Haan: Ersatz für zerstörtes Kruzifix schon in Arbeit

Haan : Ersatz für zerstörtes Kruzifix schon in Arbeit

Während der Haaner Kirmes haben Täter die Jesusfigur an der Kirche St. Chrysanthus und Daria geköpft.

Der Haaner Künstler Dr. Franz-Josef Carduck kann es immer noch nicht fassen: "In den letzten zehn Jahren ist die Jesusfigur schon drei Mal zerstört worden", sagt der 83-Jährige. "Das ist eine Katastrophe." Unbekannte waren am Wochenende während der Haaner Kirmes auf das Gelände der katholischen Kirche St. Chrysanthus und Daria eingedrungen und hatten dort randaliert.

Franz-Josef Carduck arbeitet an einer neuen Hand für die zerstörte Figur. Der Porenbeton muss später aufwändig beschichtet werden. Foto: Olaf Staschik

"Sie haben das Kreuz mit der Jesusfigur an der Rückseite der Kirche aus der Verankerung gerissen, die Figur regelrecht geköpft und den Kopf mitgenommen", berichtet Pfarrer Dr. Reiner Nieswandt. "Außerdem haben sie von einer weiteren Figur, einem Bischof, einen Arm abgerissen und den Bischofsstab in den Garten des Kindergartens geworfen." Das Kreuz selbst habe man mittlerweile wieder aufhängen können. "Aber die Jesusfigur ist völlig kaputt."

Der Pfarrer ist wie Künstler Carduck schockiert. "Es gibt Stimmungen gegenüber Religionen", sagt er. "Wer aber Probleme damit hat, darf nicht Kirchen oder Kreuze zerstören, sondern kann darüber mit den kirchlichen Vertretern sprechen." Auch die Gemeindemitglieder seien entsetzt.

Entdeckt hatten den Vandalismus Handballer der Unitas Haan. "Wir hatten unseren Bierstand extra vor der Kirche aufgebaut, um sie damit abzuschotten und vor Wildpinklern, die in der Vergangenheit ein Problem waren, zu schützen", berichtet Vereinsvorsitzender Martin Blau. Zu diesem Zweck habe man bei Einbruch der Dunkelheit das Kirchengelände mit Zäunen abgeriegelt und mehrfach kontrolliert. Gäste des Bierstandes durften kostenlos einen Toilettenwagen nutzen.

"Erst beim Aufräumen des Standes zwischen 1 und 2 Uhr ist uns aufgefallen, dass der Zaun durchbrochen wurde." Auf dem Gelände habe er den Vandalismus entdeckt. "Ich habe sofort Fotos gemacht und habe es der Polizei auf der Kirmes gemeldet", sagt Blau. Mitbekommen habe man von den Randalierern jedoch nichts, weil sie sehr abgelegen gewütet hätten. "Als ich es entdeckte, war ich völlig erschrocken. Dass Randalierer nicht mehr vor Kirchen Halt machen, ist ein absolutes Unding."

Es sei auch nicht die einzige Sachbeschädigung gewesen. "Auf dem Heimweg waren an mehreren Stellen Laternen eingetreten und andere Dinge beschädigt. Offensichtlich gab es viele Jugendliche, die mit Alkohol nicht umgehen konnten." Der Polizei wurden nach eigenen Angaben neben dem Vandalismus auf dem Kirchengelände unter anderem abgetretende Außenspiegel und eine gestohlene Gartenlaterne gemeldet.

Hinweise zu den Tätern gibt es bislang nicht. "Man sollte auch sehr vorsichtig sein mit Schuldzuweisungen", sagt Reiner Nieswandt. Denn erste Verdächtigungen bestimmter Gruppen gebe es bereits. Ohne eindeutige Beobachtungen führe dies aber nicht weiter. "Es kann im Prinzip jeder Betrunkene gewesen sein."

Künstler Carduck ist schon dabei, eine neue Jesusfigur aus Porenbeton zu fertigen. "Die Farbschichten sind das aufwändigste. Sie müssen ja wetterfest sein und da kann ich jetzt das gute Wetter nutzen", erklärt er. "Bei der Bischofsfigur muss ich schauen, wie ich sie reparieren kann."

(RP)
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