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Ehrenamtlerin Ursula Backhaus

Hilden : „Bastelkönigin“ ging bei Adenauer ein und aus

Ursula Backhaus war Sekretärin bei der FAZ in Bonn und lernte durch ihre Tante schon früh die Altenpflege kennen. Jetzt arbeitet sie ehrenamtlich.

Ursula Backhaus ist gerade 79 geworden und kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Die deutlich jünger wirkende Frau hat elf Jahre lang mit den Bewohnern des Wohn- und Pflegezentrums Hilden (WPZ) gebastelt und bunte Vormittage angeboten. „Man hat mich die Bastelkönigin genannt“, sagt sie lachend.

Backhaus war vor ihrer Ehe Sekretärin bei der FAZ in Bonn. Sie erzählt: „Die Redaktionen hatten ihre Büros  gegenüber vom Bundeshaus, und die Redakteure liefen von einem Termin zum anderen. Zwischendurch diktierten sie mir ihre Texte, die ich dann per Lochstreifen nach Frankfurt weitergeleitet habe. Ich war regelmäßig im Bundeshaus und habe den Alten getroffen. Der fragte schon mal: Na Mädels, was gibt es bei euch in der Kantine?  - Königsberger Klopse? Da komme ich gleich mal rüber. – Der war so natürlich, der Adenauer.“ Backhaus war damals Anfang 20.

Fünf Jahre später war sie verheiratet und zog mit ihrem Mann Albert, einem Sachbearbeiter bei der Polizei, von Bonn nach Hilden. Als Hausfrau mit zwei kleinen Kindern fühlte sie sich in den ersten Jahren „sehr einsam“. Zum  Glück konnte sie ihre Tante Elsbeth (Frank) regelmäßig besuchen: „Die war Oberin im Seniorenzentrum, eine Diakonisse aus Kaiserswerth, und ich ging dort mit den Kindern ein und aus. Ich habe mit denen am Teich gespielt und ganz viele Kontakte geknüpft.“ Nebenbei stellte sie fest, wie wohl sie sich bei den Senioren fühlte. Der Grundstein für ihr späteres ehrenamtliches Engagement war gelegt.

Ursula Backhaus und Adenauer um 1960. Damals war sie Sekretärin der FAZ und ging im Bundeshaus ein und aus. Foto: Backhaus/Privat

In den 70ern trainierte ihr Sohn Sven beim VfB Hilden, sie nahm eine Stelle als Sekretärin in Düsseldorf an und engagierte sich ehrenamtlich im Verein. Aus den 80ern gibt es ein Foto von Ursula Backhaus mit Dauerwelle, Zigarette und coolem Blick: „Sven war damals Profi bei der Fortuna und ich die erste weibliche Geschäftsführerin des VfB Hilden – ehrenamtlich.“

Mit 60 ging sie in Rente und engagierte ich weiter ehrenamtlich im Seniorenbereich: „Ich wollte meine Fröhlichkeit an andere weitergehen“, sagt Backhaus, die letzten Endes auch viel zurück bekommen hat: „2009 wurde ich Krebspatientin. Damals habe ich viel geweint, da haben mich die Leute hier wieder aufgebaut.“

Die ehrenamtliche Helferin sorgte dafür, dass ihr Mann sich auch engagierte – er half bei den Festen aus, grillte und war Begleiter bei Ausflügen. Ursula Backhaus bot an ihren bunten Vormittagen viel Gedächtnistraining an: Da wurde zum Beispiel geklärt, was alles grün ist, was die Leute früher gemacht haben und vieles mehr.

Betreuungsfachkraft Alexandra Kunz ist begeistert von der Ehrenamtlerin: „Sie ist eine echte Bereicherung – so lebendig und positiv und sie kann so gut umgehen mit den Bewohnern. Da wird gelacht, aber sie hat immer Respekt vor den Leuten und nimmt ihre Arbeit hier sehr ernst.“ An diesem Vormittag berät sie nebenbei Hugo Baum. Der 91-Jährige sagt hinterher: „Das Personal ist hier wie im 5-Sterne-Hotel“ – nicht wissend, dass er es mit einer Ehrenamtlerin zu tun hat. Inzwischen tritt Backhaus etwas kürzer: „Nach elf Jahren sollen das mal andere machen. Ich bin jetzt Delegierte des Hauses im Seniorenbeirat, gehe mit den Bewohnern zum Tanzen in die Stadthalle, und einmal im Monat biete ich den Abendtreff an.“

Das Ehepaar Backhaus hat sich bereits vorsorglich im WBZ angemeldet. „Wenn wir mal dement oder pflegebedürftig werden sollten – das wollen wir unseren Kindern nicht zumuten“, sagt die fitte Seniorin.