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Interview mit Frank Weber: "Es kommen viele Dinge auf den Prüfstand"

Interview mit Frank Weber : "Es kommen viele Dinge auf den Prüfstand"

Der Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann spricht über Besinnlichkeit – und die 2014 anstehende Landessynode.

Der Superintendent des Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann spricht über Besinnlichkeit — und die 2014 anstehende Landessynode.

Wie wichtig ist die Weihnachtszeit: Sollte man sich bewusst Zeit für die Familie nehmen?

Weber Weihnachten hat eine hohe Bedeutung für die Familien und den Verbund der Generationen. Das predigen wir immer und wünschen es natürlich unseren Gemeindegliedern. Ich sehe das in unseren Gottesdiensten, dass sich dort in der Weihnachtszeit die Generationen wiedertreffen — und das ist sehr schön. Man könnte auch sagen: Weihnachten heißt nach Hause kommen. So war es ja auch damals bei Joseph und Maria. Aber man hört auch oft: "Wenn bald diese ganzen Weihnachtsfeiern vorbei sind, dann kommt endlich Weihnachten." Das ist für viele eine Erlösung.

Inwiefern?

Webern Ja, das erlebe ich auch so: Dann ist der Vorweihnachts-Stress vorbei und man kann sich auf das eigentliche Fest konzentrieren.

Das ist bei Stress, den ja viele haben oder sich selbst machen, aber schwierig.

Weber Ich kann das aus persönlicher Erfahrung sagen. Wir hatten das auch in der Familie, haben immer versucht, alle Verwandten zu besuchen und ihnen gerecht zu werden. Man hetzt von einem Termin zum anderen. Dann haben wir in der Familie entschieden, dass wir uns nicht auf die Weihnachtsfeiertage konzentrieren wollen. Man ist ja das ganze Jahr schon ständig unterwegs. Und so haben wir zum Beispiel am Wochenende vor Weihnachten ein Familientreffen gehabt, so dass wir das eigentliche Fest dann in Ruhe zu Hause genießen können.

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Was bewirkt das, wenn man sich bewusst Zeit nimmt?

Weber Ich erlebe das bei jüngeren Menschen oder auch bei meinen Kindern. Sie fahren Weihnachten bewusst nach Hause und schätzen die Familie. Ich denke, das bringt eine Stabilisierung und verstärkt die Gewissheit, wer man ist — und wie man ins neue Jahr gehen will. Die Geburt Christi ist auch immer wieder ein Angebot zur Neuwerdung und ein Anstoß zur Neuorientierung, egal wie alt oder jung man ist.

Können Sie selbst abschalten an Weihnachten?

Weber Ja. Ich habe Dienst bis einschließlich 1. Januar und werde mir danach eine Woche Auszeit nehmen und ins Kloster Kirchberg auf die Schwäbische Alb fahren. Dort kann ich dann selber Kraft schöpfen für das neue Jahr — zum Beispiel für die Landessynode, die kommt. Ich achte darauf, meine Ressourcen aufzutanken. Im Kloster gibt es kein Wlan, und der Handyempfang ist sehr schlecht. Das ist auch mal ganz gut.

Sie sprechen die Landessynode an, die nächstes Jahr ansteht. Dort sollen Kürzungen beschlossen werden. Was kommt auf die Gemeinden zu?

Weber Für die Gemeinden selbst sollen das in erster Linie keine Kürzungen sein. Der landeskirchliche Haushalt hat zu wenig Einnahmen und zu viele Ausgaben. Die Gemeinden vor Ort betrifft das indirekt, und darüber wird auf der Landessynode erstmals diskutiert. Da geht es zum Beispiel um die Frage, welche Zukunft unsere Schulen und Bildungseinrichtungen haben. Es kommen viele Dinge, die heute selbstverständlich sind, auf den Prüfstand. Das trifft dann schon die Gemeinden in einer Reduzierung der landeskirchlichen Angebote.

Was bedeutet das konkret?

Weber Was passieren könnte, ist, dass beispielsweise die Angebote für die Fortbildung für Kinder- und Jugendarbeit an einen anderen Standort verlegt werden. Da muss man sich umorientieren und hat wahrscheinlich auch im Bildungsbereich für Erwachsene Streichungen hinzunehmen. Da wird sich einiges tun.

Die Kirche spricht darüber, sich von ihren Schulen zu trennen. Im Kirchenkreis beträfe das Hilden.

Weber Für unseren Kirchenkreis wäre das bedauerlich, weil viele Kontakte über diese Schule laufen. So schätzen viele Eltern, die mit Kirche nicht unbedingt verbunden sind, diese Einrichtung sehr und sehen die Entwicklung mit Sorge. Ich hoffe auch, dass es da keinen Kahlschlag geben wird, sondern es wäre gut, wenn man Standorte erhält und diese als Pilotprojekte laufen lässt. Für Hilden sehe ich da gute Chancen.

Warum?

Weber Wenn landeskirchliche Aufgaben zusammengelegt werden, bietet das Areal in Hilden dafür gute Möglichkeiten. Das Grundstück hat eine ausreichende Kapazität. Konkretes gibt es aber noch nicht. Zunächst muss die Landessynode stattfinden. Ich rechne dort mit heftigen Diskussionen, weil es viele Menschen in der Kirche gibt, die an den Schulen unter Trägerschaft der Kirche hängen.

Stehen für einzelne Gemeinden Kürzungen an?

Weber Der Etat der Landeskirche muss reduziert werden, das ist klar. Unsere eigenen Finanzen sind davon aber erst einmal nicht betroffen. Die Landeskirche bekommt 10,1 Prozent der Einnahmen aller Gemeinden. Es ist undenkbar, dass unsere Gemeinden noch mehr belastet werden, als sie es ohnehin schon sind. Im Übrigen erwarten unsere Gemeindemitglieder, dass wir uns mehr um Inhalte des Glaubens wie Verkündigung und Seelsorge kümmern, als uns mit uns selbst und nur mit Finanzen zu beschäftigen. Hieran werden wir im nächsten Jahr intensiv arbeiten.

CORINNA KUHS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)