Serie: "Ich war einmal...": Färberei wird Finanzamt

Serie: "Ich war einmal...": Färberei wird Finanzamt

Dort, wo heute 260 Mitarbeiter des Finanzamtes sitzen, erstrahlten früher Web- und Wirkwaren in bunten Farben. Die Firma Schlieper und Laag verarbeitete bis zum 2. Weltkrieg die Erzeugnisse der örtlichen Tuchmachereien.

Der Bau strahlt eine nüchterne Gradlinigkeit aus. Die schnörkellosen Stelen des Kölner Künstlers Professor Ansgar Nierhoff scheinen diesen Eindruck noch zu unterstreichen.

Etwas verloren wirkt die einzelne Kastanie auf dem großzügigen Vorplatz des Finanzamtes. Als die Steuerbeamten im September 1995 in den Neubau einzogen, lobte der damalige Bürgermeister Günter Scheib "das gelungene Zusammenspiel von Zweckmäßigkeit und künstlerischen Elementen." Denn Ansgar Nierhoff hatte nicht nur die Fläche vor dem Eingang gestaltet, auch im Foyer hat er seine Spuren hinterlassen. Das Relief aus Eisenscheiben verschiedener Größe erinnert an ein unvollständiges Puzzle, dessen Teile sich auf der Suche nach der passenden Zusammensetzung noch beliebig hin- und herschieben lassen.

Ein Gesamtbild ergibt sich dennoch nicht. Die metallenen Verschnittprodukte erinnern an eine längst vergangene industrielle Arbeitswelt. Denn dort, wo sich heute Akten stapeln, standen einst große Maschinen, die fertige Web- und Wirkwaren in bunten Farben erstrahlen ließen.

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Die Firma Schlieper und Laag hatte sich darauf spezialisiert, an der Neustraße die Erzeugnisse der örtlichen Tuchmachereien weiter zu verarbeiten. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 blieb jedoch bald der Nachschub aus und das Unternehmen musste seinen Betrieb einstellen. Mit dem Niedergang der Tuchproduktion in Hilden nach dem Zweiten Weltkrieg, schlossen sich auch die Tore der traditionsreichen Firma.

Das Land NRW kaufte 1984 das Gelände für den Bau des Finanzamtes. Ursprünglich war dafür ein Grundstück an der Ecke von Hof- und Klotzstraße vorgesehen gewesen, doch das erwies sich als zu klein. Nur eine zusätzliche Tiefgarage hätte für den nötigen Parkraum gesorgt. Genügend Platz bot dagegen das Gelände an der Neustraße. Der Boden war jedoch mit Chlorkohlenwasserstoffen so belastet, dass er zunächst aufwändig saniert werden musste. Die Mitarbeiter des 1986 gegründeten Finanzamtes Hilden zogen daher zunächst in provisorische Räume am Immermannhof in Düsseldorf ein. Von der angestrebten Kundennähe konnte also zunächst keine Rede sein.

Die ersten Baumaschinen rückten erst im Jahr 1992 an der Neustraße an. Drei Jahre lang führten sie auf dem Gelände Regie, dann war der X-förmige Neubau bezugsfertig. Der Umzug zog sich dann noch zwei Wochen hin, in denen insgesamt 145 LKW-Ladungen Akten, Computer und Büromaterial in Hilden ausgepackt wurden. "Das Finanzamt ist damit dem Ziel der Einräumigkeit der Verwaltung als Leitgedanken kommunaler Neugliederung ein Stück näher gerückt", sagte Staatssekretär Dr. Karlheinz Bentele bei der Eröffnung des schlichten Zweckbaus.

(domi)
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