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Hilden: Einblick in die Rechtsmedizin

Hilden : Einblick in die Rechtsmedizin

Das Wilhelm-Fabry-Museum zeigt ab dem 6. Juli die Ausstellung "Vom Tatort ins Labor – Rechtsmediziner decken auf". Wegen des zum Teil drastischen Inhalts wird der Zugang erst ab 16 Jahren gewährt.

Das Wilhelm-Fabry-Museum zeigt ab dem 6. Juli die Ausstellung "Vom Tatort ins Labor — Rechtsmediziner decken auf". Wegen des zum Teil drastischen Inhalts wird der Zugang erst ab 16 Jahren gewährt.

Wenn Professor Karl-Friedrich Börne alias Jan Josef Liefers im Münster-Tatort ermittelt, ist das auf jeden Fall sehr unterhaltsam. Das können echte Rechtsmediziner von ihrer Arbeit nicht behaupten. Mit der Fernseh-Fiktion hat ihre Wirklichkeit nichts zu tun. Das zeigt die Ausstellung "Vom Tatort ins Labor", die das Wilhelm-Fabry-Museum von Freitag kommender Woche präsentiert. Sie verzichtet bewusst auf Schock- und Gruseleffekte. Den zum Teil drastischen Inhalt will Museumsleiter Dr. Wolfgang Antweiler aber Kindern nicht zumuten. Deshalb gilt: Eintritt erst ab 16 Jahren.

Konzipiert hat die Schau über den Arbeitsalltag von Rechtsmediziner Professor Michael Tsokos, Leiter der beiden rechtsmedizinischen Institute in Berlin, mit Präparatorin Navena Widulin vom Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité. Sie hat die Ausstellung auf die räumlichen Verhältnisse in Hilden angepasst: "In Berlin hatten wir 450 Quadratmeter zur Verfügung, in Hilden 130."

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An der ersten Station erwartet die Besucher ein Tatort. Eine 78-jährige Seniorin ist in ihrer Wohnung von Trickdieben niedergeschlagen worden und daran gestorben. Je länger man stehen bleibt, um so mehr Details kann man in der Szenerie entdecken. Im zweiten Raum wird die Arbeit des Rechtsmediziners mit Objekten erläutert. Bei unnatürlichen und gewissen Todesursachen ordnet ein Richter eine Sektion an. Bei der inneren Leichenschau öffnen stets zwei Ärzte (Vier-Augen-Prinzip) alle Körperhöhlen und entnehmen Proben. "Der Rechtsmediziner ist Sachverständiger für das Gericht", erläutert Widulin. "Deshalb gebraucht er vor Gericht keine lateinischen Fachbegriffe, sondern spricht Deutsch — damit ihn jeder versteht."

An der dritten Station geht es um nicht-natürliche Todesarten wie Erhängen, scharfe Gewalt, Schussverletzungen, Vergiftung oder Stromschlag, die dem Rechtsmediziner im Alltag häufig begegnen. Für jede dieser Todesursachen gibt es einen speziellen Fall. In einem Schrank daneben finden sich Objekte und Befunde, zum Teil auch echte Feuchtpräparate, oder so genannte Wachsmoulagen. Moulagen sind Abformungen erkrankter Körperteile. Sie sind zum Teil realistischer als Farbfotografien. Das wird den einen oder Besucher sicher schlucken lassen.

Hilden ist die fünfte Station der Ausstellung. In Berlin zog sie knapp 80 000 Besucher an. Der Erfolg hat die Ausstellungsmacher selbst überrascht. Tsokos will einem breiten Publikum ein klares Bild vermitteln. "Unser Arbeitsalltag ist wesentlich facettenreicher als der unserer Fernsehkollegen", schreibt er im Ausstellungskatalog. Der ist 170 Seiten stark, sehr gut gemacht und sehr informativ — und zeigt zum Teil heftige Bilder. Fotograf Patrik Budenz hat den Arbeitsalltag der Rechtsmediziner dokumentiert.

(RP/rl)