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Hilden: Die eigene Stadt als Zukunftsfeld

Hilden : Die eigene Stadt als Zukunftsfeld

Es sind lauter kleine Entdeckungen, die das Wirken der neuen lokalen Transition Town-Gruppe so spannend macht. Unkonventionelle Ideen und genauso das fröhliche Nutzen wenig beachteter Orte können eine solche Entdeckung ausmachen. Am Sonntagnachmittag trafen sich die Querdenker, die unter dem Namen "Hilden im Wandel" firmieren, zum Erfahrungsaustausch mit Düsseldorfer Mitstreitern beim Picknick im Grünen auf dem Waldspielplatz am Elbsee.

Der junge Vater Bernhard Seckinger hatte den Treffpunkt vorab erkundet: "Ich habe einfach beschlossen, dass wir uns hier treffen, mit dem richtigen Mix aus Sonne und Schatten." Bereits am 1. Juli gab die Gruppe im Bürgerhaus mit einem von Seckinger gehaltenen Einführungsvortrag den Startschuss zum nachhaltigen Aktivwerden in der Stadt. Ein Jahr zuvor hatte er selbst zum ersten Mal in einem Internetblog von der im Jahr 2006 in England entstanden Transition Town-Bewegung gelesen.

In den "Umgestaltungsstädten" geht es darum, lokale Bindungen in Gesellschaft und Wirtschaft zu stärken, um eine Alternative zur erdölbasierten Weltwirtschaft zu entwickeln. Die Ölreserven, aus denen zahlreiche Konsumprodukte, von der Plastiktüte bis zu Medikamenten, hergestellt werden, sind bald aufgebraucht und verursachen zudem beim Verbrauch erhebliche Umweltschäden.

Lehrerin Claudia Haase aus Hilden findet, dass es angesichts dieser düsteren Prognosen und der weitgehenden Ignoranz dieses Problems, positive Strategien nach dem Prinzip "Stärken stärken" zu entwickeln gilt: "Jeder von uns hat viele Stärken. Leute, die sonst ihre Stärken nicht einbringen können, die können es etwa beim Tauschen tun. Es herrscht so eine Art Armutsgefühl, doch man kann es aus auch einem anderen Blickwinkel sehen."

Die Mitglieder der zurzeit vierköpfigen Hildener Gruppe lernten sich über den Tauschring Düsseldorf kennen. Haase hat dort bereits Sprachunterricht angeboten und dafür andere praktische Hilfen wie eine Fahrradreparatur erhalten. In der Landeshauptstadt gibt es bereits ein gut funktionierendes Netzwerk der Wandelwilligen, bei dem jeder Aktive seine persönlichen Schwerpunkte setzt. So radelte aus Unterbach Gerhard Roth herbei, der am 31. August eine Demonstration an Europas größtem Hühnerhof im niedersächsischen Wietze mitorganisiert. Michael Bonke aus Flingern stellte seinen äußerst effizient arbeitenden und zudem tragbaren Solarkocher vor, dessen Konstruktion er selbst mitentwickelt hat, und in dem er Wasser für Rosenblütentee aufkochte.

Die Hildenerin Susanne Schmidt arbeitet zwar im Büro, studierte jedoch Gartenbau und engagiert sich deshalb besonders für das "Urban Gardening", die Landwirtschaft mitten in der Stadt. Mit den Gestaltern des Vorzeigeprojekts "Wandelgarten" in Wuppertal steht sie bereits in Kontakt. Auch für Hilden wäre ein solcher Innenstadtgarten durchaus vorstellbar. Das Zauberwort "Kräuterspirale" fällt bei dem Treffen immer wieder. Mit einem solchen grünen Experimentierkasten lassen sich auf kleinstem Raum die tollsten und schmackhaftesten Erfolge feiern. Winterheckenzwiebeln etwa lassen sich selbst bei Schnee noch ernten, während sich mit Senfblättern gut Brotaufstriche garnieren lassen. Beim Herstellen von süßem Melissensirup darf ein abschließendes Abkochen nicht vergessen werden, um Schimmelbildung zu vermeiden.

Weil fast jede Aktivität der jungen Bewegung neu ausprobiert wird, ist ein gesellige Austausch wie beim Picknick zum Vorankommen wichtig und erfrischt in solch heißer Zeit wie der Sprung in einen Informationspool. So geht die Hildener Entdeckungstour in Richtung Zukunftshorizont spannend weiter, ob mit oder ohne Erdöl.

(lard)