Hilden: Elternwille: eine Schule für alle

Hilden: Elternwille: eine Schule für alle

Gestern war Welt-Down-Syndrom-Tag, heute sollen die Kompetenzzentren zur inklusiven Beschulung im Kreistag verabschiedet werden. Schüler mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung bleiben (noch) außen vor.

hilden / haan Sarah möchte gesiezt werden. "Das machen meine Lehrer auch", betont die 20-Jährige. Seit drei Jahren besucht die junge Haanerin die Hans-Helmich-Schule in Mettmann. "Das Berufskolleg nimmt leider nur noch lernbehinderte Schüler an", sagt Sarahs Mutter Elke Zerhusen-Elker. Auch in der Hauptschule Zum Diek, die Sarah bis Klasse 10 besucht hat, werden es Kinder mit einer geistigen Behinderung künftig schwerer haben, einen Platz zu bekommen, fürchtet das Gründungsmitglied der Haaner Elterninitiative "Gemeinsam leben lernen" (GLL). Denn die Kompetenzzentren des Kreises Mettmann, die heute im Kreistag verabschiedet werden sollen, decken nur drei von sieben sonderpädagogischen Förderbedarfen ab.

Kompetenzzentrum im Verbund

Kreistagsmitglied Ursula Greve-Tegeler (CDU) ist optimistisch, dass der modifizierte Beschlussvorschlag heute durchgeht. Hatte der Kreis zunächst die Paul-Maar-Schule als Standort eines Kompetenzzentrums für Hilden und Haan präferiert, soll dieses nun als Verbund von Maar- und Ferdinand-Lieven-Schule gemeinsam entwickelt werden. Der vom Hildener GLL-Vorsitzenden Martin Rawe geäußerte Vorwurf, dass seh- oder hörbehinderte sowie Kinder mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung durchs Raster fallen würden, hält Greve-Tegeler, die auch Mitglied im Hildener Behindertenbeirat ist, für "unberechtigt: Deren Bedarf kann nur im Moment noch nicht einbezogen werden".

Zukunftsvisionen, dass sich künftig Kinder mit einer Hör- oder Sehbehinderung, einer Verhaltens- oder körperlichen Beeinträchtigung, mit einer Sprach-, Lern- oder geistigen Behinderung gemeinsam mit Regelschülern ein Klassenzimmer teilen, ist auch bei Experten nicht unumstritten. Der Landesvorsitzende des Verbandes Sonderpädagogik Thomas Stöppler berichtete jüngst von "erschreckenden Fällen, in denen allgemeine Schulen dem individuellen Förderbedarf von behinderten Kindern in keiner Weise gerecht werden".

"Inklusion nicht überstülpen"

Auch Zerhusen-Elker ist nicht generell gegen Förderschulen: "Man kann die Inklusion sicher nicht allen überstülpen, sondern muss schauen, welchem Druck das Kind standhält." Sie wehre sich nur gegen die "Aussage des Kompetenzzentren-Gutachters Dr. Detlef Garbe, dass Kinder mit Down-Syndrom nicht in Regelklassen beschulbar" wären. "Nicht das Kind, sondern die Schule muss integrationsfähig werden", ergänzt Anne Schunicht-Rawe. Die Rawes kritisieren, dass das NRW-Schulministerium den Eltern behinderter Kinder gemäß der vor einem Jahr vom Bund unterzeichneten UN-Charta theoretisch zwar ein Schul-Wahlrecht in Aussicht stelle, praktisch aber nicht für das nötige Personal sorge.

Für Sarah ist die Schule im nächsten Jahr Vergangenheit. "Ich möchte Friseurin werden", sagt sie strahlend und streicht sich eine pinke Haarsträhne aus dem Gesicht.

(RP)