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Gruiten: Erneut Skelettfunde am Nikolausturm

Gruiten : Erneut Skelettfunde am Nikolausturm

Archäologin Sonja Lehnert-Klawa sicherte die Funde. Die Pause war nur kurz: Es wird schon wieder weiter gearbeitet.

Erneut haben Arbeiter im Erdreich am Nikolausturm in Haan-Gruiten Skelette beziehungsweise Teile davon gefunden. Das berichtet Norbert Julius vom Förderverein St. Nikolaus und der Arbeitsgemeinschaft Alter Nikolausturm Gruiten. Mitte Februar waren die Bodenarbeiten im unmittelbaren Umfeld des Kirchturms fortgesetzt worden, um den Kirchturm gegen eine Gräberzeile im Osten und einen Weg im Norden abzusichern. Die dabei aufgefundenen Knochen wurden von der Architektin Sonja Lehnert-Klawa dokumentiert und gesichert. Lehnert-Klawa ist Archäologin und Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Alter Nikolausturm Gruiten. Die Skelettfunde gelten als Altbestattungen. "Sie werden aufbewahrt und später gemeinsam mit allen anderen Funden wieder bestattet", berichtet Julius.

Schon einmal waren im September 2013 Skelette am Fuß des alten Kirchturms gefunden worden. Es wird vermutet, dass sie zu einem Beinhaus gehören, das einst an dieser Stelle stand. Genauen Aufschluss soll eine Laboruntersuchung bringen, deren Ergebnisse dem Verein für Mitte März dieses Jahres angekündigt wurden.

Der Turm der ehemaligen Nikolauskirche auf dem katholischen Friedhof in Gruiten wurde um 1075 erbaut und ist das älteste erhaltene Bauwerk in Haan. Der Kirchturm und die ihn umgebende Welschenmauer stehen unter Denkmalschutz. Feuchtigkeitsschäden am Turmsockel und am -gemäuer sowie im Innenraum des Kapellchens mit seiner Sakramentsgrotte gefährdeten zunehmend die historisch wertvolle Substanz und machten eine Sanierung erforderlich. Die Arbeiten begannen im September vergangenen Jahres unter Federführung des Fördervereins St. Nikolaus.

Die Monate Dezember und Januar wurden dazu genutzt, das Turminnere zu säubern und die Holzkonstruktionen der Decken und des Daches zu stabilisieren, um die Begehbarkeit des Turms zu verbessern. Darüber hinaus wurden Stromleitungen in den oberen Teil des Turms verlegt und Beleuchtungskörper angebracht.

Auch die Planungen zur Gestaltung des Eingangs zur kleinen Kapelle sowie zum rückwärtigen Fenster wurden fortgesetzt und teilweise schon mit den Denkmalbehörden abgestimmt. Auch die Analyse der Knochenstückchen, die über das Alter und die Dauer der Liegezeit der Skelette am Nikolausturm Aufschluss geben sollen, wurde eng mit dem Amt für Bodendenkmalpflege abgestimmt.

Die Sanierung des Alten Nikolausturms in Gruiten, die Sicherung der archäologischen Funde sowie Empfehlungen des Denkmalschutzes sollen nun insgesamt 145 000 Euro in Anspruch nehmen. Damit übersteigt der Finanzbedarf die ursprüngliche Schätzung um 32 000 Euro. So verursachten die Skelettfunde im September 2013 Zusatzkosten für archäologische Fachfirmen sowie den Verbau und die Sicherung der Fundstelle von 6700 Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für Mehrarbeiten wie zum Beispiel Handschachtungen und Stillstandszeiten bei der Sicherung der Funde in Höhe von zirka 9000 Euro.

Den Empfehlungen möchte die Arbeitsgemeinschaft Alter Nikolausturm Gruiten gerne folgen, "da sie die Wertigkeit des Denkmals zum Beispiel durch Eingangs-Glaselemente besonders gut hervorheben", sagt Julius. Auch die Stützmauer wird schön anzusehen sein: Sie wird aus Natursteinen gebaut, die aus dem Steinbruch der Firma Kalk Oetelshofen in Wuppertal-Schöller stammen. Jörg Iseke, Inhaber der Firma, hat dem Verein 20 Tonnen davon in unterschiedlichen Größen unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

"Zur Deckung der Finanzierungslücke bemühen wir uns derzeit um weitere Zuschüsse und Spenden", teilt Julius mit. Trotz der neuen Herausforderung seien die Aktiven zuversichtlich, dass sie das Geld aufbringen können und die Restaurierung des Turms noch in diesem Jahr erfolgreich abschließen werden.

(RP)