1. NRW
  2. Städte
  3. Hilden

Hilden: Ein Blick in: Horst Thieles Gewürzschrank

Hilden : Ein Blick in: Horst Thieles Gewürzschrank

In einer neuen Serie schaut die RP Prominenten über die Schulter – und in deren Taschen, Schränke, Autos.

In einer neuen Serie schaut die RP Prominenten über die Schulter — und in deren Taschen, Schränke, Autos.

Erster Bürger der Stadt ist Horst Thiele per Wahl. Dass er freiwillig der Chef-Koch seiner Familie ist, mag angesichts diverser öffentlicher Verpflichtungen verwundern. Der meist fotografierte Mann Hildens hat einen Bauch und fährt einen Van mit Stern.

Thiele hat sich beides verdient. In Eigenleistung. Im Reihenendhaus im Hildener Süden. Als Familienvater und Gastgeber. In seiner knapp Acht-Quadratmeter-Küche, die zwar klein ist, dafür aber ziemlich neu, nämlich erst zwei Jahre alt. "Meine Frau hat hier nicht viel zu tun, aber sie eingerichtet."

Weiße, schlichte Lackfronten, dunkelgraue, funktionale Kunststoff-Arbeitsflächen, eine Prise Kachel-Rot an den Wänden. Ergänzt durch einen pflegeleichten Laminat-Boden, der sich auch durch das Wohn-Esszimmer zieht, damit der Bürgermeister an einem (ausziehbaren) Tisch bis zu 18 (!) Personen mit einem Sieben-Gänge-Menü (!) verwöhnen kann. Bella, die bildschöne, schwarze Berner-Senner-Schäferhündin, fühlt sich hier auch pudelwohl.

Fast quadratisch, praktisch, gut — für Thiele ist die Küche ein "Ort der Entspannung". Es gibt keinen High-Tech-Schnick-Schnack zu bewundern, dafür ein Quartett von elektrischen Küchenhelfern von Thermo-Mix bis Eismaschine, die verraten, dass hier viele Jahre eine vielköpfige Familie verpflegt wurde.

Für Ehefrau Elke "war kochen nie ein Thema". Vier Kinder, die heute alle erwachsen sind, sechs Enkel, eigene Berufstätigkeit und ihr Einsatz als SPD-Kreistagsabgeordnete haben in der 1981 geschlossenen Thiele-Ehe schon früh Verantwortlichkeiten an den Mann gebracht, der "so gerne kocht, weil meine Mutter das nicht so gut konnte". Der Sechzigjährige begeisterte sich schon als Teenager fürs Brutzeln — "als Pizza noch nicht in aller Munde war". Pfeffer, Salz und Paprika waren nach eigenem Bekunden bedauerlicherweise "die einzigen Gewürze, die meine Mutter kannte", erklärt der geborene Leibziger, der 1963 nach Hilden zog.

Mit Stolz präsentiert er seine selbstgemischten Currys und diverse Öle und Essige feinster Art im ausziehbaren Apotheker-Schrank. Außer einem Satz sehr scharfer Messer "und ganz normalen Töpfen" leistet sich Thiele keine Extravaganzen. Dafür werden bei ihm auch die Vegetarier in der Familie verwöhnt, beispielsweise mit köstlichen "Sellerie-Schnitzeln", die er kurz kocht, paniert und dann in der Pfanne brät.

In Blätterteig Gebackenes aus dem Ofen wie Spinat mit Ziegenkäse zählt ebenfalls zu seinen Spezialitäten. "Die Steaks meines Mannes (nach Niedergarmethode) sind sowieso legendär", lobt die Gattin, die bei Einladungen für die Tischdekoration und den Getränke-Service zuständig ist. Den Einkauf von Lebensmitteln erledigt das Stadtoberhaupt — wie es sich für einen guten Koch gehört — möglichst selbst.

Ungewöhnlich für kochende Männer: Der Abwasch zwischendurch und hinterher gehört ebenfalls in seine Zuständigkeit.

Falls es dann noch ganz schnell gehen muss am heimischen Herd zieht der Chef des Hildener Rathauses mit Bilderbuch-Karriere (vom Verwaltungslehrling zum Bürgermeister) und bekennende Sozialdemokrat einfach seine gelbe Plastikschürze über Schlips und Kragen.

(RP/ac)