Hilden: Fabry-Preis für Stefan Sättele

Hilden: Fabry-Preis für Stefan Sättele

Der 36-jährige Fotograf aus Bielefeld ist gestern für seine Medizin-Fotos über Anorexie und Bulimie bei Männern mit dem mit 8000 Euro dotierten Förderpreis der Stadt Hilden ausgezeichnet worden.

Im Wilhelm-Fabry-Jubiläumsjahr (450. Geburtstag des berühmtesten Hildeners und Begründers der modernen Chirurgie) war der seit 32 Jahren verliehene Förderpreis für Medizinfotografie ausgeschrieben worden. 19 Bewerbungen gingen ein, berichtete Ludger Reffgen, Vorsitzender des Kulturausschusses, gestern bei der Preisverleihung im alten Ratssaal. Die sieben Juroren hätten sich einstimmig für den Fotografen Stefan Sättele entschieden – weil er ein aktuelles Phänomen in "sensibler Bildsprache" dargestellt habe. Seine Arbeiten über Anorexie und Bulimie (Essstörungen) bei Männern werden im Herbst 2011 in einer Ausstellung im Fabry-Museum zu sehen sein.

Bekannte Hildener Fotografen

Bürgermeister Horst Thiele (selbst gelernter Fotograf) erinnerte in seiner Begrüßung an zwei bekannte Fotografen, die Hilden hervorgebracht hat. Roman Bezjak besuchte die Wilhelm-Fabry-Realschule in Hilden, erhielt 1995 den Deutschen Fotopreis und ist heute Professor für Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld. Bei ihm machte übrigens Preisträger Stefan Sättele 2008 seinen Abschluss. Thiele nannte auch Volker Krämer. Der Absolvent der Fabry-Realschule fotografierte unter anderem für die Rheinsichen Post und wurde 1968 durch seine Bilder über die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings über Nacht international bekannt. Am 13. Juni 1999 wurde der bekannte Stern-Fotograf bei einer Reportage im Kosovo ermordet.

Kein Freund großer Worte

Die Laudatio auf den Preisträger hielt Michael Ebert. Der 51-jährige Fotograf, der seine Karriere bei der RP Hilden begann, begründete 2008 den Studiengang Bildjournalismus an der Fachhochschule Magdeburg und ist Jurymitglied für die beiden wichtigsten deutschen Fotopreise.

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Sättele begann mit 16 Jahren zu fotografieren. Erst nach einer Ausbildung zum Erzieher fand er zum Fotostudium. Das sei in der Branche durchaus nicht unüblich, meinte Ebert. Sättele sei deshalb aber kein "fotografierender Sozialarbeiter". Seine Bilder seien "nahezu unverschlüsselt", ihre Nachricht müssen nicht mühsam unter "aufgesetzter künstlerischer Attitüde" aufgespürt werden.

Der junge Künstler sei sich nicht zu schade für angewandte Fotografie. Seine Porträts und Industrie-Reportagen hätten "eigenen Stil" und seien "handwerklich perfekt", lobte der Laudator.

"Ich bin Fotograf, kein Freund großer Worte. Vielen Dank", revanchierte sich der gerührte Preisträger, der sich anschließend in das Goldene Buch der Stadt eintragen durfte. Mit dem Preisgeld will der 36-jährige Künstler (seine Lebensgefährtin Christina Lux ist ebenfalls Fotografin) eine Reise- und Sozialreportage über Brasilien und ein neues Fotoprojekt finanzieren.

Der Hildener Fabry-Föderpreis ist die erste Auszeichnung, mit der Sättele bedacht wurde. Es gebe nur wenige Förderpreise, die so hoch dotiert seien. "Ich kann vom Fotografieren leben", scherzte Stefan Sättele: "Es geht nur halt nicht immer gut."

(RP)