Hilden: Dorotheenpark plant Demenz-Quartier

Hilden: Dorotheenpark plant Demenz-Quartier

Die Graf-Recke-Stiftung will im Hildener Westen ein Vorzeige-Konzept für die Betreuung von Demenz-Schwerkranken verwirklichen. Sie sollen in einem eigenen "Stadtteil" gleichermaßen geschützt und möglichst frei leben.

Die Graf-Recke-Stiftung hat im Hildener Westen große Pläne. Das Altenkrankenheim "Haus Ahorn" mit 119 Plätzen soll zu einem eigenen "Quartier" im Quartier umgebaut werden. Pfarrer Ulrich Lilie, Theologischer Vorstand der Stiftung, sprach von einem "Modellprojekt für ganz Deutschland". Drei Architekturbüros seien aufgefordert worden, Entwürfe vorzulegen. Anfang nächsten Jahres soll dann entschieden werden, was wann und wie gebaut wird. Wie teuer das ehrgeizige Vorhaben wird, konnte Finanzvorstand Petra Skodzig noch nicht sagen. Fest steht nur: Einige Millionen Euro wird das "Demenzquartier" im "Quartier" mit Sicherheit kosten.

Bürgermeister Host Thiele hat die Unterstützung der Stadt Hilden zugesagt. Denn bevor die Bagger anrollen, sind noch einige planungsrechtliche Hürden zu überwinden. Der Dorotheenpark ist ein Sondergebiet. Die Stiftung möchte dort auch Wohnungen für Mitarbeiter und Angehörige errichten. Das ist in einem Sondergebiet aber ausgeschlossen. Dadurch soll verhindert werden, dass die Bezieher der Wohnungen sich später durch die Sondernutzung "belästigt" fühlen und gegen diese rechtlich vorgehen. "Wir werden gemeinsam mit dem Ministerium eine Lösung finden", war Thiele optimistisch.

Die Graf-Recke-Stiftung übernahm 2004 das vor der Insolvenz stehende Dorotheenheim mitsamt alten Gebäuden. Einige wie das Hochhaus an der Horster Allee und ein Schwesternheim wurden bereits abgerissen. 2010 erstellte das Architekturbüro Schrammen einen Entwicklungsplan für die beiden wichtigsten Standorte der Stiftung in Hilden und in Düsseldorf-Wittlaer. Nach dem, was der Stiftungsvorstand jetzt präsentierte, scheinen diese Pläne zumindest in Teilen überholt zu sein.

Das weitläufige parkartige Areal an der Horster Allee soll komplett überplant werden, erläuterte Lilie. Das Altenkrankenheim "Haus Ahorn" ist die einzige geschlossene Einrichtung dieser Art im Kreis Mettmann. Dort werden DemenzSchwerkranke auf richterliche Anordnung eingewiesen, wenn die Patienten sich und andere gefährden und von anderen Senioreneinrichtungen nicht mehr betreut werden können.

  • Kommentar : Mutiges Modellprojekt

Dieses geschlossene Altenkrankenheim wird zu einem eigenen "Stadtviertel" umgebaut — nach dem Vorbild der flämischen Beginenhöfe. Nach außen hin architektonisch abgeschlossen wegen der Sicherheit, nach innen für die Bewohner offen, um ihnen möglichst viel Freiraum zu ermöglichen. Die Graf-Recke-Stiftung orientiert sich an dem europaweiten Modellprojekt De Hogeweyk in Weesp/Amsterdam.

Die etwa 80 Bewohner sollen in Hausgemeinschaften zu zehnt bis zwölf leben. Im Zentrum steht eine Wohnküche. Die Patienten sollen möglichst viel von ihrem alten Leben in den Wohngemeinschaften wiederfinden. Wer beispielsweise früher gerne musiziert und gesungen hat, trifft auf Mitbewohner, die diese Interessen teilen.

"Wir gehen von den noch vorhandenen Fähigkeiten der Bewohner aus, nicht von ihren Defiziten", beschreibt Lilie den neuen Ansatz des Konzepts: "Autonomie und Schutz sind ausbalanciert." Der Alltag soll nicht von der nötigen Pflege bestimmt sein, sondern umgekehrt die Pflege sich in den Alltag der Bewohner einpassen.

Das Altenpflegeheim Haus Buche will die Graf-Recke-Stiftung aufgeben. Die Kinder- und Jugendhilfe auf dem Gelände wird auf 60 bis 70 Plätze verkleinert. Auf dem Gelände sollen auch Wohnungen für Familien Kindern (von Mitarbeitern) entstehen. Denkbar sei auch eine kleine Kindertagesstätte. Angedacht seien auch Wohnangebote auf Zeit für Angehörige.

(RP)
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