Hilden: Evangelische Gesamtschule ist gestartet

Hilden: Evangelische Gesamtschule ist gestartet

G8 und G9 in einem Schulzentrum unter einem Dach. Oberkirchenrat Eberl: "Das ist einzigartig in NRW."

Mit 116 Schülern in vier Klassen hat die neue evangelische Gesamtschule Hilden gestern ihren Betrieb aufgenommen. Sie ersetzt die Wilhelmine-Fliedner-Realschule, die keine Schüler mehr aufnimmt und in fünf Jahren ausläuft. Mit dem benachbarten Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium will die neue Gesamtschule eng zusammenarbeiten. Schüler sollen zwischen beiden Schulformen hin- und herwechseln können, verspricht Guedo Wandrey, Leiter der neuen Gesamtschule. "G8 und G9 (Abitur nach Klasse 12 oder nach Klasse 13) unter einem Dach - das ist einmalig in NRW", betonte Oberkirchenrat Klaus Eberl vom Schulträger Rheinische Landeskirche. Wie attraktiv für Eltern dieses Angebot ist, zeigen die Anmeldezahlen: 380 Kinder bewarben sich aktuell um einen Platz im evangelischen Schulzentrum. Die Gesamtschule konnte nur 116, das Bonni 111 (davon 23 in der Oberstufe) aufnehmen. 153 Schüler mussten abgewiesen werden. Etwa 35 Prozent der Schüler des Evangelischen Schulzentrums kommen von auswärts.

Die Gesamtschule ist im ersten Stock der bisherigen Fliedner-Realschule untergebracht. Ariane blickt sich neugierig in der Klasse 5 d um. "Ich fühle mich wohl", versichert die Zehnjährige. Kein Wunder, hat sie doch Freundin Charlotta an ihrer Seite. Ariane hat noch drei weitere Kinder aus ihrer alten Klasse entdeckt. Ihre Klassenlehrer Norman Lecher und Heidelore Müller sehen nett aus. Auch Philipp fühlt sich schon ein bisschen heimisch. "Mein Bruder Olli geht in die achte Klasse der Fliedner-Realschule", erzählt der Neunjährige. Sein Lieblingsfach ist Kunst. "Wir wollten für unseren Sohn Matthia unbedingt eine Gesamtschule in Hilden", erläutert Vater Lorenzo Perrone die Schulwahl: "Das Schulkonzept hat uns überzeugt." Die Familie habe sich auch die Gesamtschule Langenfeld-Hilden in Langenfeld angeschaut: "Hilden liegt einfach näher. Deshalb haben wir die Chance genutzt und unseren Sohn auf der neuen evangelischen Gesamtschule angemeldet."

Mutter Anke Jedamzik hat selbst eine Gesamtschule in Wilhelmshaven (Niedersachsen) besucht und dort gute Erfahrungen gemacht: "Unsere Tochter Pauline hatte eine Empfehlung für das Gymnasium. Doch G8 wollten sie und wir nicht, weil es uns zu anstrengend erscheint. Deshalb haben wir uns für die Gesamtschule entschieden. Pauline ist überglücklich, weil sie jetzt wieder mit ihrer Kindergarten-Freundin zusammen in einer Klasse ist. Besser hätte es kaum kommen können."

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Hintergrund für die Umstrukturierung im evangelischen Schulzentrum sind Sparzwänge bei der Rheinischen Landeskirche und der Ansturm auf die Gesamtschule. Das Boni ist auf drei Eingangsklassen verkleinert worden. Das Internat wird zum Ende des Schuljahres 2014/15 geschlossen. Die Gebäude werden von einem Tagesinternat und einer diakonischen Einrichtung der Jugendhilfe übernommen, erläutert Oberkirchenrat Klaus Eberl. Landeskirche und Stadt Hilden verhandeln über einen höheren Zuschuss der Kommune. Er liegt derzeit bei 26 000 Euro jährlich. Eberl erwartet ein "besseres Ergebnis": "Wir brauchen die Unterstützung der Stadt und die Stadt braucht uns."

Bürgermeisterin Birgit Alkenings hielt sich gestern mit Einzelheiten noch bedeckt, betonte aber, welch komfortables Angebot an verschiedenen Schulformen Schüler und Eltern in Hilden vorfinden: "Sie können jetzt zwischen zwei Gymnasien (G8) und zwei Gesamtschulen (G9) wählen." Schüler, Eltern und Lehrer sollen einen neuen Namen für die evangelische Gesamtschule Hilden aussuchen - aber erst in zwei bis drei Jahren, so Eberl.

(RP)