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Drogenszene in Hilden gilt als unauffällig

Hilden : „Der Drogenhandel findet im Privaten statt“

Der Leiter der Suchthilfe der SPE Mühle, Manfred Kindor, spricht über die Szene in Hilden und die für viele Menschen wichtige Arbeit seines Teams. „Der größte Teil unserer Klienten ist alkoholabhängig“, sagt er. Es gibt aber noch viele andere Süchte.

Rund 1400 Menschen sind im vergangenen Jahr deutschlandweit am Konsum harter Drogen gestorben. Diese Zahl wäre deutlich höher, wenn auch verstorbene Alkohol- und Tabak-Süchtige dazu gezählt werden würden. Am 26. Juni ist internationaler Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr, kurz Weltdrogentag. Aus diesem Anlass haben wir mit Manfred Kindor, dem Leiter der Suchthilfe der SPE Mühle, gesprochen.

Gibt es in Hilden eigentlich eine Drogenszene?

Kindor Eine dauerhafte, offene Drogenszene gibt es in Hilden nicht. Der Handel mit Drogen wie Cannabis, Amphetamine, Extasy und Kokain findet nach unserer Kenntnis weit überwiegend in der privaten Umgebung der Süchtigen statt. Substanzen wie Heroin, Substitutionsmittel und Hypnotika werden in der Regel in Düsseldorf besorgt. Das schließt nicht aus, dass an wechselnden Orten in Hilden zeitweise Substanzen gehandelt und konsumiert werden – das geschieht dann aber eher spontan. Insbesondere in der Jugendberatung und Prävention haben wir ein Augenmerk auf dieses Geschehen und verfügen über gute Kooperationen mit den Jugendfreizeiteinrichtungen, Jugendförderung, Allgemeiner Sozialer Dienst, Schulsozialarbeit sowie den Streetworkern der Stadt Hilden. Durch diese Vernetzung erreichen wir die betroffenen Jugendlichen aus unterschiedlichen konsumbezogenen Kontexten und senken für die Betroffenen die Schwelle zur Annahme unserer Angebote in der Suchthilfe Hilden.

Wie sieht Ihre Arbeit aus?

Kindor Grundsätzlich beraten und behandeln wir Menschen mit allen möglichen Arten von Süchten, beispielsweise Alkohol-, Medikamenten-, illegale Drogenabhängigkeit, Glücksspiel, Mediensucht sowie weitere, nicht stoffgebundene Süchte. Der größte Teil unserer Klienten ist alkoholabhängig (34 Prozent) gefolgt von Cannabisabhängigkeit (15 Prozent). Opiatabhängige (9 Prozent) sind in der Regel langjährig mit einer Ersatzdroge substituiert und in Arztpraxen und Ambulanzen angebunden. Für diese Gruppe übernehmen wir die sogenannte psychosoziale Betreuung. Stimulanzien- und Kokainabhängigkeit (2 Prozent) spielen eine untergeordnete Rolle. Stoffungebundene Süchte wie exzessive Mediennutzung (1 Prozent) und Spielsucht (4 Prozent) sind ebenfalls sehr gering ausgeprägt.

Wie erreichen Sie Ihre Klienten und wie sieht die Hilfe aus?

Kindor In der Regel kommen die Klienten – das sind die Betroffenen selbst, aber auch Angehörige und weitere Bezugspersonen – über unsere wöchentlichen Sprechstunden auf uns zu und erhalten dann bei einem Berater regelmäßige Beratungs- oder Behandlungstermine. Gegebenenfalls werden die Klienten auch in weitere Angebote vermittelt wie Substitution, Entwöhnungsbehandlung, Entgiftung, Selbsthilfegruppen, Suchtambulanz der LVR-Klinik Langenfeld. Die Beratungs- und Behandlungszeiträume sind zum Teil langfristig angelegt und werden den aktuellen Lebensumständen der Klienten angepasst. Die Beratung und Behandlung ist für die Klienten kostenlos und unterliegt der Schweigepflicht.

Wie beurteilen Sie die Fortschritte in den vergangenen Jahren?

Kindor Eigentlich recht gut. Wir sind Teil eines kreisweiten Suchthilfesystems und legen großen Wert auf gute Kooperation auf Stadt-, Kreis- und Landesebene. In diesem Sinne konnten wir das Niveau unserer Angebote in den letzten Jahren jeweils den wechselnden Bedürfnissen unserer Klienten anpassen. Wir legen Wert darauf, für jeden Klienten ein adäquates Angebot vorzuhalten, dass sich an deren Lebenswelt orientiert. Bei Menschen, die von illegalen Substanzen abhängig sind, liegen häufig mehrere Problemlagen vor – beispielsweise rechtlich, sozial, medizinisch und wirtschaftlich – die wir in unsere Arbeit mit einbeziehen. Durch die Finanzierung von Suchtprävention, Beratung und Betreuung suchtmittelgefährdeter und -konsumierender Kinder, Jugendlicher, junger Erwachsener und deren Betreuungspersonen leistet die Stadt Hilden im Vergleich mit anderen Städten des Kreis Mettmann einen herausragenden Beitrag im Feld der Suchtkrankenhilfe.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Kindor Wir wünschen uns von unseren Kostenträgern die Aufrechterhaltung der Finanzierung unserer Angebote für eine langfristige Planungssicherheit, um den Bedarfen der Klienten auch weiterhin gerecht werden zu können.