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Hilden: Einladung zum Dialog

Hilden : Einladung zum Dialog

Mehrere hundert Menschen besuchten die muslimischen Gebetshäuser, um einen Einblick in die Kultur des Islams zu bekommen. Eingeladen hatten die türkische Emir-Sultan-Moschee und die marokkanische Ar-Rahman-Moschee.

Am Eingang zur Ar-Rahman-Moschee an der Telleringstraße stehen mehrere junge Männer und strahlen: "Dürfen wir Ihnen Datteln und ein Glas Milch anbieten?" So heißen Marokkaner liebe Gäste willkommen. Ein paar hundert Besucher werden im Laufe des Mittags auf diese Weise begrüßt. Wie viele es genau sind, weiß niemand, gezählt haben die Gastgeber nicht. Sie freuen sich über das große Interesse, so der Vorsitzende des Vereins islamisch-marokkanisches Kulturzentrum Ar-Rahman-Moschee, Mohamed Bouziani: "Die Kontakte entwickeln sich. Das zeigt, dass wir eine gute gemeinsame Zukunft haben."

Der Verein setzt auf Offenheit und Aufklärung. An den Wänden hängen Poster mit deutschsprachigen Erläuterungen zu Fragen wie "Was ist der Islam und wer sind die Muslime?" oder "Was denken Muslime über Jesus?" Auch die Bücher über islamische Religion und Kultur, die auf Tischen in einer Ecke ausliegen, sind auf Deutsch geschrieben.

Mehrere Mitglieder führen die Besucher durch das Haus und beantworten Fragen, zum Beispiel Said Azmaa, im Verein zuständig für Kinder- und Jugendarbeit und außerdem ordentliches Mitglied des Integrationsrats der Stadt Hilden. "Unser Hauptanliegen ist, dass die Leute uns kennenlernen", erklärt er. Bei Besuchern wie Gisela Wolters kommt das gut an: "Das war für mich das Wichtigste: Dass man in Kontakt kommen konnte und zwar mit normalen Muslimen." "Wir sind ja mit denen aufgewachsen, gemeinsam in die Schule gegangen", sagt Silke König.

Passend zum diesjährigen Thema des Moschee-Tages, islamische Kunst und Kultur, stellt im ersten Obergeschoss die marokkanische Künstlerin Fatima Mesdour ihre farbenprächtigen Bilder aus. Mohamed Bouziani und andere Männer tragen die marokkanische Tracht aus Kaftan und Kappe, und in der Empfangshalle ist eine typische marokkanische Sitzecke mit Orient-Teppich, passenden Sitzkissen und Silbertabletts aufgebaut worden. Außer dem Willkommensgruß aus Datteln und Milch werden marokkanisches Gebäck und Tee gereicht.

Die Gastfreundschaft beeindruckt die Besucher, so zum Beispiel Kai und Stephanie Grubinski: "Es ist ja bekannt, dass Marokkaner sehr gastfreundlich sind. Aber es ist etwas anderes, wenn man es selbst erlebt."

Die Ar-Rahman-Moschee ist erst vor einigen Wochen fertig geworden. Im Juli ist der Verein offiziell eingezogen, nachdem das Bauamt die Genehmigung erteilt hat. Vor einem Jahr durften die Besucher beim Tag der offenen Moschee noch eine Baustelle besichtigen. Einzug und Einweihung mussten wiederholt verschoben werden, weil die Bauarbeiten langsamer voranschritten als geplant. Der Grund: Weil der Bau komplett durch private Spenden finanziert wird, mussten einige Arbeiten in Eigenleistung durch die Vereinsmitglieder erledigt werden — zusätzlich zur täglichen Arbeit. So ganz fertig ist die Moschee noch nicht. Die Kellerräume müssen noch hergerichtet werden. Vereinsvorsitzender Bouziani hofft, dass die offizielle Einweihung im April 2013 gefeiert werden kann.

Nur 100 Meter entfernt, an der Otto-Hahn-Straße, steht die türkische Emir-Sultan-Moschee. Auch hier ist der Andrang groß: Bis zum Mittag haben schon rund 120 Menschen die Moschee besucht, darunter ist auch Eva Bönniger: "Wir leben ja mit Türken zusammen. Sie sind keine Fremden mehr. Wir wollten gerne wissen, wie sie leben."

Im Gebetsraum beantwortet Yunus Karci die Fragen der Gäste, zum Beispiel: Ob die umzäunte Ecke im Gebetsraum für kleine Kinder gedacht sei? Antwort: Nein, dort führen die zwei Gläubigen mit den schönsten Stimmen den Gebetsruf aus.

Aber auch Fragen nach islamisch motivierter Gewalt werden angesprochen und diskutiert. Der Koran fordere nicht zur Gewalt auf, stellt Karci klar.

(entz)