Hilden : Kinderheim: Ehemalige erzählen bei Jubiläumsfest

Mit einem Riesenfest hat die Einrichtung ihren 100. Geburtstag gefeiert. Etliche „Alte“ waren dabei.

Das evangelische Kinderheim an der Lievenstraße feierte am Samstag seinen 100. Geburtstag. Ein besonderes Jubiläum, zu dem nicht nur viele Freunde und Förderer am Haus Waldesruh vorbeischauten, sondern eben auch zahlreiche Ehemalige. Denn für sie hat die Einrichtung noch heute eine ganz zentrale Bedeutung in ihrem Leben.

Auf dem Hof rund um die alte Villa herrscht gesellige Sommerfeststimmung. Auf der Bühne schmettern die Alt-Rocker der Hildener Band „Midnight-Train“ Hits von Eric Clapton und Thin Lizzy, während sich Besucher an Grillstand oder Bierwagen mit Würstchen und Getränken versorgen oder längst auf den Bänken die Atmosphäre genießen und sich in Gespräche vertiefen.

Unter den vielen Besuchern tummelten sich auch viele junge Erwachsene, die früher selbst mal eine Zeit lang im Haus Waldesruh lebten, wie etwa Melanie Tremel: „In einer ganz schweren Zeit war das Kinderheim an der Lievenstraße für mich ein liebevolles Zuhause“, sagt die heute 27-Jährige. Sie strahlt, freut sich an diesem sonnigen Samstag dabei zu sein, wo sie zahlreiche Weggefährten herzlich begrüßt. Mit 13 Jahren kam sie ins Heim, das – wie sie sagt – nicht mit anderen Heimen vergleichbar sei, verbrachte hier drei Jahre ihres Lebens. Eine prägende Zeit: „Auch nach vielen Jahren fühle ich mich noch sehr dem Ort und den Leuten hier verbunden.“ Es seien die Erzieher gewesen, die ihr das Gefühl von Geborgenheit und Heimat gegeben haben.

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Eine „traumhafte Zeit“ hat Susanne Maaß im evangelischen Kinderheim erlebt. Die Anfangszeit war schwierig, sie habe viel geweint. „Doch am Ende habe ich geweint, weil ich mit 16 ausziehen musste.“ Aufgrund ihrer Erfahrungen mit den „liebevollen Erziehern“ im Heim, beschloss Maaß, Kinderpflegerin zu werden. Heute ist die 41-Jährige selbst Mutter, folgt einem geregelten Leben voller Liebe und tollen Erinnerungen an ihre Heimzeit.

Auch Christian Hoffmann (34) verbindet nur positive Gefühle mit seinem alten Zuhause. „Es war nicht immer einfach, vor allem die Anfangszeit. Ich hatte eine schwierige Zeit hinter mir, wurde aber im Heim gut aufgefangen.“ Für Hoffmann wurden Betreuer und die anderen Kinder der Einrichtung zur Familie. „Die Erzieher haben ganz klar einen Anker in meinem Leben gesetzt. Dank ihnen bin ich heute der Mensch, der ich sein wollte.“ Der Kontakt zur Einrichtung sei bei ihm nie abgebrochen. „Ich versuche, regelmäßig zu kommen, weil es immer wieder schön ist, wie ein großes Familienfest.“

Marco Grosch bemerkte erst spät, welche Bedeutung das evangelische Kinderheim in seinem Leben hat. „Ich bin schlecht rein, aber gut herausgekommen“, sagt der heute 31-Jährige. Mit acht Jahren kam er an die Lievenstraße, weil er zu Hause Probleme mit den Eltern hatte. Als Rebell flog er nach acht Jahren aus dem Heim, mit 16 in eine betreute WG. „Ich habe mir erst später eingestehen müssen, dass ich viel Mist gebaut habe.“ Seine Gefühle verarbeitet Grosch seit seinem zwölften Lebensjahr in Rap-Texten. Eine Kostprobe davon präsentierte der junge Mann als Künstler „M.G“ zum Jubiläum der Einrichtung. Als gereifter Rückkehrer wurde er gefeiert.

Nur einige von vielen Erfolgsgeschichten Tausender Kinder, die in 100 Jahren im Haus Waldesruh ihr wahres Zuhause auf Zeit gefunden haben.