Europawahl 2019 in Hilden und Haan

Europawahl : Grüne über Bundesschnitt, SPD stürzt ab

Der Ausgang der Europawahl ist spannend, weil das Ergebnis überrascht. Und den hiesigen Parteien viel Stoff zum Nachdenken gibt.

„Wir sind sehr glücklich“, sagte Klaus-Dieter Bartel, Fraktionsvorsitzender der Hildener Grünen. Die Grünen hätten auf die richtigen Themen gesetzt. „Klimaschutz“ sei vielen Menschen sehr wichtig. Das zeigten auch die „Friday-for-Future“-Demonstrationen. Bartel erhofft sich von dem starken Ergebnis zusätzlichen Rückenwind für die Grünen bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr: „Ich hoffe, dass andere Fraktionen im Stadtrat jetzt mehr Interesse für Umweltthemen zeigen und Entscheidungen jetzt nicht mehr verschieben.“

Peter Groß, Vorsitzender der CDU Hilden, ist mit dem Wahlergebnis nicht unzufrieden: „Wir haben eine Klatsche bekommen, aber nicht so schlimm wie befürchtet. Ich freue mich, dass die Grünen so viel Stimmen bekommen haben und nicht die AfD. Die Bürger haben offenbar erkannt, dass es mit den Rechtspopulisten kein gutes Ende nimmt.“ Auch die etablierten Parteien sorgten sich um die Umwelt. Das müsse aber offenbar mehr herausgestellt werden. Hildens SPD-Vorsitzender Torsten Brehmer freut sich über die hohe Wahlbeteiligung. Die Europawahl werde offenbar von vielen Unzufriedenen als Protestwahl genutzt. Die Friday-for-Future“-Demonstrationen findet Brehmer gut: „Sie zeigen doch, dass der Jugend die eigene Zukunft nicht egal ist.“ Man müsse den Jugendlichen aber auch sagen, schlagartige Veränderungen werde es nicht geben, weil Politik aus Kompromissen bestehe. Und die bräuchten in der Regel Zeit.

Ulrich Schwierzke ist Partei- und Fraktionsvorsitzender der AfD in Haan und stellvertretender Sprecher für den Kreisverband: „Ich bin enttäuscht über das Abschneiden unserer Partei und den Stimmzuwachs der Grünen. Viele Leute haben offenbar nichts begriffen, verstehen nicht, was in Europa abläuft. Finanzminister Scholz (SPD) fehlen Milliarden, obwohl die Wirtschaft brummt. Wo ist das Geld hin?“ Bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr will die AfD auf kommunale Themen achten. Im Fall Formella hätten die Bürger nicht verstanden, was zu deren Abwahl geführt habe: „Die Staatsanwaltschaft muss sich endlich mal erklären“, fordert Schwierzke: „Sonst können die Bürger die Entscheidung der Bürgermeisterin nicht nachvollziehen.“

„Das ist kein gutes Ergebnis für uns“, sagt Haans SPD-Vorsitzender Bernd Stracke: „Wir hatten uns mehr erwartet.“ Der Negativ-Trend für die SPD dauere schon länger an. Klimaschutz sei ein wichtiges Thema geworden: „Vielleicht haben die Wähler den Grünen dabei mehr Kernkompetenz zugeschrieben als uns Sozialdemokraten.“

„Das Ergebnis ist schon erstaunlich“, meint Michael Ruppert, Fraktionsvorsitzender der Haaner FDP: „Die FDP hat dazu gewonnen, aber 100 Prozent zufrieden sind wir nicht. Für die Grünen ist das Ergebnis überwältigend.“ Das Klimathema habe in Deutschland vieles überlagert. Allgemein darüber zu reden sei das eine, über konkrete Maßnahmen, die die Menschen unmittelbar betreffen, etwas anderes.

Jochen Sack, Vorsitzender der Grün-Alternativen Liste Haan, ist „voll begeistert“: „Wir liegen in Haan knapp hinter der CDU. Das ist ein Votum für mehr Klimaschutz und mehr Demokratie in Europa.“ Die Grünen hätten Zuwächse in allen Altersgruppe zu verzeichnen: „Und wir bekommen jungen Nachwuchs. Darüber freuen wir uns sehr.“

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