Hilden: Entsetzen über Razzia bei Vion

Hilden: Entsetzen über Razzia bei Vion

Sollten sich die Vorwürfe gegen den Fleischverarbeiter Vion bestätigen, "wäre das eine Katastrophe", sagt Bürgermeister Horst Thiele. Die Lebensmittelüberwachung wurde von der Durchsuchung überrascht.

Die Durchsuchung beim Fleischverarbeiter Vion in der Nacht zu gestern hat in Hilden Ratlosigkeit und Entsetzen ausgelöst. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen", so Bürgermeister Horst Thiele (SPD) auf Anfrage der RP, "wäre das eine Katastrophe für die Stadt." Immerhin handele es sich um einen einstigen "Vorzeigebetrieb", der mehrere hundert Mitarbeiter beschäftige und entsprechend Gewerbesteuer zahle; Vion ist unter anderem aus dem Hildener Unternehmer Eyckeler & Malt hervorgegangen. Thiele: "Ich hoffe einfach, dass sich die Vorwürfe nicht bewahrheiten."

150 Beamte von Polizei, Staatsanwaltschaft und Zoll hatten die Räume von Vion am Westring durchsucht und "Beweismittel sichergestellt", wie Kerstin Schwarz, Staatsanwältin für Wirtschaftsstrafsachen, mitteilt. Ehemalige Mitarbeiter sollen die Ermittler auf den Plan gerufen haben.

Vion weist Vorwürfe zurück

Der Vorwurf: Bei Vion soll Fleisch aus dem Ausland "in großem Umfang umetikettiert und als deutsches Fleisch teurer weiterverkauft worden sein", so die Behörden. Damit hätte die Firma gegen das Lebensmittelgesetz und das Rindfleischetikettierungsgesetz verstoßen. Das Ausmaß soll noch nicht absehbar sein, der Betrieb am Westring läuft laut Schwarz normal weiter.

Die beiden Hildener Geschäftsführer, gegen die nach Angaben der Staatsanwaltschaft ermittelt wird, ließen gestern über eine Konzernsprecherin in Düsseldorf mitteilen: "Die Vion-Geschäftsführung ist überrascht von den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft und der vorgenommenen Durchsuchung eines Zerlegebetriebs in Hilden. Das Unternehmen unterstützt die Ermittlungen in vollem Umfang." Das Unternehmen habe keinen Anlass zur Annahme, dass sich die Vorwürfe bestätigen werden, heißt es. "Regelmäßige interne und externe Kontrollen, u.a. durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sowie die unabhängige interne Revision, haben noch in jüngster Vergangenheit ausnahmslos zu keinerlei Beanstandung geführt."

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Auch in der Vion-Zentrale in Düsseldorf hatte es eine Durchsuchung gegeben. Die Vion Hilden GmbH ist ein Tochterunternehmen der Vion Food Group, die ihren Hauptsitz in Eindhoven hat. Vion ist einer der größten Fleischanbieter in Europa und beliefert viele Discounter.

Manfred Valbert, Fleischer mit eigenem Betrieb in Haan und stellvertretender Obermeister der Innung, kann sich vorstellen, dass Umetickettierung lukrativ ist: "Es ist deutlich günstiger, Fleisch in großen Mengen aus dem Ausland zu beziehen als aus Deutschland", sagt er. "Wenn man es hier dann als Fleisch aus heimischer Produktion anbietet, ergibt sich eine gewisse Gewinn-Marge." Ein gutes Stück Rindfleisch aus Deutschland könne bis zu 16 Euro kosten, die Kosten bei Fleisch aus einigen anderen Ländern lägen bei sieben Euro. Auch er hofft, dass sich die Vorwürfe letztlich nicht bestätigen, "denn das wäre eine Schande für unseren Beruf". Allerdings: "Die Skandale der Großen helfen uns Kleinen", so Valbert. In seinem Betrieb in Haan-Gruiten werde geschlachtet, alle Kunden hätten die Sicherheit zu wissen, woher ihr Fleisch komme.

Die Lebensmittelkontrolleure des Kreises, die neben der Vion-Werkszufahrt ihr Quartier haben, wurden von der Durchsuchung nach Angaben von Sprecherin Daniela Hitzemann überrascht. "Die Kontrolleure untersuchen die Qualität der Produkte", so Hitzemann. "Die war nicht zu beanstanden." Ob hingegen die Angaben auf den Etiketten stimmen, könnten die Kontrolleure nicht überwachen. Gegen sie wird nicht ermittelt.

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(RP/jco)