Paukenschlag in Hilden Stadt stoppt Planungen für Feuerwache

Hilden · Die Feuerwache in Hilden platzt aus allen Nähten, deshalb soll sie erneut erweitert werden. Seit 2018 ist das klar, seit 2019 wird die Erweiterung geplant. Doch nun hat Bürgermeister Claus Pommer die Reißleine gezogen. Das sind die Gründe.

Die Hildener Feuerwache muss erweitert werden. Doch die Planungen dazu liegen nun erst einmal auf Eis.

Die Hildener Feuerwache muss erweitert werden. Doch die Planungen dazu liegen nun erst einmal auf Eis.

Foto: Tobias Dupke

Die Feuerwache in der Hildener Innenstadt ist viel zu klein. Dass der erste Ausbau 2011 nicht ausreicht, ist seit fünf Jahren klar. Seit 2019 laufen daher die Planungen für eine erneute Erweiterung – doch die hat Bürgermeister Claus Pommer jetzt gestoppt, bestätigt die Stadt auf Nachfrage. Wir beantworten die wichtigsten Fragen dazu.

Warum wurden die Planungen gestoppt?

Zwei Entwicklungen hätten seit 2019 zu einem zusätzlichen Raumbedarf geführt: Corona mit besonderen Hygiene-Anforderungen und die Energie-Mangellage, erklärt die Beigeordnete und für die Feuerwehr zuständige Dezernentin Mona Wolke-Ertel: „Beispielsweise ist in Zukunft eine deutlich erweiterte unabhängige Notstromversorgung vorgesehen.“ Das alles hätte aber noch in den bisherigen Planungen berücksichtigt werden können. Jedoch habe der Kreisbrandmeister nun einen deutlichen Zuwachs an Personal im Bereich der Freiwilligen Feuerwehr gefordert. Aktuell seien 119 Hildener bei der Feuerwehr ehrenamtlich engagiert. „Für einen solchen Personalzuwachs sieht die bisherige Planung – Aufsatteln auf dem Bestandsgebäude – keinen ausreichenden Puffer vor“, erklärt Mona Wolke-Ertel. Wie groß der ehrenamtliche Teil der Feuerwehr werden soll, ließ sie offen. Dazu kämen weitere Anforderungen des Arbeitsschutzes. In der Fahrzeughalle des Rettungsdienstes seien Abstände zwischen Fahrzeugfront und Tor sowie Fahrzeugheck und Wand zu gering. „In Abstimmung mit dem für Arbeitsschutz zuständigen Berater sollten die unzureichenden Abstände zunächst durch organisatorische Maßnahmen kompensiert werden. Zum Beispiel sollten die Fahrzeuge weiterhin außerhalb der Rettungsdiensthalle gereinigt und einsatzbereit gemacht werden“, erklärt die Beigeordnete. Doch im Juli habe der Berater für Arbeitsschutz erklärt, dass die Maßnahmen nicht ausreichten – was die Bezirksregierung ebenfalls so sehe. „Deshalb ist nun eine bauliche Lösung erforderlich. Bürgermeister Claus Pommer hat daher entschieden, die Fortführung der derzeitigen Planung zu stoppen, um eine neue Planung auf Grundlage eines neuen Raumkonzeptes zu initiieren“, so Mona Wolke-Ertel.

Hilden: Das ist die Geschichte der Feuerwehr
13 Bilder

Das ist die Geschichte der Hildener Feuerwehr

13 Bilder
Foto: Stadtarchiv Hilden

Wie geht es nun weiter – und wann?

Die Stadt muss nun ein neues Raumkonzept erstellen, „Feuerwehr und Baubereich stehen in engem Austausch“, erklärt Mona Wolke-Ertel. Danach können die Planungen aufgenommen und ein neuer Zeitplan entwickelt werden. Das soll „schnellstmöglich“ geschehen, wie die Dezernentin betont. Eine Aussage zum Zeithorizont trifft sie nicht. Auch kann sie noch nicht sagen, wie teuer die Erweiterung oder ein möglicher Neubau am Ende sein werden.

Reicht der Platz am aktuellen Standort für die benötigten Erweiterungen überhaupt aus?

Ein klares „Ja“ oder ein „Nein“ ist der Beigeordneten nicht zu entlocken: „Aktuell ist es weiterhin Ziel, am Bestandsstandort eine optimierte Lösung zu entwickeln. Die Feuerwehr muss an zentraler Stelle im Stadtgebiet stationiert sein, weil von dort aus in wenigen Minuten Einsatzorte im Norden, Süden, Osten und Westen der Stadt erreichbar sein und insbesondere auch erreicht werden müssen.“ Wichtig sei dieser Standort auch für die Freiwillige Feuerwehr, denn sie könnten „einen zentral gelegenen Standort gleichermaßen gut von überall herkommend erreichen. Da es bei der Arbeit der Feuerwehr immer um die Zeitkomponente geht, ist ein zentral gelegener Standort von bedeutendem Interesse.“ Die Planungen werden also zeigen, ob der Standort zwischen Holterhöfchen, Hauptfriedhof, Krankenhaus und Stadtwerken ausreicht oder ob auch über eine Auslagerung, wie in anderen Städten bereits üblich, nachgedacht werden muss.

Ein Arbeitstag bei der Feuerwehr in Hilden
12 Bilder

Ein Arbeitstag bei der Feuerwehr in Hilden

12 Bilder

Wie kompensieren die Einsatzkräfte aktuell das Raumdefizit?

„Die Mitarbeitenden und Mitglieder der Feuerwehr nutzen die sehr begrenzten räumlichen Möglichkeiten für sich und die Fahrzeuge möglichst effizient und kreativ aus“, berichtet Mona Wolke-Ertel. „So werden zum Beispiel Lagerflächen und Fahrzeuge ausgelagert. Darüber hinaus sind aufgrund der Coronamaßnahmen zwei Rettungswagen ausgelagert worden. Diese Ausweichorte werden weiter genutzt.“

Wie viel Geld ist bisher in die Planungen geflossen?

„Für die Erweiterung und Sanierung der Feuerwache wurden die Planungsbüros stufenweise beauftragt“, erklärt Mona Wolke-Ertel weiter. Dabei sei es bisher um die Planungsleistungen bis zur Baugenehmigung gegangen. Bisher seien von den Planungsbüros Leistungen im Wert von 135.828 Euro erbracht worden. „Beauftragt sind noch Leistungen im Wert von 187.624 Euro. Diese Leistungen sind teilweise noch nicht erbracht. Die Verwaltung spricht mit den Planungsbüros ab, ob die offenen Leistungen noch zu erbringen sind und abgerechnet werden müssen“, erklärt die Beigeordnete. Insgesamt könnten Planungsergebnisse teilweise oder vollständig für einen neuen Entwurf verwendet werden. „So sind Bodengutachten und Verkehrsgutachten auch für einen anderen Entwurf vollständig verwendbar. Teilweise lassen sich auch andere Planungsergebnisse auf einen neu zu erarbeitenden Entwurf übertragen: unter anderem Trafo-Anschlusswerte, Aufzugstechnik, Netzersatzanlage und Feuerwehrtechnik. Auch die Grundlagen hinsichtlich Heizung, Lüftung, Trinkwasserhygiene sind verwertbar.“