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Deshalb konnte die Itter in Hilden überlaufen

Unwetter in Hilden und Haan : Deshalb konnte die Itter überlaufen

Das letzte Itter-Hochwasser hat es in Hilden vor 60 Jahren gegeben. Warum konnte die Itter dann plötzlich am späten Mittwochabend überlaufen?

Die Itter hat Teile der Hildener Innenstadt überflutet. Das ist das letzte Mal 1961 geschehen. Mit mehr als 200 Millimetern pro Quadratmeter in 24 Stunden waren das die höchsten gemessenen Niederschläge im Verbandsgebiet des BRW seit Beginn der Aufzeichnungen vor 70 Jahren, teilt BRW-Geschäftsführer Engin Alparslan mit. Das war ein Ereignis deutlich über 100 Jahre Wiederkehr. Nach diesem Wert ist der Hochwasserschutz ausgelegt. Und deshalb lief die Itter über. Die Hildener Kanäle sind auf einen Starkregen ausgelegt, der statistisch gesehen nur alle fünf Jahre vorkommt. Für die sogenannten 100-jährigen Ereignisse müssten die Kanäle dreimal so groß sein. Wenn die Stadt Regenwasserkanäle erneuern muss, baut sie inzwischen Rohre mit deutlich größeren Durchmessern ein. Und sie baut unterirdische Regenrückhaltebecken. Sie können die Sturzfluten aber nicht aufhalten, sondern nur im besten Fall bremsen. Hinzu kommt: Die Definition, was ein Jahrhundert-Hochwasser ist, ändert sich im Lauf der Zeit. Beispiel: Lange galt das Rheinhochwasser von 1926 als Jahrhundert-Ereignis – bis 1993 und 1995 gleich zwei ähnlich hohe Wasserstände eintraten.

Für Experten gibt es drei Ursachen für Hochwasser: Gewässerausbau, Versiegelung und Klimakrise. „Wenn Menschen siedeln, wo Wasser hingehört, dann stellt sich die Frage, wer an der falschen Stelle ist, der Mensch oder das Hochwasser“: Das sagte Dietmar Schitthelm vom BRW schon 2003, als die Kreisgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz über die Ursachen von Hochwasser diskutierte. Die Versiegelung von Fläche für Wohnen, Verkehr oder Wirtschaft hat seitdem sicher nicht ab-, sondern eher noch zugenommen. 1999 blieb Hilden von Hochwasser verschont – weil in Solingen die Keller vorliefen. Das sei der „größte Vorfluter für Hilden“ gewesen, sagte Schitthelm damals. In Kürze stellt die Stadt Hilden eine Karte online, die die gefährlichsten Stellen im Stadtgebiet zeigen.

(cis)