum Deutschsprechen eingestellt werden; die Gespräche mit den Helfenden, um die Sprache auch in der Unterhaltungssituation zu trainieren. Um aber bei uns zu arbeiten oder eine Ausbildung zu machen, ist die deutsche Sprache die wichtigste Voraussetzung.  Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Was ist das größte Problem, mit dem Sie als Flüchtlingsbeauftragte gerade kämpfen?

de Wendt Bezahlbaren Wohnraum hier in Hilden zu finden. Viele Geflüchtete müssen in Hilden bleiben, weil sie Residenzpflicht haben. Wenn die geflüchteten Menschen zu uns kommen, haben sie vor allem zwei große Wünsche. Wohnen in den eigenen vier Wänden, um der Einraumenge zu entgehen. Und sich und ihre Familien durch eigene Arbeit selber ernähren zu können, um nicht mehr abhängig zu sein von staatlicher Unterstützung..

Was entmutigt sie manchmal, weiter zu machen? Was motiviert sie?

de Wendt Dass wir einige Probleme wie gerade angesprochen nicht lösen können, das entmutigt schon. Mein Glaube und meine Hoffnung und Zuversicht daraus ermutigen mich. Und meine Liebe zu Menschen und die Dankbarkeit dafür, was ich in kleinen und großen Gesten zurückbekomme.

Sie haben 2019 das „Café to meet“ gegründet Wie hat sich das Begegnungscafe für Geflüchtete und Hildener entwickelt?

de Wendt Das Cafe to meet wurde bereits im Herbst 2016, nach der Schließung des Camps (in der ehemaligen Albert-Schweitzer-Hauptschule) eingerichtet (im Gemeindezentrum der Erlöserkirche im Hildener Süden). Hier war der Zuspruch mäßig. Deshalb zogen wir im März 2018 um in das Gemeindezentrum an der Reformationskirche. Hier wurde der Flüchtlingstreffpunkt der Evangelischen Kirchengemeinde Hilden sehr beliebt und erfolgreich. Zwischen 70 bis 90 Menschen kommen montags nachmittags regelmäßig vorbei.

Welche Begegnung mit Geflüchteten hat sie in den vergangenen Jahren besonders berührt?

de Wendt Eine Familie mit zwei Töchtern (erfolgreich in der Schule/Gymnasium). Sie waren über Italien nach Deutschland gekommen. In Italien waren sie lediglich ein paar Stunden vor der Weiterreise nach Deutschland. Wir hatten viel für die Familie organisiert: Termine für die Mädchen über psychologische Hilfe wegen Traumatisierung, weiterführende Deutschkurse für die Eltern. Im Frühjahr 2020 wurden sie nachts um 3 Uhr abgeholt. Sie durften jeder nur eine Tasche oder Koffer mitnehmen und wurden nach Italien abgeschoben. Mir kommen immer noch die Tränen, weil man sich so absolut hilfslos fühlt. Ich stehe mit der Familie noch in Verbindung. Wie sich diese Familie bei der Abschiebung und jetzt fühlt, kann sich jeder denken.