Analyse: Elternvereine verteidigen Recht auf Inklusion

Analyse : Elternvereine verteidigen Recht auf Inklusion

Eltern aus NRW wehren sich mit einem Offenen Brief an die Spitzenkandidaten von CDU und FDP Armin Laschet und Christian Lindner gegen "Anti-Inklusions-Polemik" im Wahlkampf. Auch der Hildener Verein "Gemeinsam Leben Lernen" hat unterzeichnet.

"Wir als betroffene Eltern von Kindern mit besonderem Förderbedarf sind der Auffassung, dass die schulische Inklusion in Hilden noch lange nicht perfekt, aber doch schon auf einem guten Weg ist. Wir alle in Hilden sollten versuchen zu verhindern, dass die Inklusion im Wahlkampf instrumentalisiert und dabei kaputtgeredet wird."

Das schreibt Martin Rawe vom Verein "Gemeinsam Leben Lernen" als Erklärung zum Offenen Brief, den 21 Elternvereine aus NRW jetzt an Armin Laschet (CDU) und Christian Lindner (FDP) geschickt haben. Hauptvorwurf: "Sie sprechen davon, sich um das Wohl von Kindern mit Behinderung zu sorgen. Doch kaum kommen nach jahrzehntelangem Sonderschulzwang die ersten Kinder mit Behinderung in den allgemeinen Schulen an, werden sie von Ihnen unaufhörlich und ausschließlich als Kostenverursacher, Störenfriede und Zumutung durch die öffentliche Debatte geschleift."

Harter Tobak. Auch die Eltern sind mit der derzeitigen Lage bei der Inklusion noch nicht zufrieden, jedoch vermissen sie von "den Kandidaten" Laschet und Lindner konstruktive Vorschläge zur Verbesserung der Lage in den Schulen. "Es ist in höchstem Maße unanständig, ausgerechnet das Wohl unserer Kinder im Munde zu führen, um sie unter diesem Vorwand wieder in die Sonderschulen zu schieben."

Laschet hatte angekündigt, im Fall eines Wahlsiegs den Inklusionsprozess vorerst zu stoppen, weil die Schulpolitik viele Eltern und Lehrer verunsichert habe. Die mit der Inklusion einhergehende Schließung von Förderschulen war der CDU von Anfang ein Dorn im Auge. Im Kreis Mettmann wurde mit Unterstützung des CDU-Landrats immerhin ein System zum Erhalt von Förderzentren (Schwerpunktschulen) etabliert, um Eltern tatsächlich eine Wahlfreiheit zu garantieren.

Denn es ist nur die halbe Wahrheit, dass alle Eltern behinderter Kinder diese um jeden Preis auf eine Regelschule schicken möchten. Vielmehr gibt es auch eine ganze Reihe Eltern, die die Qualität der Förderschule suchen und schlechte Erfahrungen gemacht haben mit dem Besuch einer Regelschule. Dabei gibt es bei körperlichen Beeinträchtigungen gar keine Klagen - auch nicht von Seiten der Lehrer, die sich etwa weigern würden, behinderte Kinder zu unterrichten. Das ist Quatsch. Es ist aber kein Quatsch anzuerkennen, dass Lehrer gerade bei geistigen Behinderungen oder Auffälligkeiten auf die Betreuung der Kinder geschult sein müssen. Nicht jeder ist in hohem Alter, vielleich kurz vor der Pensionierung, zu einer solchen Schulung noch willens und in der Lage. Hier die nötigen Sonderpädagogen aus den noch verbliebenen Förderschulen abzuziehen, wie es die Elternvereine in ihrem Brief fordern, würde bedeuten, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Das reiche Land muss sich beide Wege leisten.

(RP)
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