Hilden: Elisabeth Harsewinkel hat eine Menge zu sagen

Hilden : Elisabeth Harsewinkel hat eine Menge zu sagen

Beim Interview-Abend der VHS gibt die erfahrene Kommunalpolitikerin ihr Lebensmotto preis: „Werde nie zum Ja-Sager!“

  Sprachlos und tief beeindruckt waren die Zuhörer des Interview-Abends im evangelischen Gemeindesaal der Reformationskirche über die Schilderungen der Kindheits- und Jugenderlebnisse von Elisabeth Harsewinkel im Nazi-Deutschland. Die Gesprächsreihe mit Hildener Persönlichkeiten zum Thema  „Was ich zu sagen habe“ fand jetzt zum fünften Mal unter der Leitung von Matthias Dohmen statt, organisiert von der VHS Hilden/Haan in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Erwachsenenbildung Hilden.

Die Düsseldorferin Elisabeth Harsewinkel, die viele Jahre lang in Hilden CDU-Stadtverordnete war, begann also die Berichte über ihr Leben mit ihren Erinnerungen an ihre Kinderlandverschickung nach Sachsen im Oktober 1943. Da war sie zehn Jahre alt. Von Heimweh, militärischer Ordnung in Schlafsaal, Unterricht und Küche, von großem Hunger und auch von Repressalien war ihre Kindheit im Lager geprägt. Eindringlich erinnert sich Elisabeth Harsewinkel, dass die Kinder dann, als sie in den letzten Kriegswochen das sächsische Lager verlassen mussten, gezwungen wurden, alle ihre Tagebücher zu verbrennen. Denn „der Russe kommt“, wurde ihnen erklärt. Von April bis Mai 1945 waren die Kinder dann mit ihrer Lehrerin ein Monat lang im Eisenbahnzug unterwegs, bis sie in Aue im Erzgebirge strandeten. Durch verzwickte Umstände erhielten ihre Eltern in Düsseldorf Kenntnis vom Aufenthalt der Tochter. Der Vater holte sie ab und flüchtete mit ihr und anderen Kindern unter abenteuerlichen und lebensbedrohlichen Umständen aus der inzwischen errichteten  Sowjetzone. Sie landeten dann am 14. September 1945 in Düsseldorf, wo die Mutter ihre abgemagerte Tochter endlich in die Arme schließen konnte.

Diese harte Jugend hat Elisabeth Harsewinkel geprägt. „Noch heute muss ich Decken punktgenau auf Ecke falten“, sagt sie. Aber viel wichtiger ist der 85-Jährigen ihr Lebensmotto „Werde nie zum Ja-Sager“, das der Vater ihr mit auf den Lebensweg gegeben hatte. Denn die Eltern waren beide Nazi-Gegner und mussten deshalb im Dritten Reich mit wirtschaftlichen Nachteilen leben. Diese Haltung hat auch die  Ratsfrau Elisabeth Harsewinkel verinnerlicht. „Es gab Leute, die haben mich lieber von hinten als von vorne gesehen“, hat sie erfahren.

Aber was sie in ihrer dreizehnjährigen Amtszeit in der CDU-Fraktion und in verschiedenen Ausschüssen bewirkt hat, ist und bleibt Hildener Bau- und Kulturgeschichte. So geht zum Beispiel das inzwischen denkmalgeschützte „Alte Helmholtz“ auf ihr Konto, denn damals gab es ganz andere Pläne für das alte Schulgebäude. Sie hat den Antrag auf Denkmalschutz gestellt. Dem wurde stattgegeben. „Sehr zum Ärger mancher Mitbürger“, sagt sie. Heute sei man froh und stolz auf das geschichtsträchtige Haus. Auch für das Gebäude der alten Kornbrennerei als Domizil des Fabry-Museums hat sich Elisabeth Harsewinkel zusammen mit Mitstreitern vehement eingesetzt. Den Vorsitz des Museums- und Heimatvereins hat sie übernommen und ganz viel für Hildener Brauchtum und Kultur verwirklicht.

Es gebe aber Dinge in ihrem Leben, an die möchte sie sich nicht mehr erinnern oder sie möchte sie nicht mehr kommentieren. Das müssen die nachfragenden Zuhörer akzeptieren. In Hilden zu Hause fühle sie sich nach all den Jahren, die sie hier verbrachte, sagt Elisabeth Harsewinkel. Aber wirklich Heimat für die immer noch streitbare, aktive und hellwache Bürgerin Harsewinkel ist und bleibt Düsseldorf. „Der Rhein zieht mich immer wieder an“, gesteht sie und berichtet von gelegentlichen Besuchen in Benrath oder auf der Altstadt-Rheinpromenade.

Der nächste Gesprächspartner von Matthias Dohmen wird am Mittwoch, 13. Februar, Walther Enßlin sein, der einst als Chemie-Lehrer am Helmholtz Gymnasium ganze Schüler-Generationen mit seinen Forschungsprojekten fasziniert hat.

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