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Hilden: Eins zu null für den Jazz

Hilden : Eins zu null für den Jazz

Trotz der Eröffnung der Fußball-EM am selben Abend war die "International Jazznight" in der Stadthalle gut besucht. Unter dem Motto "World Jazz/Jazz World" feierten Jazzfans die Musik aus aller Welt mit Standing Ovations.

Ein kluger Schachzug. Festivalmacher Peter Baumgärtner hatte die "International Jazznight" vom angestammten Samstag auf Freitag vorverlegt, um eine Überschneidung mit dem ersten Deutschlandspiel der Fußball-Europameisterschaft zu vermeiden. Aber würde dieser Kniff genügen? Immerhin fanden zur selben Zeit die ersten Vorrundenspiele statt. Würde es tatsächlich gelingen, während der Eröffnung der EM die Stadthalle zu füllen? Noch dazu mit einer "Nischenkunst" wie dem Jazz? Es gelang. Und wie!

Baumgärtner bewies eine glückliche Hand bei der Zusammenstellung des Programms. Er holte Musiker nach Hilden, die zuvor noch nie oder nur selten in Deutschland zu hören waren. Sie verstanden es, das Publikum bis tief in die Nacht immer wieder aufs Neue zu überraschen.

Der argentinische Schlagzeuger Oscar Giunta etwa, der bei diesem ersten und exklusiven Gastspiel seines Quintetts in Deutschland die Zuhörer sogleich durch sein warmherziges Auftreten für sich einnahm, spielte neben eigenen Kompositionen auch Thelonious Monks "Rhythm - A - Ning". Das Besondere daran: Er verband diesen Standard des modernen Jazz' mit dem Rhythmus eines argentinischen Volkstanzes, der Chacarera.

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Bögen von Bebop bis Reggae

Der französische Gitarrist Biréli Lagrène, der einst als Wunderkind des Gypsy-Swing bekannt wurde und heute zu den besten Jazzgitarristen der Welt zählt, begrüßte und verabschiedete das Publikum mit swingenden Versionen der allseits bekannten Popsongs "Just The Way You Are" von Billy Joel und "Isn't She Lovely" von Stevie Wonder.

Dazwischen spannte er weite Bögen vom Bebop mit dem durch Charlie Parker bekannt gewordenen Miles-Davis-Stück "Donna Lee" über Klassik mit Django Reinhardts Grieg-Adaption bis hin zu einer Reggae-Version des Jazz-Standards "Stella By Starlight". Lagrène glänzte vor allem im pfiffig-eloquenten musikalischen Dialog mit dem Bassisten Diego Imbert sowie durch hochvirtuose, von Ideen überfließende Soli, die er mit Zitaten anreicherte und durch Slap- und Flageolett-Passagen ausschmückte. Ebenso genial: der Tenor- und Sopransaxofonist Franck Wolf.

Für die größte Überraschung des Abends aber sorgte das neue Projekt des Pianisten Walter Lang. Dem Namen "World Percussion Ensemble" entsprechend, vereint es Perkussionisten aus verschiedenen Erdteilen.

Doch wie sollte es möglich sein, die afrikanische Trommelsprache mit lateinamerikanischen Rhythmen und asiatischer Taiko-Kunst zu verschmelzen? Das Geheimnis waren eingängige Melodien, an europäischer Klassik geschultes Klavierspiel sowie ein groovendes Bass-Fundament. Jeder der Perkussionisten — allesamt auch hervorragende Sänger — bekam sein eigenes Feature: Njamy Sitson aus Kamerun, dessen Stimme mühelos von einem oboenartigen hellen Kopfregister zur dunklen Bruststimme wechselte, oder Marco Lobo aus Brasilien, der mit einer Vielzahl selbst gebauter Instrumente und einem Effektgerät einzelne Sounds zum Klangpanorama des Dschungels übereinanderschichtete. Umjubelter Höhepunkt war die kraftvolle Solo-Performance von Taiko-Meister Takuya Taniguchi aus Japan an der großen Odaiko.

Selten hat eine Konzertnacht so schön gezeigt, wie Musik verbindet. Trommeln sind überall rund, ganz gleich, ob in Afrika, Amerika oder Asien.

(RP)