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Hilden: Ein Elektro-Fahrrad für 800 Mitarbeiter

Hilden : Ein Elektro-Fahrrad für 800 Mitarbeiter

Gut gemeint: Die Verwaltung bekommt auf Beschluss der Politik jetzt ein Elektrofahrrad. Kritiker fragen nach dem Sinn.

Die Stadt soll für Außentermine ihrer Mitarbeiter vier Elektrofahrräder anschaffen, beantragten die Grünen im Stadtentwicklungsausschuss. "Hilden ist eine Stadt der kurzen Wege", begründete Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Bartel: "Wenn die Mitarbeiter mit einem Pedelec statt mit dem Pkw fahren, ist das ein Beitrag zum Klimaschutz." Für diesen Antrag fanden die Grünen aber keine Mehrheit. Vielen Fraktionen waren die Anschaffungskosten von 10 000 Euro zu hoch. SPD, CDU und FDP beschlossen schließlich mit Mehrheit, nur ein Pedelec anzuschaffen. Eine Entscheidung, mit der niemand so recht glücklich zu sein scheint.

"Mit einem einzigen Pedelec kann man doch keine Alltagserfahrungen sammeln", kritisiert Bartel. Mit den Elektro-Diensträdern habe man einen Anstoß geben wollen: "Wir haben den Eindruck, dass die Verwaltung zu vorsichtig ist. Man muss den Mitarbeitern den Umstieg auf das Pedelec schmackhaft machen." Er weiß von einer Untersuchung, nach der ein Großteil der Mitarbeiter der Stadtverwaltung morgens und abends bis zu fünf Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen. Das sei eine "ideale Entfernung" für das umweltfreundliche Fahrrad, findet auch Grünen-Geschäftsführerin Marianne Münnich.

Obwohl Hilden über ein kompaktes Stadtgebiet verfügt und ideale Bedingungen für Radfahrer bietet (flache Topographie, Radwegenetz), gibt es in der Stadtverwaltung bislang keine Diensträder, jedenfalls nicht offiziell, sagt der Fahrrad-Experte im Rathaus, Lutz Groll vom Planungsamt, der fast alles mit dem Fahrrad erledigt. Es gebe zwei Fundräder für den Dienstgebrauch, die aber kaum genutzt werden. Wo das Elektrorad stationiert wird und wer es nutzen darf — diese Fragen seien noch offen.

Bürgermeister Horst Thiele wollte das Thema "Elektro-Diensträder" anders angehen. Er hatte mit Stadtwerke-Chef Hans-Ullrich Schneider verabredet, dass der kommunale Versorger seine vier Pedelecs einige Wochen an die Stadtverwaltung ausleiht: "Wir wollten so testen, wie die Pedelecs von den Mitarbeitern angenommen werden. Eine Entscheidung gegen ihre Wünsche zu treffen, ist kontraproduktiv." Auch wenn es noch keine offiziellen Dienstfahrräder im Rathaus gibt — eine Pauschale für den Einsatz von privaten Drahteseln für Dienstfahrten gibt es schon, ähnlich wie für Pkw. Wer sich dienstlich auf dem Fahrrad abstrampelt, erhält eine Pauschale um die 16 Euro im Monat. Er fahre auch gerne Rad, sagte der Bürgermeister: "Aber nur im Sommer."

Auch die Stadtwerke Hilden erproben den Einsatz von Elektrofahrrädern. Den rund 150 Mitarbeitern stehen seit einigen Monaten vier Pedelecs zur Verfügung. "Das Interesse ist groß", berichtet Stadtwerke-Sprecherin Sabine Müller. Sie geht davon aus, dass die E-Bikes ab Frühjahr häufig im Einsatz sind.

Weiter befördern könnte das Radeln mit Rückenwind auch eine neue Elektrotankstelle für Pedelecs, die die Stadtwerke am Warrington-Platz planen. Wann sie genau in Betrieb geht, sei noch offen.

Die Grünen jedenfalls wollen das Thema Elektromobilität in Hilden weiterverfolgen. Auf ihren Antrag hin soll die Verwaltung Carsharing-Unternehmen ansprechen, ob sie ihre Leihwagen auch in Hilden anbieten wollen und Erfahrungen auf diesem Gebiet von anderen Kreis-Städten abfragen.

(RP/rl)