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Hilden: Elektromobilität: Wie klappt's im Alltag?

Hilden : Elektromobilität: Wie klappt's im Alltag?

Wirtschaftsförderung und Forummühle laden für Dienstag zu Info-Veranstaltung ein. 20 E-Mobile stehen zum Testen bereit.

Elektrofahrräder gehören bereits zum Straßenbild. Von Elektroautos kann man das nicht behaupten – noch nicht. "Elektromobilität ist kein Randthema für Liebhaber mehr, sondern hat sich zu einem Wirtschaftsthema entwickelt", ist der Eindruck von Peter Heinze. Deshalb hat der Wirtschaftsförderer zusammen mit dem Netzwerk Forummühle und Hildener Autohäusern am Dienstag eine Infoveranstaltung über Praxiserfahrungen mit E-Mobilität organisiert. Dabei geht es um Stärken, Schwächen und Kosten des Antriebs mit Strom. Erfahrene Praktiker berichten von ihren Erfahrungen.

Uwe Koenzen beispielsweise ist ein Pionier der Elektromobilität und baut seit mehr als 20 Jahren mit seinem Geschäftspartner Jens Broedersdorff elektrisch angetriebene Fahrzeuge mit echtem Fahrspaß. Das Hildener Unternehmen rüstet klassische Fahrzeuge auf Elektroantrieb um oder baut modere E-Flitzer (Prototypen) auf Bestellung. Drei bis fünf Fahrzeuge will die Firma pro Jahr in ihrer Manufactur bauen. Im vergangenen Jahr haben beide einen Messerschmitt-Kabinenroller mit Alu-Karosserie gebaut. "Der Kunde hat damit bei der Future Car Challenge 2012 in England in allen Kategorien gewonnen", ist der Hildener Unternehmer stolz: "Das zweisitzige Fahrzeug verbrauchte umgerechnet 0,4 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Das sparsamste Auto von VW verbraucht einen Liter." Die Hildener Firma will von dem Kabinenroller eine Kleinserie bauen. Preis pro Fahrzeug: 50 000 bis 60 000 Euro. Die Elektroautos von Koenzen und Broedersdorff sind voll alltagstaulich und haben eine Reichweite von 100 bis 300 Kilometer. Stromkosten: zwischen 1,50 und zwei Euro auf 100 Kilometer. Classic eCars beteiligt sich damit an einem Forschungsprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums. "Wir entwickeln Batterie-Pufferspeicher mit, die lokal erzeugten Strom nutzen, speichern und ins Netz geben können", erläutert Koenzen. Dadurch könnte auch die Reichweite von Elektromobilen erhöht werden.

Bäcker Roland Schüren, soeben zum "Unternehmer des Jahres" im Kreis Mettmann gekürt, ist ebenfalls ein Energie-Pionier. Elektromobilität sei ein Wettbewerbs- und Standortvorteil und perfekt für die Kurz- und Mittelstrecke. "Deshalb fahren wir mit gutem Beispiel voran", erklärt Schüren, der in den meisten Städten des Kreises Filialen unterhält. Er hat einen Teil seiner Fahrzeugflotte auf Elektrofahrzeuge umgestellt, der Rest fährt mit Erdgas. Schüren bietet 14 öffentliche Ladeplätze für E-Mobile, gespeist mit selbst erzeugtem Sonnenstrom und Grünstrom.

Das Familienunternehmen mit 200 Mitarbeitern und 16 Filialen in der Region wurde bereits zwei Mal – 2010 und 2012 – mit dem Nachhaltigkeitspreis "Ecocare" ausgezeichnet – für die drastische Reduktion des Energieeinsatzes und das umweltschonende Mobilitätskonzept. Mit seinem Opel Ampera hat der Unternehmer in einem Jahr bereits 30 000 Kilometer zurückgelegt. "Ich habe noch nie ein Auto gefahren, das so viel Spaß macht", erzählt Schüren. Im Winter koste das Fahrzeug 350 bis 450 Euro im Monat, im Sommer 70 bis 140 Euro. Der höhere Anschaffungspreis habe sich bei ihm bereits nach fünf Jahren amortisiert. "Und es macht wirklich Spaß, ab und zu einen Porsche beim Start an der Ampel stehen zu lassen", gibt der Energie-Pionier zu.

Auch Jörg Heynkes, Inhaber der Firma VillaMedia Eventlocation in Wuppertal, ist ein überzeugter E-Mobilist. Im vergangenen Jahr entwickelte er die Idee "W-EMOBIL 100": 100 Unternehmer in Wuppertal schaffen mindestens ein eigenes Elektromobil an. Nach fünf Monaten hatte er das Ziel erreicht. Wuppertal gilt seitdem als "Hauptstadt der E-Mobilität in Deutschland".

www.rp-online.de/hilden

(RP)