Die gängigsten Irrtümer in Sachen Sonnenschutz

Hilden : Die gängigsten Irrtümer beim Thema Sonnenschutz

Im Schatten ist man vor UV-Strahlung geschützt und ein- bis zweimal am Tag eincremen reicht aus – stimmt oder stimmt nicht? Hier sind die wichtigsten Infos zum Thema.

Es gibt jede Menge Irrtümer in Sachen Sonnenschutz, manche sind mehr, manche weniger verbreitet. Die Dermatologin Lilian Vourvouli-Rickers begegnet ihnen an ihrem Arbeitsplatz in der Hildener Capio Klinik im Park immer wieder. Etwa beim Hautscreening, wenn sie Leute auf Hautveränderungen bis hin zum Krebs untersucht. Wir haben mit ihr gemeinsam die häufigsten Irrtümer beim Thema Sonnenschutz zusammengestellt.

Im Winter muss ich mich nicht eincremen.

Falsch. Die meisten glauben, sich im Winter einzucremen, sei nicht nötig, und greifen höchstens im Skiurlaub zum Sonnenschutzmittel. Falsch: „Im Winter kann die UV-Strahlung senkrecht auf die Haut treffen. Deswegen müssen die Sonnenbalkone, also die Hautstellen, die immer der Sonne ausgesetzt sind – Gesicht, Hände, Dekolleté - unbedingt eingecremt werden, auch im Winter“, mahnt die Hautärztin. Am ehesten droht der Sonnenbrand, wenn man sich nach dem Winter wieder in die Sonne begibt. Da ist die Haut von der Sonne entwöhnt und besonders empfindlich. „Im Laufe der Saison wird die Haut unempfindlicher, zum Ende hin reicht bei vielen dann auch Lichtschutzfaktor 30. Aber nicht darunter und häufig erneuern“, sagt Lilian Vourvouli-Rickers.

Lichtschutzfaktor 50 schützt den ganzen Tag – und nach dem Schwimmen bleibt der Schutz bestehen. 

Die Frauen machen es richtig: Sie cremen sich ein vor dem Sonnenbad. Foto: dpa/Friso Gentsch

Falsch. Im Sommer, wenn der Sonnenbrand droht, cremen sich inzwischen die meisten Leute ein, aber viele machen es falsch: „Sie glauben, wenn Sie einen Lichtschutzfaktor 30 oder 50 verwenden, können sie sich den ganzen Tag in der Sonne aufhalten. Gerade dann, wenn sie ein Produkt benutzen, das als wasserabweisend deklariert wird, fühlen sich Sonnenanbeter sicher – zu Unrecht: „Wenn sie schwitzen oder ins Wasser gehen und dann wieder herauskommen, muss der Sonnenschutz erneuert werden. Und generell sollte man stündlich nachcremen, auch bei Lichtschutzfaktor 50“, rät die Ärztin.

Die teuerste Creme bietet den besten Schutz.

Falsch. „Es gibt gute Produkte zu günstigen Preisen in den Drogerien“, weiß sie. Wichtig sei es, beim Kauf auf das europäische CE-Prüf-Zeichen zu achten und die ISO-Nummer. Dann erfülle das Mittel die vorgegebenen Qualitätsanforderungen. „Das sollte in Deutschland auf alle Produkte im Handel zutreffen.“

Im Schatten brauche ich keinen Sonnenschutz.

Zu den weit verbreiteten Irrtümern gehöre auch der Glaube, im Schatten könne einem die Sonne nichts anhaben: „Das ist Unsinn: 50 Prozent der UV-A und -B Strahlung ist auch im Schatten. Also muss man sich auch dort eincremen.“

Kinder müssen besonders gut vor Sonnenstrahlen geschützt werden.

In den Bereich der Mythen gehört auch der weit verbreitete Glaube, Kinder hätten besonders empfindliche Haut: „Kinder sind nicht besonders empfindlich. Sie können mit Lichtschutzfaktor 30 oder 50 gut geschützt werden. Häufiges Eincremen ist wichtig.“

Sonnencreme bietet außerhalb von Schattenplätzen den besten Schutz.

Es gibt noch einen anderen Schutz vor Sonnenbrand: „Das sind Textilien mit UV-Schutz, die es für Kinder und Erwachsene gibt. Gerade für Kinder und Sportler empfiehlt die Dermatologin „sunprotecting clothes“ , wie es auf den Etiketten der entsprechenden Produkte vermerkt ist. „Auch ein Hut oder eine Kappe schützt gerade das Gesicht vor den schädlichen UV-Strahlen.“ – Kopfbedeckungen reduzieren auch die Gefahr, sich einen Sonnenstich zu holen.

Beratung beim Kauf von Sonnencreme ist überflüssig – Hauptsache hoher Lichtschutzfaktor.

18.07.2018, Niedersachsen, Osnabrück: Zwei junge Frauen sitzen nebeneinander in der Sonne auf einer Wiese und tauschen Sonnencreme aus. Foto: Friso Gentsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. Foto: dpa/Friso Gentsch

Bedingt richtig: Wer jedoch Medikamente nimmt, etwa Entwässerungspräparate, sollte sich bei der Wahl des Sonnenschutzes gut beraten lassen, vielleicht in einer Apotheke. Es könne nämlich zu phototoxischen oder pseudo-allergischen Reaktionen kommen. „Sonnenschutzmittel sind übrigens nicht generell harmlos. Bei empfindlichen Menschen können akneähnliche Hautveränderungen auftreten oder sogar allergische Reaktionen. Ich persönlich halte nichts von Make-Up mit Sonnenschutz. Zum einen macht das die Kleidung schmutzig, zum anderen sieht man erste Rötungen, die einen Sonnenbrand ankündigen, nicht rechtzeitig. Außerdem kann es die Talkdrüsen verstopfen.“