Haan: Elf neue Stolpersteine

Haan: Elf neue Stolpersteine

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte gestern weitere Messing-Steine. Sie erinnern an die Schicksale von Hildenern, die Opfer des Naziregimes wurden. Jetzt gibt es in Hilden 35 Steine gegen das Vergessen.

Begleitet von Mundharmonika-Klängen und der Melodie des Volkliedes "Die Gedanken sind frei" klopft Gunter Demnig den ersten der elf neuen Stolpersteine vor dem Haus mit der Nummer zwei in der Grabenstraße fest.

Es ist das Geburtshaus von Katharina Gammel (1904-1940), deren Leidensweg über verschiedene Pflegeanstalten schließlich in die Tötungsanstalt Grafeneck führte, wo sie 1940 ermordet wurde. Renate Blum, die selbst auf ihren Rollstuhl angewiesen ist, liest sichtlich bewegt das Wenige vor, was über den Lebensweg der jungen Frau bekannt ist. Katharina Gammel ist eines der drei Hildener Euthanasie-Opfer, an die an diesem Morgen erinnert wird.

Jedem der elf Opfer wird nach der Verlegung des Stolpersteins mit einer kleinen Rede oder einem Gedicht, einer Kerze und weißen Rosen gedacht. "Insgesamt gibt es jetzt 35 Stolpersteine in Hilden", erzählt Anita Ellsiepen, die seit 2004 gemeinsam mit Peter Paul und Karin Marquardt den Arbeitskreis "Stolpersteine" in Hilden leitet. "Das sind wirklich viele Opfer in einer so kleinen Stadt."

Aktionswoche gab den Anstoß

Die Verlegung dieser elf Steine ist in vielerlei Hinsicht besonders: "Es sind erstmals auch Euthanasie-Opfer unter den Betroffenen. Menschen mit Behinderungen oder psychischen Krankheiten wie Katharina Gammel wurden aus ideologischen Gründen von den Nationalsozialisten als ,lebensunfähig' deklariert und ermordet."

An Sponsoren für die zehn mal zwanzig Zentimeter großen Gedenksteine des Künstlers Demnig mangelt es nicht. Das Interesse ist groß. Bis jetzt haben nur Privatpersonen gestiftet. Aber nun sind mit dem Behindertenbeirat Hilden, dem Sozialverband VdK und dem Jugendparlament auch erstmalig drei Organisationen vertreten.

Den Anstoß zu diesen Engagements gab unter anderem die Hildener Aktionswoche "Wir gegen rechts" im November letzten Jahres, an der sich sowohl das Jugendparlament als auch der Behindertenbeirat beteiligten. Das war dann eine recht spontane Entscheidung. Bei einem Treffen mit Anita Ellsiepen kam die Patenschaft für den Stein von Katharina Gammel zustande. Das Jugendparlament stiftete den Stolperstein für Betty Schweriner geb. Kaufmann, die unter anderem in der Mittelstraße 7-9 wohnte.

"Wir haben verschiedene Treffen des Arbeitskreises besucht und wollten gerne bei der Aktion mitmachen", erzählt Maike Beier, die sich seit vier Jahren im Jugendparlament engagiert.

Anita Ellsiepen ist von dieser Idee begeistert: "Für die jungen Menschen sind diese ungeheuren Opferzahlen so unvorstellbar. Da ist ein einzelnes Schicksal in so naher Umgebung eine ganz andere Erfahrung." Der Sozialverband VdK (Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten und Rentner Deutschland) stiftete den Stein von Joseph Krämer, der mit seiner Frau in der Mittelstraße 62 ein Geschäft hatte. Er starb in der Heilanstalt Bendorf, kurz bevor alle Insassen deportiert wurden.

Jede Station war anders

"Ich habe auf der Hauptversammlung im März einen dreiteiligen Film über die Hildener Stolpersteine gezeigt. Daraufhin kam die Frage auf, ob wir nicht auch die Patenschaft für einen Stein übernehmen könnten" erzählt die Vorsitzende Hiltrud Stegmaier, die gleichzeitig ehrenamtlich im Behindertenbeirat aktiv ist.

Anita Ellsiepen, die die Verlegung der Steine in der Hildener Innenstadt koordinierte, zog mit den Teilnehmern ein Fazit: "Jede Station heute war anders und stand für sich . Wir wissen, dass sie die Sache in Ihrem Herzen bewegen."

Hier geht es zur Infostrecke: Stolpersteine in Remscheid

(RP)
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