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Serie Abteilungen Der Kreispolizei (2): Empfangskomitee in blauer Uniform

Serie Abteilungen Der Kreispolizei (2) : Empfangskomitee in blauer Uniform

Die Wache ist für viele Bürger der erste Kontakt zur Polizei. Bis zu 90 Anrufe kommen dort an einem Vormittag an und werden an die entsprechenden Stellen geleitet.

Mettmann/Haan Ohne ihn läuft auf der Mettmanner Polizeiwache nichts. Wachdienstführer Sven Kraemer sitzt vor fünf Bildschirmen, Telefonhörer in der einen, Kugelschreiber in der anderen Hand. Multitasking ist gefragt: zuhören, mitschreiben, Monitore im Auge behalten. Überwachungskameras im Außen- und Zellenbereich und detaillierte Übersichten über sämtliche aktuellen Einsätze im Kreis beschäftigen den Hauptkommissar im Sekundentakt.

"An einem normalen Vormittag gehen hier 70 bis 90 Anrufe ein", erzählt Kraemer. Er nimmt alle auf, leitet sie an entsprechende Bearbeitungsstellen weiter. Ein sechster Bildschirm dagegen ist schwarz. Über ihn besteht die Möglichkeit, fernzusehen. "Für den Kollegen der Nachtschicht, da ist weniger los", so Kraemer, bevor er das erneute Klingeln des Telefons erwidert. Stellvertretender Wachleiter Ulrich Kessler und Dienstgruppenleiter Michael Reinartz wissen, dass die Mettmanner Wache besonders frequentiert wird.

Schließlich befindet sie sich zentral in der Kreispolizeibehörde. "Jeder, der hier einen Termin hat, schlägt zunächst bei uns auf", sagt Reinartz. Etwa 80 bis 100 Besucher täglich passieren den Empfangsbereich.

Hauptaufgabe der Wache ist jedoch die Anzeigenaufnahme. Diebstahl, Körperverletzung und Unfallflucht liegen in der Statistik ganz oben. "Ein neueres Phänomen sind Betrugsfälle beim Internet-Verkauf", weiß Reinartz. "Das gehört mittlerweile zur Tagesordnung." Auch Gewaltdelikte, beispielsweise nach durchzechten Altstadt-Nächten, hätten leicht zugenommen. Von der Wache aus werden die Anzeigen an die entsprechenden Zuständigkeitsbereiche weitergeleitet. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt der Wache ist der Streifendienst. Ein moderner Streifenwagen gleicht heute einer kleinen Lagerhalle. Feuerlöscher, Warnleuchten, Absperrband, Alkotestgeräte und Fluchthauben gehören zur Grundausstattung. Dienstgruppenleiter Reinartz hat zusätzlich drei Koffer in seinem Wagen mit zusätzlichem Material für Unfälle und besonders aufwendige Einsätze wie Geiselnahmen oder Flugzeugabstürze.

Freie Sicht nach hinten? Fehlanzeige. Fahrlehrer sollten hier besser wegschauen. "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald größere Einsatzwagen", sagt Ulrich Kessler. Bei Festnahmen führt der Weg der Streife meist direkt in die Schleuse im Untergeschoss des Gebäudekomplexes. Hier befinden sich fünf Standardeinzelzellen, spartanisch ausgestattet: eine Holzpritsche mit blauer Matte und eine Toilette mit integriertem Waschbecken aus Edelstahl. Dazu graue Kacheln und Milchglasfenster.

Ein gefundenes Fressen für jede Innenarchitektur-Doku. Eine Gruppenzelle und eine videoüberwachte Einzelzelle mit Fixierungsmöglichkeit am Boden und Hocktoilette komplettieren den Sicherheitstrakt. "Früher waren die Zellen dunkle Löcher, ohne Matten und Toiletten. Jetzt sind sie richtig komfortabel", sagt Kessler. Er meint das durchaus ernst. Und ist dennoch man froh, dass sich der Aufenthalt dort unten auf wenige Minuten beschränkt.

(RP)