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Fahrradklima 2018 - Hilden vorn, Haan Schlusslicht

Haan/Hilden : Hilden radelt vorn mit, Haan Schlusslicht

Laut ADFC-Umfrage ist Hilden eine der fahrradfreundlichsten Städte im Kreis Mettmann. Haan dagegen scheint abgehängt, erreicht nur Platz 307 von 311 Kommunen seiner Größe (20.000 bis 50.000 Einwohner).

Bei der bundesweiten Umfrage erhält Hilden in der Gesamtwertung die Schulnote 3,8 und Rang 29 von 106 Städten in seiner Größe. Das ist etwas schlechter als in den Vorjahren. 2016 bekam Hilden die Note 3,7, 2014 und 2012 die Note 3,5. Positiv bewertet wurde: Viele Einbahnstraßen sind für Radfahrer geöffnet. Alt und Jung fahren in Hilden Rad. Und viele Ziele sind per Rad zügig erreichbar. Negativ wurde gewertet: Es gebe kein oder nur ein geringes Angebot öffentlicher Leihfahrräder, nur schmale Radwege und kaum Fahrradförderung in jüngster Zeit.

Lutz Groll ist Fahrrad-Experte der Stadt Hilden. Er sieht den Vergleich problematisch. 82 Hildener haben an der ADFC-Umfrage teilgenommen. In Hilden fahren jedoch Zigtausende jeden Tag Rad, sagt Groll. Deshalb sei das Ergebnis der Umfrage weder repräsentativ noch aussagekräftig. Schmale Radweg und keine öffentlichen Leihfahrräder: „Das sind zwei Punkte, die die Stadt nicht oder kaum beeinflussen kann, die uns aber negativ angelastet werden“, erläutert der stellvertretende Planungsamtsleiter. Hilden sei nun mal eine enge Stadt. „Wir müssten den Einwohnern Grundstücke wegnehmen, um Radwege zu verbreitern. Hilden hat gar keine Radwege. Die Radfahrer müssen auf der Fahrbahn fahren.“ Von den neun Kreisstädten (nur Wülfrath hat an dem Test nicht teilgenommen) schneide Hilden mit am besten ab. „Wir haben als Stadtverwaltung alles getan, um den Radverkehr zu fördern, ohne Konflikte mit dem motorisierten Verkehr zu riskieren. Dafür wäre allerdings die Unterstützung der Politik nötig.“

In Haan beteiligten sich 73 Radfahrer an der Umfrage. Sie gaben der Gartenstadt die Schulnote 4,6 und Rang 307 von 311 Städten. Positiv bewerteten sie wenig Fahrraddiebstähle, kaum Konflikte mit Fußgängern sowie die Möglichkeit, Räder in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen zu können. Unzufrieden waren die Teilnehmer vor allem mit der Breite von Radwegen, der Führung an Baustellen, Ampelschaltungen für Radfahrer sowie fehlendem Winterdienst und der Reinigung der Radwege.

Haan sei eines der Schlusslichter und habe Nachholbedarf, kommentiert Jörg Gries, Vorstandsmitglied des ADFC Haan, das Ergebnis. „Fahrradfreundlichkeit ist ein wichtiger Standortfaktor für attraktive Städte. Deshalb macht uns Sorgen, dass sich die Haaner auf dem Rad unwohl fühlen.“ Der Fahrradklima-Test zeige bei anderen Städten, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung auch honoriert werde.

Schon mit kleineren Maßnahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, beispielsweise durch gezielte Radwegparker-Kontrollen, für Radfahrer geöffnete Einbahnstraßen, mehr Tempo-30-Zonen, radfahrerfreundliche Lösungen an Baustellen. In Haan müsse mehr für das Radfahren getan werden, fordert Gries: „Wir brauchen Platz für gute Radwege, ein zusammenhängendes Radwegenetz und ausreichend sichere Fahrradparkplätze an Haltestellen, Geschäften und öffentlichen Gebäuden.“

Die Gartenstadt habe ein gutes Konzept für den Radverkehr, sei ihm bei Baumaßnahmen aber kaum gefolgt.