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Haan: Dezernentenwahl dank "Abweichler"

Haan : Dezernentenwahl dank "Abweichler"

Unter den 23 Stimmen, die Engin Alparslan als neuer Technischer Beigeordneter erhielt, war mindestens eine Stimme aus den Reihen von SPD, GAL und UWG. Der Bürgermeister hatte bewusst für die Kandidatin der Linken votiert, um das Abstimmverhalten einschätzen zu können.

Zwischen Stadt und Kreis konnten noch keine Verhandlungen darüber aufgenommen werden, wann der bisherige Leiter des Liegenschaftsamtes seinen neuen Posten als Technischer Beigeordneter in Haan aufnehmen kann. Engin Alparslan (44) hatte am Dienstagabend im Haaner Stadtrat 23 Stimmen erhalten; das war die für den ersten Wahlgang nötige absolute Mehrheit. Diese Zahl hatte den Schluss zugelassen, dass CDU und FDP (zusammen 22 Stimmen) geschlossen für ihren Wunschkandidaten gestimmt hatten und zusätzlich Bürgermeister Knut vom Bovert (parteilos) so votiert hatte.

Dem trat vom Bovert gestern entgegen und machte die geheime Wahl etwas transparenter. Er habe für Ricarda Bunge gestimmt. Die Bauamtsleiterin in Künzell war von Nelson Janssen (Linke) zur Wahl vorgeschlagen worden und hatte drei Stimmen — anscheinend die der beiden Linken und die des Bürgermeisters — erhalten. Er habe durch diese bewusste Art abzustimmen zu ergründen versucht, ob das erwartete Ergebnis eintritt, sagte vom Bovert. Der Verwaltungschef hatte eine geschlossene Entscheidung von CDU und FDP vorausgesehen. Offenbar sei es durch die aufwändige Potenzial-Analyse gelungen, ein Mitglied einer anderen Fraktion von Alparslan zu überzeugen. Vom Bovert erklärte gestern, er selbst habe den von Wilfried Pohler (SPD) vorgeschlagenen Kandidaten Jürgen Rautenberg dazu ermuntert, sich um den Posten des Technischen Beigeordneten zu bewerben. Der langjährige Haaner Planungsamtsleiter, der später 17 Stimmen (eine weniger als Vertreter der Fraktionen von SPD, GAL und UWG am Dienstag im Saal waren) erhielt, habe sich in der Potentialanalyse unter die besten drei Bewerber vorgearbeitet, freute sich vom Bovert für seinen langjährigen, bewährten Mitarbeiter.

Die Personalberater hatten dem Stadtrat keine klare Empfehlung ge- geben, sondern alle Finalisten für gleich gut geeignet angesehen. Jeder Kandidat hatte in der Analyse spezielle Qualitäten gezeigt: Alparslan war eher als der Macher, Beweger und Veränderer eingestuft worden, Rautenberg als der Bewahrer und Entwickler und schließlich Ricarda Bunge als sensible und offene Teamplayerin.

Die externen Experten, deren Einsatz rund 12 000 Euro kostete, hatten "eine politische Entscheidung" für erforderlich gehalten. Alparslan (parteilos) war im Vorfeld des Bewerbungsverfahrens aus den Reihen der Haaner FDP angesprochen und für die Bewerbung motiviert worden. Für die Wahl war die Verwaltung auf alles vorbereitet; sogar auf einen Losentscheid nach einer Stichwahl ohne Sieger.

Wenn Engin Alparslan seinen Dienst in Haan antritt, sollen die Arbeitsbereiche zum Teil neu abgesteckt werden, kündigte vom Bovert an, der sich auf die Frage, wen er im zweiten Wahlgang unterstützt hätte, in Schweigen hüllte.

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(RP)