Hilden: Fabrys ebenbürtige Gefährtin

Hilden: Fabrys ebenbürtige Gefährtin

Marie Colinet, Ehefrau des berühmten Chirurgen Wilhelm Fabry, hat viel zu seinem Erfolg beigetragen. Sie stand im Mittelpunkt des Kunstcafés im Kunstraum des Gewerbeparks Hilden-Süd.

Die aktuelle Ausstellung "Hommage an die Frauen" bildete den passenden Rahmen für das 13. Kunstcafé, zu dem Kulturamt und Gleichstellungsstelle im Rahmen der Frauengesundheitswoche in den Kunstraum des Gewerbeparks Süd eingeladen hatten. Eine Hommage an eine besondere Frau, nämlich Marie Colinet, stand im Mittelpunkt des Treffens.

Überaus klug

Natürlich gilt ihrem Mann, Wilhelm Fabry, in diesem Jahr besonderes Interesse. Dass der berühmte Chirurg eine überaus kluge Ehefrau hatte, die ihm sowohl beruflich als auch als seine "Hausfrau", wie er sie anerkennend nannte, unterstützte, gerät dabei oftmals in Vergessenheit. Dieses Schicksal teilt die Colinet mit vielen Frauen berühmter Männer. Die eigens zu diesem Thema gegründete "Frauen-Geschichtswerkstatt" an der VHS hat sich bereits seit zwei Semestern mit der Frage: "Wer war Marie Colinet?" beschäftigt. Das Kunstcafé bot am Wochenende Gelegenheit für eine Annäherung.

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Dr. Juliane Kerzel-Kohn, Fachbereichsleiterin in der VHS, konnte zwar keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse präsentieren, jedoch anhand von Vergleichen mit Zeitgenossen die Lebensumstände der Colinet verdeutlichen. Wann und wo Fabrys Frau geboren und gestorben ist, weiß man bis heute nicht. Historisch gesichert aber ist das Datum der Hochzeit am 30. Juli 1587 in Genf. Als Tochter eines Buchdruckers mit französischer Abstammung konnte Marie Colinet schreiben und lesen, was vor 400 Jahren besonders für Frauen keine Selbstverständlichkeit war. Fabry hat in seinen Schriften immer wieder die Mitarbeit seiner Gattin gewürdigt. Sie war seine Assistentin bei schwierigen Geburten und brachte dabei spezielle Haken-Instrumente zum Einsatz. Die berühmte Augenoperation, bei der ein Metallsplitter aus einem Auge mit einem Magneten entfernt werden konnte, war ihre Idee. Sie hatte Platon und andere antike Autoren gelesen. Ihr Mann ließ sogar ein Buch des deutschen Theologen Johannes Gerhard eigens für sie ins Französische übersetzen.

Sieben Kinder verloren

Als Frau an Fabrys Seite hat sie, bedingt durch seine vielen Reisen, ein bewegtes Leben geführt. Mehrere Jahre wohnte sie auch in Hilden und soll ein gutes Verhältnis zu Fabrys Mutter gepflegt haben. Häufig vertrat die Colinet ihren berühmten Mann bei Patienten in seiner Abwesenheit. Daneben war sie fleißige Hausfrau und Mutter, die den Tod von sieben ihrer acht Kinder erleben musste. Mit einem über 800 Seiten starken Buch, dem in französischer Sprache verfassten "Alphabet Nouveau", setzte sich die streng gläubige Calvinistin mit Aberglauben, Hexerei und Sittenregeln auseinander. Dieses Werk wartet noch auf Übersetzung und könnte noch mehr Erkenntnisse über Fabrys Frau liefern.

(RP)