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Weihnachten Der Stern Weist Den Weg: Eine Krippe erzählt viele Geschichten

Weihnachten Der Stern Weist Den Weg : Eine Krippe erzählt viele Geschichten

Sie gilt als die größte im Umland: Die Krippe der Evangelischen Erlöserkirche wächst jährlich um neue Figuren.

Staunend steht die fünfjährige Jillian vor der Wüstenlandschaft. Die Kleine hat noch ein bisschen Zeit. Mit ihrem Großvater Maximilian Rech wartet sie darauf, dass die Übungsstunde ihres Chores im Gemeindehaus beginnt. Bis dahin beobachten die beiden den Aufbau der Krippe in der benachbarten Erlöserkirche. "Sind die echt, die Kaktusse?", fragt Jillian. Pfarrer Joachim Rönsch schmunzelt. Ja, die Kakteen sind echte Pflanzen. Und auch das Kaffeebäumchen, die Feige, die Myrthe und der Olivenbaum. "Jede Pflanze hat ihre eigene Bedeutung", sagt Rönsch und verweist auf die biblischen Zusammenhänge. Diese Krippe kann Geschichten erzählen — ganz ohne Worte.

 So sieht der begehbare Unterbau der Krippe aus. Seine Grundfläche ist in den Vorjahren stark gewachsen.
So sieht der begehbare Unterbau der Krippe aus. Seine Grundfläche ist in den Vorjahren stark gewachsen. Foto: Staschik, Olaf (OLA)

Die Krippe in der Hildener Erlöserkirche gilt als die größte in der Umgebung. Wie in einem Wimmelbild kann der Betrachter seinen Blick von Szene zu Szene schweifen lassen. Er sieht, wie Eva zum Apfel greift. Er schaut Landarbeitern beim Dreschen von Getreide zu und betrachtet einen Bettler, der die Hand nach milden Gaben ausstreckt.

 Umzug vom Keller in die Kirche: In rund 60 Kisten sind Figuren und Zubehör für die Krippe verpackt. Auf einer steht schon der Esel bereit.
Umzug vom Keller in die Kirche: In rund 60 Kisten sind Figuren und Zubehör für die Krippe verpackt. Auf einer steht schon der Esel bereit. Foto: Staschik, Olaf (OLA)

Doch bis die Szenen stehen, müssen viele Stunden Arbeit investiert werden. Seit dem dritten Advent sind Rönsch, Annette Hiemenz und weitere Helfer mit dem Aufbau der Krippe beschäftigt. Zunächst galt es, ein begehbares Gestell aufzubauen und mit Elektrik auszustatten. Auf dem Gestell wurde dann eine Landschaft geformt — mit Stoffen, Steinen, Moos und Tannenzapfen, mit Sand und Rindenmulch, mit Disteln und besagten Kakteen.

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120 Figuren aus Pappmaché bevölkern die Landschaft und stellen die weihnachtliche Geschichte rund um die Geburt Jesu dar. Annette Hiemenz formte jede einzelne dieser Figuren. Im April dieses Jahres absolvierte sie sogar ihre Krippenmeisterprüfung im Allgäu.

Die kleine Jillian schaut auf die Landschaft. "Da ist noch gar nichts los. Da fehlen noch die Männchen!", ruft sie. Recht hat sie. Die stehen schon auf Rollwagen bereit. Römische Soldaten, Engel und Hirten, Maria und Josef, Schafe, Esel, ein Elefant und viele mehr. Sie alle sind bis ins kleinste Detail liebevoll ausgeformt. Der Faltenwurf der Gewänder lässt die Figuren lebensecht und plastisch aussehen. Die ausdrucksvollen, aufgemalten Gesichter dokumentieren tiefe Gefühle.

Annette Hiemenz tritt auf den Rindenmulch, um einen Landarbeiter in die Szene zu setzen. 50 bis 60 Stunden braucht sie dafür, eine einzige Figur anzufertigen, berichtet sie. "Der Küchentisch ist meine Werkstatt", sagt sie lachend. Und die wird jedes Jahr neu aufgebaut. Denn die Krippe wächst. In diesem Jahr beispielsweise um zwei kleine Mäuse, die die Szene im Stall betrachten. In direkter Nähe spielen zwei Katzen und kümmern sich nicht um die Mäuse. "Diese Szene soll den Tierfrieden darstellen", erklärt Pfarrer Rönsch.

Überhaupt verändert sich die Krippe in der Adventszeit immer wieder, wird dem Lauf der biblischen Geschichte angepasst. So gibt es alleine von Maria mehrere Figuren, die sie als Schwangere, als Stillende und fürsorgliche Mutter darstellen, die ihr Kind in der Krippe wiegt. Und der Auftritt der Heiligen Drei Könige steht auch noch bevor.

Annette Hiemenz ordnet Schiefersteine zu einer Treppenstufe. Für die studierte Architektin und Mutter von drei erwachsenen Kindern ist der Aufbau der Krippe wie ein Treffen mit alten Bekannten. "Ich freue mich, meine Figuren wiederzusehen", sagt sie. "Und wenn dann die ganze Krippe so steht, dann setze ich mich in die Bank und schaue. Wenn noch keiner da ist, das ist das Schönste", sagt sie. Kurz vor Heiligabend wird das der Fall sein, wenn das Jesuskind in der Krippe liegt und sanft von Ochs' und Esel beäugt sowie vom Stern angestrahlt wird.

"Bleibt das jetzt immer hier stehen?", fragt die kleine Jillian noch, bevor sie zum Gesangsunterricht geht. Nein, die Krippe ist nur bis zum 19. Januar aufgebaut.

Die Konzertreihe "Musik an der Krippe" gibt Besuchern der Erlöserkirche eine besondere Gelegenheit zum Betrachten der Krippe: Immer sonntags am 29. Dezember, 5., 12. und 19. Januar um 17 Uhr. Es singen und spielen Studierende der Hochschule für Tanz und Musik Köln, Standort Wuppertal, unter der Leitung von Thilo Dahlmann in Zusammenarbeit mit der Kantorei Hilden. Der Eintritt kostet zehn Euro.

(RP)