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Hilden: Eine glückliche Familie

Hilden : Eine glückliche Familie

"Mama" sagt die fünfjährige Lena zu Gisela Wende. Die 49-Jährige ist seit zwei Jahren die Pflegemutter des Mädchens. "Sie ist für uns wie unsere eigene Tochter", erklärt die Hildenerin.

Mitten im Dschungel, so wird sich wohl der kleine Elian (Name geändert) fühlen, wenn er in seinem Bett liegt. Ein Affe hängt an einer Liane, daneben erinnern weitere Figuren an die Geschichte von "Mogli". "Das hat sich Elian so gewünscht", erzählt Gisela Wende. "Also habe ich es ihm an die Wand gemalt."

Seit vier Jahren lebt Elian bei der 49-jährigen Hildenerin und ihrem Mann. Der Achtjährige ist nicht ihr leiblicher Sohn, sondern ein Pflegekind. Genauso wie die fünfjährige Lena (Name ebenfalls geändert). Sie gehört seit zwei Jahren zur Familie.

Das städtische Jugendamt, genauer gesagt: der Pflegekinderdienst, hat die beiden an die Wendes vermittelt, weil sich die jeweiligen leiblichen Eltern nicht adäquat um die Kleinen kümmern können. "Für uns sind sie wie unsere eigenen Kinder", sagt Gisela Wende. "Wir lieben sie sehr."

Lena kommt auf einem Bobbycar zur Tür herein. "Mama, komm mal gucken", sagt sie und zeigt der 49-Jährigen ein Bild, das sie gemalt hat. Gisela Wende nickt anerkennend. Die Anrede "Mama" ist selbstverständlich. "Ich sage den Kindern immer, dass ich die Mama bin, die sie großzieht. Bei der anderen Mama seien sie im Bauch gewesen." Damit könnten die Kleinen gut umgehen.

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Kontakt zu leiblichen Eltern

Denn anders als bei adoptierten Kindern treffen sie ihre leiblichen Eltern nach wie vor einmal im Monat. Städtische Mitarbeiter sind am Anfang und auf Wunsch auch später als Vermittler bei den Gesprächen dabei. "Es ist wichtig, dass leibliche Eltern und Pflegeeltern für einander Verständnis aufbringen", sagt Ute Belz vom Pflegekinderdienst. "Sonst klappt es nicht."

Für Gisela Wende sind diese Treffen kein Problem. "Die Eltern unseres einen Pflegekindes haben uns schon gesagt, dass sie auch gerne als Pflegekinder bei uns leben würden", schmunzelt die Hildenerin. Ihr ist die grundsätzliche Unterstützung durch die Stadtverwaltung sehr wichtig. "Wenn irgendetwas ist, rufe ich bei den Mitarbeitern an und bespreche es mit ihnen. Das gibt mir dann Sicherheit." Dabei sind Elian und Lena gar nicht die ersten Pflegekinder, die die Wendes haben.

Bereits vor 22 Jahren zog der erste Pflegesohn zu ihnen, im Alter von einem halben Jahr. "Erst sollte er nur sechs Wochen bleiben", berichtet Wende. Daraus wurden schließlich 20 Jahre. Vor zwei Jahren zog er aus. "Wir haben aber natürlich weiterhin Kontakt."

Für die drei eigenen — mittlerweile erwachsenen — Kinder, die Gisela Wende und ihr Mann haben, sind die Pflegekinder selbstverständliche Familienmitglieder. "Sie verstehen sich als Brüder und Schwestern", berichten sie. "Und wenn es mal ein Problem gibt, wird der Familienrat einberufen."

Voller Rührung erinnert sich die Hildenerin an die erste Begegnung zwischen ihrem Mann und Lena. Der Funke sei sofort übergesprungen. "Sie hat sich vorgestellt mit: ,Hallo Papa, ich bin die Lena'", erzählt Gisela Wende. Bereut habe sie die Entscheidung, Pflegekinder aufzunehmen, noch zu keinem Zeitpunkt. "Ich würde es jederzeit wieder machen. Was die uns mit ihrer Freude wiedergeben, ist toll."

(RP/rl)