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Dreimal K in H – Kunst, Kultur und Karneval in Hilden

Netzwerken : Dreimal K – Kunst, Kultur und Karneval

In einer ehemaligen Bank am Nove-Mesto-Platz treffen sich Hildener, um bei einem lockeren Beisammensein zu netzwerken.

Großer Bahnhof in der ehemaligen Bank am Nove-Mesto-Platz. Wenn Karin und Michael Deprez zu einem lockeren Beisammensein in karnevalistischen Zeiten einladen, treffen sich offenbar viele Menschen gerne am Stehtisch. Ganz nach dem vom Gastgeber selbstgewählten Motto: „Stehung statt Sitzung“. Dreimal ein großes „K“ für „Kunst-Kultur-Karneval“ schreibt das stadtbekannte Ehepaar auf seine Einladung. Künstler, Kulturschaffende und Karnevalisten sollen sich zusammen amüsieren. Und das haben über 100 Gäste am vergangenen Wochenende denn auch getan. Schon zum dritten Mal herrschte in den verwaisten Räumen der ehemaligen Dresdner Bank beste Stimmung. Wo früher Bank-Counter, Computer und Schreibtische standen, herrscht heute ein eher „cooles“ Ambiente, das von Staffeleien, Leinwand und Farb-Paletten geprägt ist. Kein Wunder, dass der Gastgeber statt traditionellem „Itter, Itter, Helau“ zum unkonventionellen „Pinsel – Strich!“ als Gruß aufrief. Angesichts der Galerie-Situation und der vielen, großformatigen Bilder, die seine Frau Karin und ihre malenden Mitstreiterinnen, Isa Oberschür, Monika Godo und Marianne Friemauth seit drei Jahren hier schaffen und ausstellen, durfte dieser Gruß auch als Kompliment gelten. Die Drepez waren zauberhafte Gastgeber: Musik und persönliche Moderation, ein üppiges Büffet (von den Damen selbst gemacht), Bier und Sekt und Saft wurden gereicht, dazu noch originelle, selbstgemalte Orden verteilt. Die bekamen neben Bürgermeisterin Birgit Alkenings (die übrigens ein absoluter Hingucker im Charleston-Look war) unter anderem auch Deprezs CDU-Kollegin Marion Buschmann. Auch der neue Bürgermeisterkandidat, Claus Pommer, war eingeladen. So gab der Abend viel Gelegenheit zur Kommunikation – nicht nur über Kunst: Die neue Museumsbeauftragte, Sandra Abend, berichtete über verdoppelte Besucherzahlen im Fabry-Museum, die besonders durch die auch von vielen Schulen beachtete Goya-Ausstellung bedingt waren. Zum Thema Museums-Erweiterung werde es in Zukunft bestimmt noch viel Gesprächsbedarf geben, äußerte sich Nicole Anfang, Vorsitzende des Museums-und Heimatverein „Unser Hilden“.

Es hätte in der Vergangenheit schon konkrete Pläne von Architekten gegeben. In den von der „Vonovia“- Immobilien kostenlos zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten (insgesamt 600 Quadratmeter) konnte aktuell viel großflächige Malerei an den Wänden bewundert werden. Und dazwischen fanden die Karnevalisten viel Platz für tolle Auftritte. Verwaiste Gebäude, schmutzige Eingänge, blinde Fenster sind im Hildener Stadtbild unschön. Also könnte Kunst im Schaufenster doch das Bild verbessern. In Karin Deprez, fand sich eine engagierte Frau und Künstlerin, die bereit war, ihre Werke in verlassenen Geschäftsräumen auszustellen. Im Jahr 2013 erstmalig in Altbauten an der Schulstraße. Wo heute unter anderem die Redaktionsräume der Rheinische Post in einem schicken Neubau untergebracht sind,  „musste damals erst einmal ordentlich geputzt werden“, erzählt Deprez. Danach habe sie die alte Pommesbude und den Musikladen mit ihren Bildern bestückt. Die brauchten weder Heizung noch Strom, vermittelten aber einen besseren Eindruck für die Passanten. Den anliegenden Geschäftsleuten konnte das nur recht sein. Deshalb sponserten sie auch eine Malaktion für Kinder anlässlich des Weihnachtsmarktes. Miete musste nicht gezahlt werden. „Wir wollen nichts für dieses Engagement. Andererseits können wir aber auch nichts zurückgeben“, erklärt Michael Deprez die Win-Win-Situation, die auch das Stadtmarketing und städtische Vertreter zu schätzen wissen. Deprez ist zwar nicht in Hilden geboren sondern 1949 in Angermund. Dennoch darf man ihn wohl getrost als hiesiges „Urgestein“ bezeichnen. Er kam durch die Bundeswehr an die Itter. Arbeitete  als Produktmanager und war viel im Ausland unterwegs. Der 71-Jährige ist CDU-Ratsmitglied, unter anderem Aufsichtsrat der Seniorendienste und schon seit Jahrzehnten den Kniebachschiffern karnevalistisch verbunden. Als wirtschaftstechnischer Betriebsleiter ist er immer noch drei Mal in der Woche aktiv. Ehefrau Karin stammt aus Mecklenburg-Vorpommern und machte sich als Friseurmeisterin vor über 25 Jahren mit einem eigenen Salon an der Kirchhofstraße selbstständig. Weil der Gatte in früheren Jahren so viel auf Reisen war, hatte sie Zeit, sich auf die Malerei zu konzentrieren. „Bei uns sind auch andere Künstler willkommen.“

Miete muss nicht gezahlt werden. Das einzige Risiko: „Wenn die Räume vermietet werden, müssen wir in vier Wochen raus sein.“

Kontakt: k.deprez@unitybox.de

Uli Schmidt