Fastenzeit Weniger Ist Mehr (4): Ein Gaumenschmaus ganz ohne Fleisch

Fastenzeit Weniger Ist Mehr (4) : Ein Gaumenschmaus ganz ohne Fleisch

Der Weltladen Gruiten richtet vor Ostern drei Kochabende aus. Auf den Tisch kommen vegetarische oder vegane Gerichte.

Gut abgedeckt steht der Topf auf dem Zweiplattenkocher, die Lauchzwiebeln, der Knoblauch und die Gemüsebrühe darin geben gerade dem Couscous den nötigen Pep. Auf der Arbeitsfläche daneben steht bereits eine Schüssel mit Tomaten- und Gurkenstücken bereit, dazu gehackte Petersilie und Minze, eine zerkleinerte Chilischote und frisch gepresster Zitronensaft. Der Anblick macht Appetit, der Duft tut sein Übriges. "Wie lange dauert es noch, bis ihr fertig seid?", fragt Christa Borth, die zwischen den einzelnen Gruppen und ihren "Kochinseln" in der Cafeteria des Elisabeth-Strub-Hauses hin- und hergeht. Zwei, drei Minuten braucht der Couscous noch, dann kann angerichtet werden.

Zur Fastenzeit auf etwas zu verzichten, ist Sinn der Sache. Gemeinsam zu verzichten, macht es leichter. Vor diesem Hintergrund haben sich an diesem Abend zwölf Menschen in Gruiten eingefunden, die zusammen kochen und sich im Verzicht üben wollen — im Verzicht auf Fleisch. An diesem Abend wird es jedoch zum Glück reichlich Alternativen geben, um die Geschmacksnerven zu kitzeln.

Auf einem Tisch in der Mitte des Raums haben Christa Borth und ihre Mitstreiterin Caroline Hindemith aus dem Weltladen eine ganze Reihe exotischer Grundnahrungsmittel mitgebracht: rote Linsen aus dem Libanon, Basmati-Reis aus Indien, Babyfeigen aus Usbekistan, Pinienkerne aus Pakistan, Olivenöl aus Palästina. Dazu kommen Rohrzucker aus Equador, Kardamon, Zimt, Kreuzkümmel und Pfeffer aus Sri Lanka. Die Zutaten lassen eine lukullische Weltreise erwarten.

Nachdem die Rezepte aus- und die Gruppen eingeteilt sind, machen sich die Hobbyköche ans Werk. Die Spüle wird umgehend belagert, denn die frischen Lebensmittel, die Christa Borth in einem marokkanischen Laden in Vohwinkel gekauft hat, müssen geputzt werden. Hanno Bösterling ist einer von nur zwei Herren in der Runde, wäscht sich jetzt gewissenhaft die Hände, nachdem er eine farbenfrohe Schürze angelegt hat. Er kümmert sich mit seiner Gruppe um die orientalische Mahlzeit Pilaw, ein mit Gewürzen verfeinertes Reisgericht mit Sultaninen und Cashewkernen. "Ich habe noch nie davon gehört, bin aber neugierig, es mal zu probieren", sagt er und studiert das Rezept.

Die Stimmung zur Halbzeit ist blendend: An den Kochinseln wird gescherzt und erzählt; die Teilnehmer schnippeln, hacken, rühren und schmecken ab — genügend Zeit für eine Tasse Zitronengrastee zwischendurch bleibt dennoch. Christa Borth ist zufrieden: "Das sieht doch alles schon sehr gut aus", lobt sie und erinnert daran, dass der Tisch noch gedeckt werden muss.

Nach etwas mehr als einer Stunde ist das Vier-Gänge-Menü fertig. Am Esstisch herrscht fast schon feierliche Stimmung. Christa Borth erinnert an den ersten Kochabend des Weltladens, der vergangenes Jahr noch in privater Umgebung stattfand. Die Teilnehmer stoßen mit fair gehandeltem Roséwein aus Südafrika an und wünschen sich "Guten Appetit!"

Das Fazit fällt positiv aus: Der Couscous-Salat schmeckt erfrischend, das für mitteleuropäische Gaumen eher ungewöhnliche Pilaw punktet mit Safran und Sultaninen, das indische Dal mit Koriander-Baghar ist deutlich weniger scharf als im Ursprungsland und harmoniert sehr gut mit Maisbrot, und der türkische Feigenjoghurt mit Honig ist ein verführerischer Abschluss.

Ob jemand am Tisch etwas vermisst hat, fragt Christa Borth in die Runde. Alle sind sich einig: Nein, hier fehlt nichts. Es muss nicht immer Fleisch sein. "Die Gerichte sind der Beweis dafür, dass es auch ohne geht und was sich Tolles aus den Lebensmitteln im Weltladen zaubern lässt", bilanzieren Christa Borth und Caroline Hindemith. Letztere verrät, dass sie beim nächsten Mal den Akzent auf die vietnamesische Küche legen wird. Was beim dritten Kochabend zubereitet wird, steht noch nicht fest.

Was dagegen feststeht, ist der letzte Gang dieses Abends: Er führt die Teilnehmer nochmals in die Küche — zum gemeinsamen Abwasch.

(RP)
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