Donum vitae: Hildener Beratungsstelle zieht positive Projekt-Bilanz

Hilden : Donum vitae zieht positive Projekt-Bilanz

Nach drei Jahren endet das Projekt „Schwangerschaft und Flucht“. Hildener Beratungsstelle profitiert von Kontakten und Know-How.

Dank eines vom Bund finanzierten Modellprojekts, erweiterte die Schwangerschaftsberatung „Donum Vitae“ – aufgrund des verstärkten Flüchtlingsstroms – ihr Angebot ab 2016 und passte es auf die Bedürfnisse geflüchteter Frauen an. Die Bilanz des dreijährigen Projekts fällt im Kreis Mettmann positiv aus: Fast 300 Erstberatungen wurden in Anspruch genommen; neue Netzwerke sind entstanden.

Seit bald 20 Jahren ist Margret Herbertz Schwangerschaftsberaterin in Hilden. Zwischen 450 und 500 Erstberatungen führt sie pro Jahr durch. Viele Situationen hat sie dabei erlebt, viele Frauen bei wichtigen Entscheidungen beraten und unterstützt und zum Teil auch über Jahre begleitet. Die Situation vor fünf Jahren stellte die erprobte Beraterin allerdings vor noch nie da gewesenen Herausforderungen: „Ab 2014 haben wir einen hohen Zuwachs an geflüchteten Frauen und Familien erlebt, mit ganz neuen Beratungsbedürfnissen, denen wir uns stellen mussten“, erinnert sich die 65-Jährige. „Und wir fühlten uns damals sehr herausgefordert.“

Die sprachlichen Barrieren waren eine wesentliche Hürde, aber es häuften sich auch Fragen zum Asylrecht, der Austausch mit den zuständigen Behörden wurde nötig. Wesentliches – wie die regelmäßigen Untersuchungen beim Kinderarzt oder die Funktion einer Hebamme – musste erklärt werden. Herbertz erhielt, dank des vom Donum Vitae Bundesverbandes erarbeiteten und durch das Bundesministerium für Familie finanzierten Modellprojektes „Schwangerschaft und Flucht“ Unterstützung durch die diplomierte Sozialpädagogin Tatjana Soliman.

Sie übernahm eine in Hilden neu eingerichtete Teilzeitstelle und war fortan als aufsuchende Beraterin eine Lotsenfunktion unterwegs. Sie führte die überwiegend afrikanischen Frauen in das für sie unbekannte Beratungs- und Gesundheitssystem ein. Eine spannende Aufgabe, wie Soliman selbst berichtet: „Es ist eine sehr dankbare Arbeit, bei der ich viel gelernt habe, zum Beispiel, dass die Herkunft ganz egal ist: Jede Mutter plagen ähnliche Fragen, jede von ihnen will eine gute Mutter sein.“

In der Anfangszeit habe Soliman noch viel mit Dolmetschern gearbeitet, sei viel in Flüchtlingsunterkünften gewesen. Mittlerweile hätten viele die Sprache gelernt, seien in Wohnungen untergekommen. Auch das Beratungsangebot von Donum Vitae sei durch das Projekt bekannter geworden, ein größeres Netzwerk mit Flüchtlingsorganisationen und Beratungsstellen, aber auch spezialisierten Ärzten sei entstanden.

Ein Thema, das in gewöhnlichen Beratungen nicht zur Sprache kommt, durch das Modellprojekt aber an Gewicht gewonnen habe, sei die in vielen Teilen Afrikas praktizierte Genitalbeschneidung bei Frauen. „Wir hatten tatsächlich einen solchen Fall. Da wussten wir zunächst nicht, wie wir damit umgehen sollten“, gesteht Soliman. Am Ende wurde die Frau für eine Rekonstruktion an eine Spezialklinik nach Aachen vermittelt.

Ende des Monats geht das Modellprojekt zu Ende, Soliman wechselt dann nach Duisburg. Was bei Donum Vitae im Kreis Mettmann bleibt, sind die vielen Kontakte und das gesammelte Know-how der vergangenen drei Jahre.

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