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Firma Mecu setzt aufs Betriebsklima

Ratingen : Firma Mecu setzt aufs Betriebsklima

Vor über zehn Jahren begann man bei Mecu Metallhalbzeug mit aktiven Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung.

VON STEFAN MÜLDERS

Sabine Lindner-Möller klopft sinnbildlich auf Holz. „Noch finden wir genug Auszubildende und Mitarbeiter“, sagt die Geschäftsführerin von Mecu Metallhalbzeug in Velbert. Erst im vergangenen Jahr musste sie drei Führungskräftestellen neu besetzen. Bewerbungen dazu kamen vor allem von Fachleuten, die noch in größeren Unternehmen eingesetzt werden. „Der Mittelstand scheint ihnen noch ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln, sie wollen nicht mehr nur eine Nummer sein, sondern als Menschen behandelt werden.“ Und das, obwohl Konzerne oftmals mehr Geld bieten können. Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum gerade junge Suchende sich ausgerechnet bei Mecu bewerben. „Uns wird immer wieder gesagt, dass die Familienfreundlichkeit, unsere nachhaltige Ausrichtung und die Informationen auf unserer Website die Bewerber angesprochen haben“, sagt Lindner-Möller.

Betriebliches Gesundheitsmanagement, Obstschalen, firmenfinanzierte Kindergartenplätze, Betriebsfeiern oder steuervergünstigende Angebote für Mitarbeiter wie E-Bike-Leasings haben heutzutage viele Unternehmen im Portfolio. Aber Mecu hat bereits vor über zehn Jahren damit begonnen. Es waren Sabine Lindner-Möllers eigenen Erfahrungen, die sie zum Nachdenken über mitarbeiterfreundliche Maßnahmen anregten. „Ich hatte damals die Doppelbelastung mit zwei kleinen Kindern und der Firma. Da brauchte ich unbedingt mal Entspannung und habe gemerkt, wie gut mir das tut.“ Und so etablierte sie 2008 mit dem Entspannungsraum eine erste Maßnahme im eigenen Unternehmen. Damit verbunden waren entsprechende Kurse für die Mitarbeiterschaft. Es folgten weitere Ideen, die heute unter dem Label „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ (BGM) in vielen Unternehmen gängig sind.

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Bei Mecu gehört auch der Umgang mit Überlastungssituationen dazu, wobei sich das Unternehmen durch Psychologen beraten und begleiten lässt. Mitarbeiter können akute Hilfe auf Firmenkosten wahrnehmen. „Das Wichtigste aber ist allgemein ein freundlicher und respektvoller Umgang miteinander, egal auf welcher Hierarchieebene. Angefangen beim freundlichen ‚Guten Morgen‘ über offene und ehrliche Kommunikation bis hin zur Beteiligung der Mitarbeiter an Unternehmensprozessen. Wer seinen Arbeitsplatz der Zukunft selbst mitgestalten kann, geht viel motivierter zur Arbeit.“

Neben vielen freiwilligen Maßnahmen gibt es auch Themen, die der Gesetzgeber vorgibt und mit denen sich auch der Mittelstand auseinandersetzen muss. Sabatticals, Brückenteilzeit, Elternzeit für Väter oder andere Ansprüche von Arbeitnehmern müssen ermöglicht und vor allem koordiniert werden. „Wir hatten im vergangenen Jahr die Situation, dass in drei Teams zeitgleich zwei Mitarbeiter Elternzeit genommen hatten und einer im Urlaub war. Da wurde es trotz gegenseitiger Unterstützung schon sehr schwierig“, erinnert sich Lindner-Möller. „Ich will der Belegschaft diese Möglichkeiten ja sehr gerne einräumen, aber die Zeiten müssen in den Teams gut abgestimmt und die Übergaben entsprechend vorbereitet sein. Derartige Auszeiten sind halt nicht einfach nur ein paar Tage Urlaub.“

Das weiß auch Leonora Fricker vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf Düsseldorf und Kreis Mettmann. „Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sehen sich mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert, nicht nur durch den Gesetzgeber, sondern auch durch die Beschäftigten“, sagt sie. „Vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Arbeitens entstehen da durchaus Zielkonflikte. Eine Lösung bietet die mitarbeiterorientierte Personalpolitik. Diese sichert nicht nur die wirtschaftliche Leistung, sondern verhindert auch langfristige Ausfälle. Und sie verschafft dem Unternehmen eine gute Position auf dem Arbeitsmarkt.“ Die Betriebe sollten sich vorbereiten und mit den Mitarbeitenden den Dialog suchen. Das Kompetenzzentrum bietet in diesem Austauschformate an und stellt praxiserprobte Maßnahmen vor.