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Haan: Feuerwehrleute erkunden Rettungsweg

Haan : Feuerwehrleute erkunden Rettungsweg

In der Sandbach-Betonröhre tief unter der Erde könnte ein Einsatz nötig sein. Dann müssen Helfer wissen, wie es dort aussieht.

Ein Stück der Sicherheits-Ausrüstung liegt am oberen Baugrubenrand: eine Schleiftrage. Die könnte in die sieben Meter tiefe Baugrube hinabgelassen werden. Darauf ließe sich ein Verletzter festschnallen und hochziehen, wo ein Abtransport im Rettungswagen möglich wäre. Was aber ist, wenn der Verletzte aus der Betonröhre zu retten wäre, die mittlerweile fast 70 Meter durchs vor über 100 Jahren aufgefüllte Sandbachtal führt? Hauptamtliche Feuerwehrleute erkundeten den potenziellen Rettungsweg gestern vor Ort.

Nur 1,60 Meter misst das Betonrohr im Innendurchmesser. Da kann niemand aufrecht gehen. Alle paar Meter hängt eine Leuchtstofflampe. Ein Telefonkabel verbindet den Führerstand am vorderen Ende mit dem Mitarbeiter am Pressstempel. Auch oben am Grubengeländer hängt eines der urzeitlich anmutenden schwarzen Telefone.

Der Maschinenführer in der Tunnelbaustelle für den Sandbach sitzt beengt zwischen Hebeln, Schläuchen und Kabeln. Um sich herum nur Beton, vor sich gewachsenen Boden. Der Ausgang zum Tageslicht liegt fast 70 Meter weiter hinten. Mit der Baggerschaufel befördert er das Erdreich auf ein Förderband, das den Dreck in eine Lore transportiert. Die wird, wenn gefüllt, nach hinten aus der Betonröhre gezogen und entleert. Wenn in der Tiefe irgendetwas passiert, müssen Retter in der Lage sein, zu helfen.

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"Ein Kollege hat beim Baggern auf einer anderen Baustelle schon einmal eine Phosporgranate freigelegt", weiß Jörg Degeling. Da sei dann "etwas Eile angesagt" gewesen, untertreibt der Tiefbauverarbeiter gewaltig. An Weltkriegsreste will Feuerwehrchef Carsten Schlipköter gar nicht erst denken. Für ihn und seine Leute steht das Wahrscheinlichste im Vordergrund. "Beim Mitarbeiter im Tunnelkopf könnte ein medizinischer Notfall eintreten oder etwas freigelegt werden, von dem Gefahr ausgeht", nennt der erfahrene Feuerwehrmann zwei Szenarien. Es gebe nur einen Weg in den Tunnel und wieder heraus. Und dann sei eine frage, ob es Atemluft dort unten gebe oder ob die Helfer Atemschutzgeräte nutzen müssen.

Ferat Yüce und Martin Walter robben unter dem Förderband hindurch, das normalerweise den Abraum in die Lore transportiert. Dieser Weg müsste in beide Richtungen genutzt werden, wenn der Maschinenführer zu retten wäre. Müsste Atemschutz eingesetzt werden, könnten die Flaschenpakete kaum mehr auf dem Rücken bleiben, sondern müssten vorangeschoben werden.

"So etwas üben wir auf der Atemschutzstrecke immer wieder", erläutert Wolfgang Flüchter, der zum Kreis der Einsatzleiter gehört. Es sei schon wichtig zu sehen, was im Fall des Falles den Helfern abverlangt werde. Retter müssten in die Grube hinabsteigen, das heruntergelassene Bergungswerkzeug und Rettungsmaterial wie ein EKG-Gerät mittels Lore in den Tunnel schieben. Der Verletzte würde erstversorgt, dann auf die Schleiftrage gelegt, ins Freie gebracht und dann per Kran aus der Grube gehievt. beschreibt Rettungswachen-Leiter Klaus Kappert den Ablauf. "Das ist nicht viel anders als auf einer Zeche", weiß der Feuerwehrmann, der Gruben-Erfahrung besitzt.

"Von der Enge her ist das schon eine Herausforderung", bewertet Flüchter den Erkundungsgang. Nebeneinander können sich die Helfer in der niedrigen Röhre nicht bewegen. "Es ist gut, wenn man das gesehen hat", findet Flüchter. Aber: "Feuerwehr ist immer auch Improvisation", nennt er eine Devise für den Einsatz, "da unten auf jeden Fall."

Heute wird sich die zweite Wachabteilung ebenfalls bei einem Ortstermin einen Eindruck von einem möglichen Einsatzort im künftigen Sandbach-Rohr machen. Dann wird auch ausprobiert, ob Sprechfunksignale auch am Ende des Tunnels noch ankommen. "Es gibt ja die Draht-Verbindung und unterwegs mehrere Sprechstellen", wiegelt Klaus Kappert theoretisch denkbare Funkstörungen ab. "Und notfalls müssen wir vom Tunneleingang aus lauter rufen", sagt er grinsend.

(RP)