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Haan: Ferien in der Schule

Haan : Ferien in der Schule

Schon seit 1974 gibt es die Stadtranderholung im Haaner Gymnasium. Besonders für berufstätige und alleinerziehende Eltern ist die Aktion eine große Hilfe und für deren Sprösslinge ein großer Spaß.

Wenn man das Foyer vor der Aula des Gymnasiums an der Adlerstraße betritt, ist man schlagartig mit all seinen Sinnesorganen in Anspruch genommen. Ein Durcheinander von Stimmen aus allen Ecken erfüllt die Ohren, ein Gewusel von bunten Klamotten, kleinen Armen und Beinen lässt die Augen umhereilen, der intensive Geruch von Erbsensuppe dringt in die Nase.

Kein Wunder, dass nach drei manchmal sogar ganzen sechs Wochen die Betreuer der Stadtranderholung ziemlich geschafft sind. „Es schlaucht ganz schön“, weiß Dieter Köhler. Als Jugendreferent der Stadt organisiert er das Betreuungsangebot für Sechs- bis 16-Jährige seit bereits 28 Jahren.

Elchtest für angehende Pädagogen

Ganz frisch dabei ist hingegen Sascha Grimberg. Der 17-Jährige hat sich als so genannter „Springer“ gemeldet. Das sind diejenigen Betreuer, die noch nicht volljährig sind, aber schon mal in das zukünftige Tätigkeitsfeld hineinschnuppern wollen. „Ich will später mal Lehrer werden oder sonst irgendwas in Richtung Erzieher machen“, erklärt Sascha. „Ich dachte mir, ich sammel hier ein paar Erfahrungen.“ Nach einem halben Tag lautet sein erstes Urteil: „Anstrengend“. Das rührt wohl auch daher, dass er Gruppe eins und zwei zugeteilt ist. Denn hier tummeln sich die jüngsten Teilnehmer. Die insgesamt neun Gruppen sind nach dem Alter gestaffelt. „Unsere Ältesten sind vierzehn“, berichtet Köhler. „Die noch Älteren fahren dann doch woanders hin.“ Aus dem Trend ist die etwas altertümlich klingende Stadtranderholung jedoch keineswegs, meint der 56-Jährige. „Es ist immer noch en vogue. Das bestätigt die Nachfrage.“ Auch dieses Jahr sind es wieder zwei Kinder mehr als die 100 vorgesehenen. Viele Eltern müssen noch arbeiten und ihre Kinder unterbringen. „Deshalb bin ich hier“, sagt Philip Sebastian und sieht dabei nicht unglücklich aus. Er ist schon zum dritten Mal dabei. „Die Ausflüge sind toll“, meint der Zehnjährige. „Nur das Übernachten auf dem Zeltplatz finde ich doof. Da sind meine Sachen nass geworden.“

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Einer für alle, alle für einen

Die gemeinsame Übernachtung bildet den Abschluss der Freizeit. „Am Ende gibt es schon mal Tränen. Sowohl bei den Kindern, als auch bei den Betreuern“, berichtet Köhler. Die könnte man fast als Indiz dafür nehmen, dass die Stadtranerholung ihr Ziel erreicht hat: ein Gruppengefühl zu erzeugen. „Man muss lernen, zurückzustecken und sich in die Gruppe einzubringen“, erläutert der Jugendreferent. „Jeder muss seinen Platz in der Hackordnung finden. Diese Prozesse sind immer noch die gleichen wie früher.“

(RP)